Spießbürger

GrammatikSubstantiv
WorttrennungSpieß-bür-ger
WortzerlegungSpießBürger
Wortbildung mit ›Spießbürger‹ als Erstglied: ↗Spießbürgertum · ↗spießbürgerlich
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend im Denken und Urteilen unselbstständiger, engstirniger, sich oft am Konventionellen orientierender Mensch, Spießer
Beispiele:
Er sah einem Spießbürger ähnlich, klein, rund, volle Wangen [E. ClaudiusGrüne Oliven340]
Tui Hoo war kein Spießbürger, der sich über seinen Nachbarn aufregte, weil er einen komischen Hut trug [BorchertinErkundungen44]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spieß2 · Spieß3 · spießen · Spießbürger · Spießer · spießbürgerlich · spießig · Spießgeselle
Spieß2 m. alte Wurf- und Stoßwaffe, ahd. spioʒ (um 800; vgl. als Jagdwaffe swīnspioʒ, 8. Jh.), mhd. spieʒ ‘Kampf-, Jagdspieß’, auch ‘Spießträger’, asächs. spiot, mnd. spēt, mnl. spiet, anord. spjōt ‘Spieß, Speer’, schwed. spjut ‘Speer’. Herkunft unbekannt. Ein Zusammenhang mit griech. speú͞dein (σπείδειν) ‘sich sputen, eilen, streben, sich anstrengen’, transitiv ‘antreiben, beschleunigen’, spūdḗ (σπουδή) ‘Eile, Eifer, Mühe, Ernst, Wohlwollen’, lit. spáusti (aus *spáudti) ‘(aus)drücken, -pressen’, intransitiv ‘eilen’ mit einer Ausgangsform ie. *(s)p(h)eud- ‘drücken, mit Nachdruck betreiben, eilen’ (vgl. Pokorny 1, 999), wonach der geschleuderte Spieß als ‘Eilender’ zu deuten wäre, ist wenig befriedigend. de Vries in: PBB (T) 80 (1958) 20 faßt dagegen germ. *speuta- ‘Spieß’ als vokalische Variante von germ. *spita- ‘Spitze’ (s. ↗Spieß) auf. Spieß3 m. in der Soldatensprache ‘Kompanie-, Hauptfeldwebel’ (um 1900), anspielend auf den Offizierssäbel, den dieser früher zu tragen berechtigt war; vgl. bereits mhd. spieʒ, nhd. Spieß ‘Spießträger, Krieger’ (bis 17. Jh.). spießen Vb. ‘(mit dem Spieß) durchbohren’ (17. Jh.). Nicht hierher, sondern zu ↗Spieß gehört mhd. spiʒʒen ‘an den Bratspieß stecken’ und auch frühnhd. spissen ‘mit dem Spieß, mit der Stichwaffe durchstechen’ (16. Jh.), das sich jedoch semantisch an ↗Spieß anlehnt. Unklar in seiner Zugehörigkeit ist mhd. (md.) spīʒen ‘aufspießen’. Spießbürger m. ‘kleinlich denkender, engstirniger Mensch’ (17. Jh.), studentisches Schimpfwort, eigentlich ‘der mit dem Spieß bewaffnete, zu Fuß kämpfende Bürger’; im 18. Jh. (Wieland) in die Literatursprache aufgenommen. Daraus verkürzt Spießer m. (19. Jh.). spießbürgerlich Adj. ‘kleinstädtisch, kleinlich, engstirnig’ (18. Jh.); entsprechend spießig Adj. (um 1900). Spießgeselle m. ‘Mittäter in einer üblen Sache’ (16. Jh.), eigentlich ‘der (ebenfalls mit einem Spieß kämpfende) Waffengefährte’ (16. Jh.). Den pejorativen Sinn erhält das Wort durch den schlechten Ruf, den in älterer Zeit Landsknechte und Soldaten genießen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Biedermann · ↗Kleinbürger · Kleinkarierter · Konventionalist · ↗Philister · Spießbürger · ↗Spießer · ↗Traditionalist
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Einfaltspinsel · ↗Schildbürger · Spießbürger
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

brav geworden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spießbürger‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für die bricht der Spießbürger, wie er sich selber nennt, sogar das Recht.
Die Zeit, 11.03.2008, Nr. 12
Sie ließen den Spießbürger sich ausheulen, sie wußten, ihre Zeit werde schon wieder kommen, und jetzt ist sie da.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 7871
Von ihren unterdrückten Sehnsüchten geleitet, versucht sich eine Gruppe Spießbürger in einer amerikanischen Vorstadt durchs Leben zu schlagen.
Die Welt, 24.02.2000
Von dieser gottverfluchten Unsicherheit sollten die zufriedenen Spießbürger der Welt einmal einen Geschmack bekommen.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 979
Allein dieser naive moralische Begriff dient überhaupt nur zur Irreführung der Spießbürger.
Weber, Max: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Politische Schriften, München: Drei Masken Verl. 1921 [1918], S. 231
Zitationshilfe
„Spießbürger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Spießbürger>, abgerufen am 14.12.2019.

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