Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Spielraum, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Spielraum(e)s · Nominativ Plural: Spielräume
Aussprache 
Worttrennung Spiel-raum
Wortzerlegung Spiel Raum
eWDG

Bedeutungen

1.
zusätzlicher Platz, der geringe Abweichungen vom üblichen Verlauf einer Bewegung zulässt
Beispiel:
die Fässer, die da liegen, haben immer noch Spielraum genug … und stoßen nicht gleich an die Decke [ FontaneI 1,538]
2.
übertragen Bewegungsfreiheit
Beispiele:
genügenden, keinen Spielraum haben
der schöpferischen Phantasie des Kindes Spielraum lassen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spiel · spielen · spielend · abspielen · aufspielen · zuspielen · Anspielung · Spieler · spielerisch · Spielmann · Spielraum · Spielsachen · Spielwaren · Spielzeug
Spiel n. ‘nicht auf Nutzen ausgerichtete, vergnügliche, mit Ernst betriebene Tätigkeit, Zeitvertreib, Vergnügen, Wettkampf’. Die Herkunft des nur kontinentalwestgerm. bezeugten Substantivs (bzw. Verbs, s. unten) ahd. (9. Jh.), mhd. spil ‘Tanz, Zeitvertreib, Scherz, Unterhaltung, Vergnügen, Musik, Waffen-, Kampfspiel, Wettkampf’, asächs. spil, mnd. mnl. spel, spil, nl. spel, afries. spil, spel (schwed. spel, dän. spil, norw. spill sind wie aengl. spilian, schwed. spela, dän. spille Entlehnungen) ist unbekannt. Vom Substantiv westgerm. *spila- ist abgeleitet schwach flektierendes spielen Vb. ahd. spilōn (8. Jh.), mhd. spiln, spilen ‘Scherz treiben, sich vergnügen (mit Leibesübungen, Kampfspiel, Brett- oder Würfelspiel), sich lebhaft bewegen, fröhlich sein, musizieren’, asächs. spilon, mnd. spēlen, spillen, mnl. spēlen, nl. spelen, afries. spilia (westgerm *spilōn). Die Ausgangsbedeutung ist ‘Tanz, tänzerische Bewegung’ bzw. ‘tanzen, sich lebhaft bewegen’. Das Substantiv erscheint vielfach in festen Wendungen, vgl. das Spiel verderben ‘einen Spaß zunichte machen’, (mit) im Spiel sein ‘aktiv beteiligt sein, von Bedeutung sein’ (16. Jh.), die Hand mit im Spiel haben ‘beteiligt sein’, ins Spiel bringen ‘beteiligen, einbeziehen’ (18. Jh.). spielend Adv. ‘leicht, mühelos wie im Spiel’ (17. Jh.), eigentlich Part. Präs. zum oben genannten Verb. abspielen Vb. ‘probeweise durchspielen’ (16. Jh.), ‘etw. bis zum Ende darbieten’ (17. Jh.), ‘(sich) durch Spielen ermüden, abnutzen’ (17. Jh.), ‘abgewinnen’ im Spiel (17. Jh.), ‘von einer Vorlage spielen’ (19. Jh.), im Fußball ‘den Ball an den nächsten Spieler abgeben’, auch ‘eine Schallplatte, ein Tonband ablaufen lassen’ (20. Jh.), reflexiv ‘sich ereignen, vor sich gehen’ (Anfang 19. Jh.). aufspielen Vb. ‘(auf einem Instrument Musik) vortragen, musizieren’ (16. Jh.), reflexiv ‘sich in den Vordergrund rücken, großtun’ (19. Jh.). zuspielen Vb. ‘jmdm. etw. (heimlich) verschaffen, einen Vorteil zukommen lassen’ (17. Jh., ausgehend vom Kartenspiel). Anspielung f. ‘(versteckte) Andeutung’ (17. Jh.), nach gleichbed. lat. allūsio. Spieler m. ‘wer spielt’ (besonders Schauspieler), ‘wer ein Glücksspiel spielt’, ahd. spilāri ‘Handpaukenschläger, Tänzer, Gaukler, Schauspieler’ (um 900), mhd. spilære, spiler. spielerisch Adj. ‘ohne ernste Absicht, locker, leicht’ (17. Jh.), ‘wie ein Spieler’ (16. Jh.). Spielmann m. ‘volkstümlicher Musikant’ (16. Jh.), ‘Regimentsmusiker’ (18. Jh.), ahd. spilman ‘Spaßmacher, Schauspieler, Musiker’ (9. Jh.), mhd. spilman ‘fahrender Sänger, Musikant, Gaukler’. Spielraum m. ‘Bewegungsraum, Möglichkeit’ (18. Jh.); anfangs besonders das Verhältnis der Weite eines Geschützrohres zu dem angepaßten, die Gleitfähigkeit gewährenden Durchmesser des Geschosses. Spielsachen Plur. ‘für Kinder zum Spielen hergestellte Gegenstände’, Spielwaren Plur. ‘Spielsachen als Handelsgegenstand’ (beide 18. Jh.). Spielzeug n. ‘Spielsachen’ (17. Jh.), ‘Musikinstrument’ (17. Jh.), ‘Gewinnspiel, Brett-, Würfel-, Kartenspiel’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Freiraum · Handlungsspielraum · Platz · Puffer · Spielraum  ●  Luft  ugs. · Raum zum Atmen  ugs.
Synonymgruppe
Bewegungsfreiheit · Ellbogenfreiheit · Freizügigkeit · Platz · Raum · Spielraum  ●  Latitüde  fachspr.
Synonymgruppe
Bandbreite · Skala · Spannbreite · Spanne · Spielraum  ●  Korridor  geh., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Spielraum‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spielraum‹.

Verwendungsbeispiele für ›Spielraum‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Spielraum bleibt aber bei der optimalen Nutzung der verschiedenen Räume. [o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 376]
Sie hatten sich doch nur auf jenem Terrain bewegt, das man ihnen zuvor eröffnet, jene Spielräume genutzt, die man ihnen eingeräumt hatte. [Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 126]
Er glaubt, nur auf diese Weise Spielraum für Freiheit gewinnen zu können. [Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 938]
Trotzdem war der Spielraum für selbständige Entscheidungen noch groß genug. [Bleicken, Jochen: Rom und Italien. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 8725]
Für die Weite dieses Spielraums hat diese neue Ästhetik zu wenig Sinn. [Die Zeit, 06.04.2000, Nr. 15]
Zitationshilfe
„Spielraum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Spielraum>.

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