Spekulation, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Spekulation · Nominativ Plural: Spekulationen
Aussprache
WorttrennungSpe-ku-la-ti-on
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Spekulation‹ als Erstglied: ↗Spekulationsblase · ↗Spekulationsfrist · ↗Spekulationsobjekt · ↗Spekulationspapier
 ·  mit ›Spekulation‹ als Letztglied: ↗Bodenspekulation · ↗Börsenspekulation · ↗Fehlspekulation · ↗Geldspekulation · ↗Getreidespekulation · ↗Grundstücksspekulation · ↗Währungsspekulation · ↗Übernahmespekulation
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
über die wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis hinausgehendes Denken
a)
das bei unzureichendem Stand des empirischen und rationalen Wissens künftige Ergebnisse vorwegnimmt
Beispiel:
die Atomistik Demokrits hat sich als eine fruchtbare Spekulation für die naturwissenschaftliche Forschung erwiesen
b)
das das empirische und rationale Wissen (bewusst) außer Acht lässt
Beispiele:
eine wirklichkeitsfremde Spekulation
[Hippokrates'] historisches Verdienst besteht darin, daß er den Spekulationen der Naturphilosophen ein strenges System von Beobachtungen und die Untersuchung der Kranken entgegensetzte [Gesundheit1964]
Mutmaßung
Beispiele:
sich in Spekulationen über etw. verlieren
er erging sich in müßigen Spekulationen darüber, was gewonnen wäre, wenn ...
2.
durch die realen Gegebenheiten unzureichend begründete (feste) Erwartung, dass bestimmte Ereignisse, Zustände eintreten werden
Beispiele:
eine durchsichtige, abenteuerliche, vage Spekulation
Diese Veränderung der Politik [der imperialistischen Staaten 1921/22] war mit der Spekulation verbunden, die großen ökonomischen Schwierigkeiten Sowjetrußlands zur Erpressung ausnutzen ... zu können [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung7,159]
3.
abwertend
entsprechend der Bedeutung von spekulieren (Lesart 2)
Beispiele:
die Spekulation mit Grundstücken, Wertpapieren
er versuchte, durch Spekulationen an der Börse zu Geld zu kommen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

