Spökenkieker, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Spökenkiekers · Nominativ Plural: Spökenkieker
Worttrennung Spö-ken-kie-ker
Wortzerlegung  Spöke Kieker
Wortbildung  mit ›Spökenkieker‹ als Erstglied: Spökenkiekerei
Duden, GWDS, 1999

Bedeutungen

a)
norddeutsch Geisterseher; Hellseher
b)
umgangssprachlich, scherzhaft, spöttisch grüblerischer, spintisierender Mensch
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spuk · spuken · spukhaft · Spökenkieker
Spuk m. ‘Gespenst, gespenstisches Treiben, Lärm’, mnd. spōk, spoek, spūk, spȫk, mnl. spooc, nl. spook ‘Geistererscheinung, Gespenst’. Daneben stehen auf hd. Gebiet (vereinzelt; unter nd. Einfluß?) mhd. gespüc, frühnhd. gespug (15. Jh.), nhd. Gespeuck (17. Jh.) und Spugniß (Luther, nach mnd. spȫknisse), die sich jedoch nicht fortsetzen. Vielmehr dringt nd. Spuk über norddeutsche Schriftsteller in die Literatursprache ein (17. Jh.). Alle bisherigen Erklärungsversuche sind unbefriedigend, z. B. Verbindung mit lett. spīgana ‘Geistererscheinung, Drache, Hexe’, spīgainis ‘Irrlicht’, lit. spingė́ti ‘flimmern, flackern, glitzern’ oder mit aengl. pūca, engl. puck ‘Kobold’, anord. pūki ‘Teufel’, schwed. (mundartlich) puke ‘Kobold’. de Vries Nl. 682 erwägt daher Herkunft des nd. nl. Wortes aus der Substratsprache eines Hünengräbervolkes. spuken Vb. ‘als Geist sein Wesen treiben, als Geist erscheinen, umgehen’ (17. Jh.). Ausgangsform ist mnd. nd. spȫken, wie auch norddeutsche Schriftsteller des 16. und 17. Jhs. schreiben. In der Literatursprache wird hingegen der Stammvokal an Spuk angeglichen. spukhaft Adj. ‘gespenstisch’ (19. Jh.), vgl. nd. spȫkhaftig. Spökenkieker m. nordd. ‘Geisterseher, wer das zweite Gesicht hat’ (19. Jh.), zu mnd. spȫk (s. oben) und kieken ‘gucken, sehen’ (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Hellseher · Prophet · Seher · Vorbote · Wahrsager · Weissager  ●  Augur  geh., lat. · Spökenkieker  ugs., norddeutsch, westfälisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Geisterseher · Medium  ●  Spökenkieker  ugs., westfälisch
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Spökenkieker‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Christoph Marthaler, man wusste es doch immer schon, ist ein Schweizer Spökenkieker.
Der Tagesspiegel, 08.11.2004
Gleichwohl ist der Mann nicht nur ein cleverer Pillendealer, messianischer Spökenkieker und Religionsgründer.
Die Zeit, 06.04.2013, Nr. 14
Dann werden die Warner und Zweifler es überleben, als Spökenkieker verlacht zu werden.
Die Zeit, 21.01.1991, Nr. 03
Die sind so wunderbar und einzigartig, dass sie eigentlich nur von Außerirdischen gemacht sein können, wie der berühmte Spökenkieker Erich von Däniken überzeugend nachgewiesen hat.
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2000
Längst haben nicht mehr nur Nordfrieslands Spökenkieker Angst vor nassen Füßen
Die Welt, 31.07.2001
Zitationshilfe
„Spökenkieker“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sp%C3%B6kenkieker>, abgerufen am 30.07.2021.

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