Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Sperenzchen

Grammatik Substantiv · wird nur im Plural verwendet
Aussprache [ʃpeˈʀɛnʦçən]
Worttrennung Spe-renz-chen
Herkunft wohl aus sperantialat (Plural sperantiaelat) ‘Hoffnung’ < sperārelat ‘erwarten, hoffen’
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend unnötige, verzögernde, behindernde Umstände, Schwierigkeiten
Phrasem:
Sperenzchen machen (= sich sträuben)
Beispiele:
mach doch keine Sperenzchen!
wozu diese Sperenzchen?
lass doch diese Sperenzchen und iss noch etwas! (= zier dich nicht und iss noch etwas!)
seine, ihre Sperenzchen (= sein, ihr affektiertes Gehabe) sind mir zuwider
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sperenzchen Plur. auch Sperenzien ‘Umstände, Umschweife, Schwierigkeiten’, älter auch ‘Komplimente’; besonders in der Wendung Sperenzchen machen ‘Schwierigkeiten machen, sich sträuben’. Sperantz (17. Jh.), Speranzien (18. Jh.) sowie mundartliches (nd. md.) Sperenzen, Speranzen, Sper(r)anzien, Sper(r)enzien, Sper(r)enzchen ‘Umschweife, Ausreden, Ausflüchte, Schwierigkeiten’ ist wohl entlehnt aus mlat. sperantia ‘Hoffnung’ (Plur. sperantiae), zu lat. sperāre ‘erwarten, hoffen’, also ‘Umschweife, Ausflüchte, Schwierigkeiten als Hoffnungen auf einen damit erstrebten Erfolg’; vgl. ital. tener in speranza ‘in der Hoffnung halten, mit Hoffnung, mit guten Worten abspeisen’. In der Bedeutungsentwicklung (und vielfach in der Lautgestalt) angeglichen an sich sperren ‘sich wiedersetzen, sträuben’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Albernheit · Flausen · Kinderei(en) · Mätzchen  ●  Sperenzchen  ugs., regional · Sperenzien  ugs. · Sperenzkes  ugs., regional
Assoziationen
Synonymgruppe
Geschichten (machen) · Ärger (machen)  ●  Fisimatenten  ugs. · Sperenzchen  ugs. · Sperenzien  ugs. · Theater  ugs. · Zicken  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Sperenzchen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gegenwärtig versuchen die Anbieter jedoch vor allem, einander mit möglichst ausgefallenen Sperenzchen zu überbieten. [Die Zeit, 07.10.1999, Nr. 41]
Wenn sie Erfolg haben, dann rechtfertigt der Ruhm alle Sperenzchen. [Die Welt, 04.03.2004]
Wo findet der Mann nur die Zeit und Energie für solche Sperenzchen? [Süddeutsche Zeitung, 16.10.2001]
Immerhin lassen sich die Klubs die Sperenzchen ihrer lebenslustigen Spieler nicht gefallen. [Die Welt, 10.04.2002]
RTL 2 habe den Fehler begangen, zu stark auf "Sperenzchen" zu setzen. [Die Welt, 11.05.2001]
Zitationshilfe
„Sperenzchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sperenzchen>.

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