Spießer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Spießers · Nominativ Plural: Spießer
Aussprache
WorttrennungSpie-ßer
Wortbildung mit ›Spießer‹ als Erstglied: ↗Spießertum · ↗spießerhaft  ·  mit ›Spießer‹ als Letztglied: ↗Zettelspießer
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
abwertend Spießbürger
Beispiele:
ein selbstgefälliger Spießer
Kegelstoßen – die vom Familienrat erlaubte / Ersatzhandlung des deutschen Spießers [HochhuthStellvertreterI 2]
Sie wissen, Anna, wir sind keine Spießer: Sie können einen Schatz haben [FrischBiedermann1]
2.
Jägersprache Hirsch, Elch oder Rehbock mit Spießen
Beispiel:
Ist er [der Rehbock] ein Jahr alt, so kann er schon ein richtiges Sechsergehörn haben; häufiger ist er in diesem Alter ein Spießer [R. GerlachVierfüßler89]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spieß2 · Spieß3 · spießen · Spießbürger · Spießer · spießbürgerlich · spießig · Spießgeselle
Spieß2 m. alte Wurf- und Stoßwaffe, ahd. spioʒ (um 800; vgl. als Jagdwaffe swīnspioʒ, 8. Jh.), mhd. spieʒ ‘Kampf-, Jagdspieß’, auch ‘Spießträger’, asächs. spiot, mnd. spēt, mnl. spiet, anord. spjōt ‘Spieß, Speer’, schwed. spjut ‘Speer’. Herkunft unbekannt. Ein Zusammenhang mit griech. speú͞dein (σπείδειν) ‘sich sputen, eilen, streben, sich anstrengen’, transitiv ‘antreiben, beschleunigen’, spūdḗ (σπουδή) ‘Eile, Eifer, Mühe, Ernst, Wohlwollen’, lit. spáusti (aus *spáudti) ‘(aus)drücken, -pressen’, intransitiv ‘eilen’ mit einer Ausgangsform ie. *(s)p(h)eud- ‘drücken, mit Nachdruck betreiben, eilen’ (vgl. Pokorny 1, 999), wonach der geschleuderte Spieß als ‘Eilender’ zu deuten wäre, ist wenig befriedigend. de Vries in: PBB (T) 80 (1958) 20 faßt dagegen germ. *speuta- ‘Spieß’ als vokalische Variante von germ. *spita- ‘Spitze’ (s. ↗Spieß) auf. Spieß3 m. in der Soldatensprache ‘Kompanie-, Hauptfeldwebel’ (um 1900), anspielend auf den Offizierssäbel, den dieser früher zu tragen berechtigt war; vgl. bereits mhd. spieʒ, nhd. Spieß ‘Spießträger, Krieger’ (bis 17. Jh.). spießen Vb. ‘(mit dem Spieß) durchbohren’ (17. Jh.). Nicht hierher, sondern zu ↗Spieß gehört mhd. spiʒʒen ‘an den Bratspieß stecken’ und auch frühnhd. spissen ‘mit dem Spieß, mit der Stichwaffe durchstechen’ (16. Jh.), das sich jedoch semantisch an ↗Spieß anlehnt. Unklar in seiner Zugehörigkeit ist mhd. (md.) spīʒen ‘aufspießen’. Spießbürger m. ‘kleinlich denkender, engstirniger Mensch’ (17. Jh.), studentisches Schimpfwort, eigentlich ‘der mit dem Spieß bewaffnete, zu Fuß kämpfende Bürger’; im 18. Jh. (Wieland) in die Literatursprache aufgenommen. Daraus verkürzt Spießer m. (19. Jh.). spießbürgerlich Adj. ‘kleinstädtisch, kleinlich, engstirnig’ (18. Jh.); entsprechend spießig Adj. (um 1900). Spießgeselle m. ‘Mittäter in einer üblen Sache’ (16. Jh.), eigentlich ‘der (ebenfalls mit einem Spieß kämpfende) Waffengefährte’ (16. Jh.). Den pejorativen Sinn erhält das Wort durch den schlechten Ruf, den in älterer Zeit Landsknechte und Soldaten genießen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Biedermann · ↗Kleinbürger · Kleinkarierter · Konventionalist · ↗Philister · ↗Spießbürger · Spießer · ↗Traditionalist
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Hure Inbegriff Karrierist Kleinbürger Proll Punk Spießer Spinner Wunderhorn angepasst blöd borniert brav bösartig dumpf entlarven ewig feig feist intolerant kleinbürgerlich kleinkariert mordlüstern mutieren reaktionär selbstgerecht verachten verkappt verklemmt wildgeworden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spießer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er trifft keinen mehr, denn wir sind längst alle kleine Spießer.
Süddeutsche Zeitung, 06.02.2004
Manche werden schlimmere Spießer als diejenigen, gegen die sie revoltiert haben.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 436
Ihm selber indessen erscheint er einmal als „Spießer“, das andere Mal als ein überdurchschnittlicher Typ.
Die Zeit, 08.10.1965, Nr. 41
Sie gehören einem neuen Typ an: Sie sind der amerikanisierte Spießer.
Tucholsky, Kurt: Anski, 20.03.1913. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 15781
Sie erfordert Männer von entschlossener Härte und keine schwächlichen Spießer.
o. A.: Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg Abschlussveranstaltung in der Kongresshalle, 14.09.1936
Zitationshilfe
„Spießer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Spießer>, abgerufen am 18.11.2019.

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