Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Sophistik, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sophistik · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung So-phis-tik
Wortzerlegung sophistisch -ik
Wortbildung  mit ›Sophistik‹ als Grundform: sophistisch
Herkunft Griechisch
eWDG

Bedeutungen

1.
Philosophie Strömung in der antiken griechischen Philosophie, deren Vertreter als erste den Menschen in den Mittelpunkt philosophischer Betrachtungen stellten und als berufsmäßige Lehrer Kenntnisse besonders in der Redekunst, der Kunst des Streitgesprächs und der Kunst des Beweises verbreiteten, was jedoch bei den jüngeren Vertretern zur bloßen Technik einer spitzfindigen Beweisführung entartete
2.
abwertend, übertragen (zum Zwecke der Täuschung vorgenommenes) scheinbar logisches Beweisverfahren, dessen Schlüsse als zwingend erscheinen, tatsächlich jedoch fehlerhaft sind
Beispiel:
mit erbärmlicher Sophistik [fand Kautsky heraus], die Internationale sei »im wesentlichen ein Friedensinstrument« und daher für eine Tätigkeit im Kriege nicht geeignet [ Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung5,26]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sophist · sophistisch · Sophistik · Sophismus
Sophist m. ‘Vertreter einer griechischen Philosophenschule (des 5. bis 4. Jhs. v. u. Z.), Rhetor’ (18. Jh.), älter ‘Überredungskünstler, Wortverdreher, Schwätzer, Betrüger’ (Ende 15. Jh.), bei den Anhängern Luthers abschätzige Bezeichnung für ihre Gegner, entlehnt aus lat. sophista, sophistēs, griech. sophistḗs (σοφιστής) ‘Künstler, Gelehrter, (Wander)lehrer, der für Geld die Kunst zu denken und zu sprechen, Weltweisheit, Politik, Rhetorik lehrt, Redner, Verfasser von Reden’, dann auch ‘Großsprecher, Aufschneider, Wortspieler, Betrüger’; zu griech. sophízein (σοφίζειν) ‘unterrichten, belehren’, medial ‘geschickt, klug oder listig reden oder handeln, aussinnen, erfinden’, Denominativum zu griech. sophós (σοφός) ‘geschickt, gelehrt, weise, Weiser’ (s. Philosoph). – sophistisch Adj. ‘in der Art eines Sophisten, spitzfindig’ (16. Jh.), lat. sophisticus, griech. sophistikós (σοφιστικός). Sophistik f. (17. Jh.), Sophismus m. (18. Jh.).

Thesaurus

Linguistik/Sprache, Psychologie
Synonymgruppe
Silbenstecherei · Spitzfindigkeit · Wortklauberei  ●  Haarspalterei  fig. · Erbsenzählerei  ugs., fig. · Finesse  geh., franz. · Fliegenbeinzählerei  ugs., fig. · Kasuistik  geh. · Korinthenkackerei  derb · Paralogistik  geh., griechisch · Rabulistik  geh., lat. · Sophisterei  geh., griechisch · Sophistik  geh., abwertend, bildungssprachlich · Wortverdreherei  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Sophistik‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sophistik‹.

Verwendungsbeispiele für ›Sophistik‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Sophistik dient letzten Endes nur dazu, die tödliche Spritze zu verharmlosen. [Die Zeit, 12.06.1992, Nr. 25]
Es gehört zur Sophistik der Sucht, dass eben dies ein starker Grund werden kann, weiter zu rauchen. [Süddeutsche Zeitung, 30.12.2004]
In diese letztgenannte Richtung weist der zweite Grundgedanke der Sophistik, ihre Rede von der Machtidee. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2549]
Es führt also, soweit die formale Seite in Betracht kommt, eine gerade Linie von der Sophistik zu der großen attischen Literatur. [Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3832]
Aber auch Agnostizismus war in mancher Hinsicht der Sophistik nicht unbekannt. [Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3834]
Zitationshilfe
„Sophistik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sophistik>.

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