Solidarität, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Solidarität · Nominativ Plural: Solidaritäten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungSo-li-da-ri-tät
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Solidarität‹ als Erstglied: ↗Solidaritätsadresse · ↗Solidaritätsaktion · ↗Solidaritätsbasar · ↗Solidaritätsbeitrag · ↗Solidaritätsbekundung · ↗Solidaritätsbewegung · ↗Solidaritätsbeweis · ↗Solidaritätserklärung · ↗Solidaritätsfonds · ↗Solidaritätsgefühl · ↗Solidaritätskomitee · ↗Solidaritätskonto · ↗Solidaritätskonzert · ↗Solidaritätskundgebung · ↗Solidaritätsmarke · ↗Solidaritätsprinzip · ↗Solidaritätsspende · ↗Solidaritätsstiftung · ↗Solidaritätsstreik · ↗Solidaritätszuschlag
 ·  mit ›Solidarität‹ als Letztglied: ↗Volkssolidarität  ·  mit ›Solidarität‹ als Grundform: ↗soli-
Dieser Eintrag war DWDS-Artikel des Tages am 11.10.2019.
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutung

auf das Wissen um gemeinsame Interessen und Ziele oder das Zusammengehörigkeitsgefühl sich gründendes Zusammenhalten von Personen oder Personengruppen und ihr Eintreten füreinander sowie die darauf beruhende gegenseitige Unterstützung
Beispiele:
Auch wenn es Stärkere und Schwächere geben mag, so ist die Grundidee der Solidarität, dass sie am Ende alle stärkt. Solidarität in Europa ist also ein Gebot ökonomischer Vernunft[…]. [Die Zeit, 18.02.2015, Nr. 7]
Die Solidarität unter den Generationen, die Unterstützung innerhalb der Familien und die Erfüllung der gegenseitigen Verpflichtungen sind […] gross. [Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2009]
Sartre selbst beschrieb die Zeit im [Gefangenen-]Lager als die glücklichste Periode seines Lebens. Hier erfuhr er Freundschaft, Solidarität und die Grenzenlosigkeit der Gemeinschaft. [Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002]
Der Blick auf mögliche Vorteile ist der Todfeind der Bildung menschenwürdiger Beziehungen überhaupt; aus solchen kann Solidarität und Füreinandereinstehen folgen[…]. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971, S. 33. Zitiert nach: Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Berlin u. a.: Suhrkamp 1951.]
Der Ausschuß der Bankbeamten hat […] beschlossen, den Streik auch auf das Reich auszudehnen. Die Beamtenschaften zu Leipzig, Hamburg und Frankfurt a. M. […] haben heute vormittag ihre Solidarität erklärt und mitgeteilt, daß der Sonnabend als erster Streiktag angesetzt ist. [Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 11.04.1919]
Wie funktioniert die Parteienhierarchie, und wie operieren die Parteifunktionäre? Durch welche Mittel behaupten sie ihre Macht? Welche Solidaritäten verbinden sie? Wie wirken sich ihre Rivalitäten aus? [Der Spiegel, 03.03.1969, Nr. 10] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: uneingeschränkte, bedingungslose, unverbrüchliche, volle, kritische, gelebte, praktizierte, mangelnde Solidarität; die [viel, oft] beschworene, [falsch, richtig] verstandene Solidarität; brüderliche, menschliche, gesellschaftliche, gewerkschaftliche, europäische, arabische, transatlantische, internationale Solidarität
als Akkusativobjekt: Solidarität fordern, erwarten, brauchen, bekunden, zeigen, zusichern, bekräftigen, üben, aufkündigen,
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Solidarität aufrufen; an jdms. Solidarität appellieren; auf jmds. Solidarität hoffen, sich verlassen; mit jmds. Solidarität rechnen; um Solidarität bitten
mit Genitivattribut: Solidarität der Völker, der Demokraten, der Menschen, der Generationen, der Kollegen
in Koordination: Solidarität und Freundschaft, Unterstützung, Zusammenarbeit, Hilfe, Mitgefühl, Brüderlichkeit
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Solidarität mit Staaten, Ländern, Opfern, Armen, Schwachen, zwischen Völkern, unter Frauen, im Kampf [gegen, für etw.]
als Genitivattribut: das Prinzip, der Geist, ein Gebot, ein Akt, eine Welle, eine Geste, ein Zeichen, ein Ausdruck der Solidarität
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

solidarisch · solidarisieren · Solidarität
solidarisch Adj. ‘füreinander einstehend, miteinander eng verbunden’, im rechtlichen Sinne ‘gemeinsam berechtigt oder verpflichtet’, entlehnt (Anfang 19. Jh., neben vereinzeltem solidar) aus frz. solidaire ‘gemeinschaftlich, gemeinsam verantwortlich’ (besonders rechtssprachlich), älter auch ‘vollständig, ganz’. Das frz. Adjektiv, abgeleitet von frz. solide ‘fest, dicht, haltbar, echt, stark, zuverlässig’, gibt den juristischen Terminus lat. mlat. in solidum ‘für das Ganze’ wieder, eine Fügung mit der neutralen Form von lat. solidus ‘dicht, fest, ganz, vollständig’ (s. ↗solide). Entsprechend wird auch solidarisch zuerst in der juristischen Fachsprache für ‘gemeinsam haftend, verantwortlich, gegenseitig verpflichtend’, dann im allgemeinen Sinne von ‘gemeinsam eintretend, sich verbunden fühlend, übereinstimmend’ gebraucht; vgl. sich mit jmdm., etw. solidarisch fühlen (19. Jh.), sich mit jmdm., etw. solidarisch erklären (Anfang 20. Jh.). solidarisieren Vb. reflexiv ‘für jmdn. eintreten, sich mit jmdm. zur Durchsetzung gemeinsamer Interessen und Ziele verbünden’ (19. Jh.), nach gleichbed. frz. se solidariser. Solidarität f. ‘Zusammengehörigkeitsgefühl, Verbundenheit, gegenseitige Hilfsbereitschaft’ (Ende 18. Jh.), frz. solidarité (Ende 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Füreinandereintreten · Solidarität · ↗Verbundenheit · ↗Zusammenhalt
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akt Eigenverantwortung Einbahnstraße Freiheit Freundschaft Gerechtigkeit Geste Gleichheit Mitgefühl Subsidiarität Toleranz Volk Wahlaktion Welle Zeichen appellieren arabisch aufkündigen aufrufen bekunden brüderlich demonstrieren einfordern international kritisch mangelnd national uneingeschränkt zusichern üben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Solidarität‹.

Zitationshilfe
„Solidarität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Solidarität>, abgerufen am 17.10.2019.

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