Spekulant, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Spekulanten · Nominativ Plural: Spekulanten
Aussprache
WorttrennungSpe-ku-lant (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortzerlegungspekulieren-ant1
Wortbildung mit ›Spekulant‹ als Erstglied: ↗Spekulantin  ·  mit ›Spekulant‹ als Letztglied: ↗Häuserspekulant · ↗Währungsspekulant
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend jmd., der (oftmals unsichere) Geschäfte betreibt, um hohe Gewinne zu erzielen, besonders an der Börse
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

spekulieren · Spekulant · Spekulation · spekulativ
spekulieren Vb. ‘nachdenken, gewagte, riskante Geschäfte machen, auf etw. rechnen’, mhd. speculieren ‘sich in religiöse Betrachtung versenken, (Gott) zu erforschen suchen, sinnen’ wird durch die Mystiker entlehnt aus lat. speculārī ‘(umher)spähen, sich umsehen, auskundschaften, beobachten’; zu lat. specere ‘sehen’. Bei den Reformatoren (Luther) erhält spekulieren den abschätzigen Nebensinn ‘forschen, nachdenken auf phantastischer (d. h. nicht auf biblischer Überlieferung beruhender) Grundlage’, verallgemeinert ‘ohne Bezug zur Wirklichkeit nachsinnen, forschen’, auch ‘dichten’ (16. Jh.). Doch bleibt daneben wertneutraler Gebrauch im Sinne von ‘nachdenken, überlegen, mutmaßen’ erhalten, in der Philosophie weiterentwickelt zu ‘durch bloßes Denken (ohne Empirie) Erkenntnisse zu gewinnen suchen’ (18. Jh.). Eine eigene Verwendungsweise zeigt die Kaufmannssprache, wo ‘Berechnungen, Überlegungen anstellen, die einen Erfolg möglich erscheinen lassen, solche Absichten und Geschäfte ausführen’ (16. Jh., geläufig 18. Jh.) in ‘riskante Geschäfte machen’ übergeht. Davon herzuleiten ist der allgemeinsprachliche Gebrauch spekulieren (‘rechnen’) auf etw. (Ende 18. Jh.). Spekulant m. philosophisch ‘wer über metaphysische Dinge nachdenkt, Grübler’ (17. Jh.), kaufmannssprachlich ‘wer mit Risiko nach Gewinn strebt, auf Gewinn rechnender Unternehmer’ (18. Jh.); vgl. lat. speculāns (Genitiv speculantis), Part. Präs. zu lat. speculārī (s. oben). Spekulation f. mhd. speculācie (Anfang 14. Jh.), frühnhd. Speculacz (15. Jh.), Speculation (16. Jh.), aus spätlat. speculātio (Genitiv speculātiōnis) ‘das Ausschauhalten, Ausspähen, Betrachtung, das Beschauen’; entsprechend dem Gebrauch des Verbs zuerst bei den Mystikern ‘Betrachtung Gottes und seiner Schöpfung, geistliche Verzückung’, dann ‘tiefsinniges Nachdenken, Betrachten, Forschen’ (16. Jh.), philosophisch ‘kontemplatives, von der Wirklichkeit losgelöstes Erkenntnisstreben’ (18. Jh.), bald auch abschätzig windige, müßige Speculation ‘Spintisiererei’ (18. Jh.). Kaufmannssprachlich ‘kaufmännische Berechnung, riskante, auf Gewinn zielende Unternehmung’ (18. Jh.). spekulativ Adj. philosophisch (als Gegensatz zu empirisch) ‘in reinen Begriffen denkend, wirklichkeitsfremd, übersinnlich’, verallgemeinert ‘grübelnd, forschend, zur Spekulation neigend’ (17. Jh.), kaufmannssprachlich ‘berechnend, auf Gewinn, Handelsvorteil bedacht’ (19. Jh.), aus mlat. speculativus ‘in forschendes Denken sich versenkend, betrachtend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Spekulant  ●  ↗Finanzhai  ugs. · ↗Finanzjongleur  ugs. · ↗Heuschrecke  ugs., fig. · ↗Zocker  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Abzocker · ↗Geschäftemacher · ↗Schacherer · ↗Schieber · Spekulant
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abenteurer Baulöwe Betrüger Gauner Geschäftemacher Glücksritter Hasardeur Hedgefonds Kriegsgewinnler Philanthrop Profiteur Rohstoffmarkt Schieber Schlawiner Schwarzhändler Spielball Spielwiese Tummelplatz Zocker eindecken geldgierig gewieft gewissenlos gierig hartgesotten profitgierig risikofreudig skrupellos wetten windig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spekulant‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein erfolgreicher Spekulant gewinnt in 100 Fällen 51 Mal und in 49 Fällen verliert er.
Die Welt, 14.02.2000
Und mit denen sollen Spekulanten schließlich auch ein Vermögen machen können.
Der Tagesspiegel, 29.05.1998
Wird denn ewig das Zeichen höchster religiöser Erkenntnis, das Kreuz des Heilands, dazu dienen müssen, elenden Spekulanten Macht und Gewinn in die Hand zu spielen?
Wagner, Siegfried: Erinnerungen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1923], S. 21615
Aus dem erhofften Riesengeschäft war für die Spekulanten eine Riesenpleite geworden.
Rode, Axel: Das Erbe der Guldenburgs, Bergisch-Gladbach: Lübbe 1986, S. 99
Bartolo erklärte, das seien alles nur künstlich von einigen Spekulanten lancierte Nachrichten, um die Rubies zu drücken und sie billig kaufen zu können.
Heyking, Elisabeth von: Briefe, die ihn nicht erreichten. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 5988
Zitationshilfe
„Spekulant“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Spekulant>, abgerufen am 19.11.2019.

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