spekulieren · Spekulant · Spekulation · spekulativ
spekulieren Vb. ‘nachdenken, gewagte, riskante Geschäfte machen, auf etw. rechnen’, mhd. speculieren ‘sich in religiöse Betrachtung versenken, (Gott) zu erforschen suchen, sinnen’ wird durch die Mystiker entlehnt aus lat. speculārī ‘(umher)spähen, sich umsehen, auskundschaften, beobachten’; zu lat. specere ‘sehen’. Bei den Reformatoren (Luther) erhält spekulieren den abschätzigen Nebensinn ‘forschen, nachdenken auf phantastischer (d. h. nicht auf biblischer Überlieferung beruhender) Grundlage’, verallgemeinert ‘ohne Bezug zur Wirklichkeit nachsinnen, forschen’, auch ‘dichten’ (16. Jh.). Doch bleibt daneben wertneutraler Gebrauch im Sinne von ‘nachdenken, überlegen, mutmaßen’ erhalten, in der Philosophie weiterentwickelt zu ‘durch bloßes Denken (ohne Empirie) Erkenntnisse zu gewinnen suchen’ (18. Jh.). Eine eigene Verwendungsweise zeigt die Kaufmannssprache, wo ‘Berechnungen, Überlegungen anstellen, die einen Erfolg möglich erscheinen lassen, solche Absichten und Geschäfte ausführen’ (16. Jh., geläufig 18. Jh.) in ‘riskante Geschäfte machen’ übergeht. Davon herzuleiten ist der allgemeinsprachliche Gebrauch spekulieren (‘rechnen’) auf etw. (Ende 18. Jh.). Spekulant m. philosophisch ‘wer über metaphysische Dinge nachdenkt, Grübler’ (17. Jh.), kaufmannssprachlich ‘wer mit Risiko nach Gewinn strebt, auf Gewinn rechnender Unternehmer’ (18. Jh.); vgl. lat. speculāns (Genitiv speculantis), Part. Präs. zu lat. speculārī (s. oben). Spekulation f. mhd. speculācie (Anfang 14. Jh.), frühnhd. Speculacz (15. Jh.), Speculation (16. Jh.), aus spätlat. speculātio (Genitiv speculātiōnis) ‘das Ausschauhalten, Ausspähen, Betrachtung, das Beschauen’; entsprechend dem Gebrauch des Verbs zuerst bei den Mystikern ‘Betrachtung Gottes und seiner Schöpfung, geistliche Verzückung’, dann ‘tiefsinniges Nachdenken, Betrachten, Forschen’ (16. Jh.), philosophisch ‘kontemplatives, von der Wirklichkeit losgelöstes Erkenntnisstreben’ (18. Jh.), bald auch abschätzig windige, müßige Speculation ‘Spintisiererei’ (18. Jh.). Kaufmannssprachlich ‘kaufmännische Berechnung, riskante, auf Gewinn zielende Unternehmung’ (18. Jh.). spekulativ Adj. philosophisch (als Gegensatz zu empirisch) ‘in reinen Begriffen denkend, wirklichkeitsfremd, übersinnlich’, verallgemeinert ‘grübelnd, forschend, zur Spekulation neigend’ (Anfang 18. Jh.), kaufmannssprachlich ‘berechnend, auf Gewinn, Handelsvorteil bedacht’ (19. Jh.), aus mlat. speculativus ‘in forschendes Denken sich versenkend, betrachtend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Annahme · ↗Behauptung · ↗Mutmaßung · Spekulation · ↗These · ↗Vermutung  ●  ↗Hypothese  fachspr. · Stochern im Nebel  ugs., fig.
Unterbegriffe
  • Riemannsche Hypothese · Riemannsche Vermutung
  • Sozialfaschismustheorie · Sozialfaschismusthese
  • Sedimentationshypothese · lexikalische Hypothese · lexikalischer Ansatz
Assoziationen
  • (abenteuerliche) Vermutungen (anstellen) · ↗(drauflos) spekulieren · Kaffeesatzleserei (betreiben) · Spekulationen anstellen · ↗herumspekulieren · keine gesicherte Datenbasis (zugrunde legen) · ↗orakeln · wilde Spekulationen (...) · zwischen den Zeilen (lesen)  ●  ↗(herum)fantasieren  abwertend · ↗(sich etwas) zusammenphantasieren  abwertend · (sich) in (abenteuerlichen) Spekulationen ergehen  variabel · (sich etwas) aus den Fingern saugen  ugs., fig. · ↗herumraten  ugs. · herumspinnen  ugs., abwertend · herumspintisieren  geh., abwertend
  • (ein) Produkt der Phantasie · ausgedacht · ↗belegfrei · ↗eingebildet · erfunden · ↗erlogen · ↗fiktiv · ↗frei erfunden · frei phantasiert · ↗imaginär · ↗irreal · nicht auf Tatsachen beruhen(d) · ohne Realitätsbezug · ohne Realitätsgehalt · ↗spekulativ · ↗surreal  ●  (an einer Sache) ist nichts Wahres dran  ugs. · an den Haaren herbeigezogen  ugs., fig. · aus der Luft gegriffen  ugs., fig. · erstunken und erlogen  ugs. · imaginiert  geh. · zusammenfantasiert  ugs., abwertend
  • (es gibt) keine Anhaltspunkte (für) · (lediglich) vermutet · (nur) eine Vermutung · (reine) Spekulation · durch die Tatsachen nicht gedeckt (sein) · nicht belegbar · nicht beweisbar · ohne gesicherte Datenbasis
Antonyme
  • Spekulation
Synonymgruppe
Börsenspekulation · Spekulation · Trade  ●  Zock  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(es gibt) keine Anhaltspunkte (für) · (lediglich) vermutet · (nur) eine Vermutung · (reine) Spekulation · durch die Tatsachen nicht gedeckt (sein) · nicht belegbar · nicht beweisbar · ohne gesicherte Datenbasis
Assoziationen
  • Annahme · ↗Behauptung · ↗Mutmaßung · Spekulation · ↗These · ↗Vermutung  ●  ↗Hypothese  fachspr. · Stochern im Nebel  ugs., fig.
  • (ein) Produkt der Phantasie · ausgedacht · ↗belegfrei · ↗eingebildet · erfunden · ↗erlogen · ↗fiktiv · ↗frei erfunden · frei phantasiert · ↗imaginär · ↗irreal · nicht auf Tatsachen beruhen(d) · ohne Realitätsbezug · ohne Realitätsgehalt · ↗spekulativ · ↗surreal  ●  (an einer Sache) ist nichts Wahres dran  ugs. · an den Haaren herbeigezogen  ugs., fig. · aus der Luft gegriffen  ugs., fig. · erstunken und erlogen  ugs. · imaginiert  geh. · zusammenfantasiert  ugs., abwertend
  • (abenteuerliche) Vermutungen (anstellen) · ↗(drauflos) spekulieren · Kaffeesatzleserei (betreiben) · Spekulationen anstellen · ↗herumspekulieren · keine gesicherte Datenbasis (zugrunde legen) · ↗orakeln · wilde Spekulationen (...) · zwischen den Zeilen (lesen)  ●  ↗(herum)fantasieren  abwertend · ↗(sich etwas) zusammenphantasieren  abwertend · (sich) in (abenteuerlichen) Spekulationen ergehen  variabel · (sich etwas) aus den Fingern saugen  ugs., fig. · ↗herumraten  ugs. · herumspinnen  ugs., abwertend · herumspintisieren  geh., abwertend

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ablösung Anlaß Fusion Gerücht Kraut Nachfolge Wechsel Zinserhöhung Zinssenkung anhaltend anheizen anstellen aufkommen auslösen beenden beteiligen blühen dementieren entgegentreten hinweisen kommentieren kursieren nähren pur ranken rein wild wochenlang zurückweisen Übernahme

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spekulation‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Spekulationen über einen scharfen Schnitt bei den griechischen Schulden nehmen dennoch zu.
Die Zeit, 13.04.2011 (online)
Weil alle relevanten Informationen sofort in diesen inneren Wert eingehen, ist eine rationale Spekulation nach dieser Theorie gar nicht möglich.
o. A. [NP]: Stochastik. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [2000]
Damit sieht sich die amerikanische Regierung genötigt, ihr Angebot an die Spekulation auf den Dollar dauerhaft aufrechtzuerhalten.
o. A.: ACHT JAHRE REAGAN - EINE BILANZ. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1989]
Die Bestimmung eines Zeitpunktes für »gemeinsame Wahlen« nannte er »reine Spekulation«.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - D. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 22451
Man machte mit ihm, wenn es gut ging, eine hervorragende Spekulation.
Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 120
Zitationshilfe
„Spekulation“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Spekulation>, abgerufen am 13.11.2018.

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