Sperrsitz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungSperr-sitz (computergeneriert)
WortzerlegungsperrenSitz
eWDG, 1976

Bedeutung

veraltend im Theater, Zirkus die vorderen Plätze, im Kino die hinteren Plätze
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sperren · Sperre · sperrig · sperrweit · sperrangelweit · Sperrholz · Sperrsitz
sperren Vb. ‘schließen, den Zugang verhindern, auseinanderspreizen’, reflexiv ‘sich widersetzen’, ahd. sperren (11. Jh.; vgl. bisperren ‘verschließen’, intsperren ‘öffnen’, beide bereits 9. Jh.), mhd. sperren ‘mit Dachbalken versehen, (durch einen vorgeschobenen Sparren oder Riegel) ein-, zu-, verschließen, verhindern, auseinanderspreizen, ausdehnen, sich widersetzen’, mnd. spēren, sperren, mnl. nl. sperren ‘verschließen, ausdehnen’, anord. sperra ‘mit Dachsparren versehen, spreizen, verhindern’, schwed. spärra ‘verschließen’ sind zu dem unter ↗Sparren (s. d.) dargestellten Substantiv gebildet. Aus der Bedeutung ‘mit Sparren versehen’ entwickelt sich einerseits ‘(mit Sparren) verschließen’, woraus ‘verhindern’, und andererseits ‘(durch Sparren) auseinanderspreizen’, woraus ‘ausdehnen’ und (reflexiv) ‘widerstreben, sich widersetzen’. Sperre f. ‘das Absperren, Verschließen, Vorrichtung zum Abschließen, Riegel, Barrikade’, mhd. sperre ‘Klammer, Riegel, Schloß (eines Buches)’. sperrig Adj. ‘auseinandergespreizt und dadurch viel Raum einnehmend’ (16. Jh.), spätmhd. sperric ‘was gesperrt, mit Beschlag belegt werden kann’, auch ‘widersetzlich, widerstrebend’. sperrweit Adj. ‘auseinandergespreizt, ganz offen’ (17. Jh.), geläufiger sperrangelweit Adj. (18. Jh.), Kontamination aus sperrweit und angelweit ‘ganz offen, so weit, wie es die Türangeln gestatten’ (17. Jh.). Sperrholz n. Holz zum Absperren, Dachsparrenholz (17. Jh.), aus mehreren so übereinandergeleimten Platten gefügtes Holz, daß sich ihre Faserrichtung kreuzt und ein Verziehen des Holzes verhindert (gesperrt) wird (19. Jh.). Sperrsitz m. ‘Sitzplatz im Zuschauerraum eines Theaters oder Kinos’, der ursprünglich Abonnenten vorbehalten und für andere Besucher gesperrt war (19. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Realität auf den Sperrsitzen des Lebens erscheint dagegen fad.
Die Zeit, 10.04.1987, Nr. 16
Gibt es eine größere Wehrlosigkeit als die in einem Sperrsitz im Theater?
Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1917]
Die Preise liegen zwischen fünf (Stehplatz) und 20 Mark (Sperrsitz).
Süddeutsche Zeitung, 09.08.1997
Zuletzt entzieht sich Ruggiero seiner Hochzeitsparty und verkriecht sich wieder auf seinen Sperrsitz.
Süddeutsche Zeitung, 09.03.2004
Das Publikum saß oft nicht in Stuhlreihen, sondern um das Orch. herum. Numerierte Sitze (Sperrsitze) kamen erst in den 1830er Jahren auf.
Schaal, Richard: Konzertwesen. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1958], S. 35237
Zitationshilfe
„Sperrsitz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sperrsitz>, abgerufen am 16.12.2018.

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