Sowjet, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Sowjets · Nominativ Plural: Sowjets
Aussprache  [zɔˈvjɛt] · [ˈzɔvjɛt]
Worttrennung So-wjet · Sow-jet
Wortbildung  mit ›Sowjet‹ als Erstglied: Sowjetzone · sowjetisieren  ·  mit ›Sowjet‹ als Letztglied: Dorfsowjet · Gebietssowjet · Nationalitätensowjet · Stadtsowjet · Unionssowjet
Herkunft aus sovétruss (совет) ‘Rat’
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
historisch (auf verschiedenen Ebenen gewählter) Rat (3) als Volksvertretung und Machtorgan in der Sowjetunion
Die Bezeichnung »Rat«für die sowjetischen Volksvertretungen geht auf die während der Revolution 1917 exekutive Macht erlangenden Arbeiterräte zurück.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der Oberste, örtliche, regionale, litauische, Moskauer Sowjet
in Präpositionalgruppe/-objekt: Wahlen zum [Obersten] Sowjet; eine Rede vor dem [Obersten] Sowjet
als Genitivattribut: das Präsidium, der Vorsitzende, die Abgeordneten, das Mitglied, der Deputierte, die Tagung, die Sitzung, der Beschluss des [Obersten] Sowjets
Beispiele:
Der Oberste Sowjet der UdSSR hat am Dienstag in Moskau auf seiner turnusmäßigen Sitzung das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU Andrej Gromyko einstimmig zum Vorsitzenden seines Präsidiums gewählt. Die höchste Volksvertretung wählte den Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Michail Gorbatschow, einstimmig zum Mitglied des Präsidiums des Obersten Sowjets. [Berliner Zeitung, 03.07.1985]
Damals [1988] beantragte der Oberste Sowjet des Autonomen Gebiets den Anschluss Berg‑Karabachs an Sowjetarmenien, was Aserbaidschan prompt ablehnte. [Der Tagesspiegel, 25.11.2020]
Ohnmächtig mußten Menschewiki und Sozialrevolutionäre zusehen, wie ein Sowjet nach dem anderen ihrem Einfluß entschwand. [Neues Deutschland, 26.09.1987]
Die Sowjets, die Organisationen der am bewußtesten vorwärts treibenden Elemente der Revolution, haben sich diesmal nicht mehr damit begnügt, die Konstituante von allen anderen Parteien außer den Bolschewiki und linken S. R. (= Sozialrevolutionäre) zu »reinigen« (wogegen Rosa Luxemburg auf Grund ihrer eigenen Analysen nichts einwenden dürfte), sondern haben sich selbst an ihre Stelle gesetzt. [Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewußtsein. Neuwied [u. a.]: Leuchterhand 1970 [1923], S. 432]
Im Großen Staatstheater in Moskau fand eine feierliche Sitzung der Sowjets der Moskauer Truppenverbände anläßlich der Fahnenübergabe an verschiedene Truppenteile statt. [Rote Fahne (Morgen-Ausgabe), 20.01.1922]
Die Expreß‑Korrespondenz erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß der Generalkongreß der allrussischen Sowjets in seiner heutigen Sitzung in Moskau den Friedensvertrag mit den Mittelmächten gebilligt habe. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 13.03.1918]
2.
historisch, metonymisch, salopp, häufig verächtlich Bürger, insbesondere (leitender) Politiker der Sowjetunion
Grammatik: meist im Plural
Im westlichen Gebrauch häufig im Plural für die Sowjetunion bzw. die sowjetische Seite und ihren Machtapparat; in der DDR unüblich.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die bösen Sowjets
als Akkusativobjekt: die Sowjets zu etw. bringen, zwingen
als Dativobjekt: den Sowjets etw. anbieten; den Sowjets gelingt etw.
in Präpositionalgruppe/-objekt: Verhandlungen, Gespräche, ein Abkommen mit den Sowjets; gegen die Sowjets kämpfen; von den Sowjets besetzt, enteignet
in Koordination: die Sowjets und [ihre] Satelliten, Verbündeten
als Genitivattribut: die Angriffe, der Einmarsch, der Abzug, der Rückzug, die Vorstöße, das Interesse, die Haltung der Sowjets
Beispiele:
1951 wurde mein Vater abgeholt und in einem Geheimverfahren der Sowjets zu zweimal 25 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. [Süddeutsche Zeitung, 02.10.2020]
Zwei Agenten, ein Amerikaner und ein Sowjet, machen [im Film] gemeinsame Sache gegen böse Verschwörer. Das Resultat ist originell und eine Sixties‑Ausstattungsorgie. [Süddeutsche Zeitung, 13.08.2015]
Sind die Sowjets in Afghanistan einmarschiert, weil sie glaubten, keine andere Wahl zu haben – weil die einzige Alternative zum Einmarsch der Zusammenbruch des pro‑sowjetischen Regimes und der Triumph der Rebellen gewesen wäre? [Die Zeit, 14.03.1980]
Im Oktober schossen die Sowjets ihren ersten Erdsatelliten in den Weltraum, im November schickten sie Sputnik II mit dem Raketenhund Laika auf seine Bahn um den Erdball. [Der Spiegel, 18.12.1957]
Man fragt sich nur besorgt, was die Sowjets anfangen werden, nachdem sie ihre Bourgeois ausgerottet haben. [Freud, Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur. Wien: Internat. Psychoanalyt. Verl. 1930, S. 86]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sowjet m. ‘gewählte (oberste oder örtliche) Volksvertretung in der ehemaligen UdSSR, revolutionäres Machtorgan zur Ausübung der Diktatur des Proletariats’. Übernahme (20er Jahre 20. Jh.) von gleichbed. russ. sovét (совет), eigentlich ‘Rat’; anfangs in Reden von E. Thälmann und W. Pieck auch auf deutsche Verhältnisse bezogen. Gegen Ende der 30er Jahre verdrängt Sowjet vollständig die bis dahin auch übliche Übersetzung Rat.

Typische Verbindungen zu ›Sowjet‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sowjet‹.

Zitationshilfe
„Sowjet“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sowjet>.

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