Spitzbube, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungSpitz-bu-be (computergeneriert)
WortzerlegungspitzBube
Wortbildung mit ›Spitzbube‹ als Erstglied: ↗Spitzbübin  ·  mit ›Spitzbube‹ als Grundform: ↗Spitzbüberei · ↗spitzbübisch
eWDG, 1976

Bedeutung

veraltend, abwertend Betrüger, Dieb, Krimineller
Beispiele:
ein durchtriebener, abgefeimter Spitzbube
ich war ein Spitzbube, wo immer es sich lohnte [FrischDon JuanIV]
Du bist der Spitzbube, der sein Kind ruiniert hat [SchillerKabaleI 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bube · Bub · buben · Büberei · Bubenstreich · Bubenstück · Bubikopf · Bubi · bübisch · Lausbub · Lausebub · Spitzbube · spitzbübisch
Bube, Bub m. ‘Junge, Knabe, Schuft’. Ahd. nur als Männername Buobo (ebenso asächs. Bōƀo, aengl. Bōba, Bōfa), mhd. buobe (md. auch buofe, bufe) ‘Knabe, zuchtloser Mensch’ (doch insgesamt selten), mnd. bōve ‘Spitzbube, Räuber’, mnl. boeve, boef ‘Knecht, Bube’, nl. boef ‘Schurke’ sind ursprünglich wohl als kindersprachliche reduplizierende Bildung aufzufassen. Auf Grund der Ausgangsbedeutung ‘männliches Kind’ wird verschiedentlich (wie für ↗Buhle, s. d.) Umbildung der vorgerm. Form für ↗Bruder (s. d.) erwogen. Ablautend steht neben ahd. Buobo der Name Babo, dem u. a. alem. Bābi, obsächs. Bäbel ‘kleines Kind’, mengl. babe (engl. baby, s. ↗Baby) und, mit abweichender Bedeutung, Wörter slaw. Sprachen wie russ. bába (баба) ‘alte Frau’ entsprechen. Bube, Bub ‘Knabe’ ist im Obd. allgemein geläufig wie ↗Junge (s. d.) im Nordd., so auch in Zusammensetzungen wie Lehrbub neben Lehrjunge. Die stark pejorative Bedeutung ‘Schurke, Nichtswürdiger’, die aus der Verwendung für ‘Knecht, Troßknecht’ herzuleiten ist, geht vor allem vom Nd. und Md. aus und findet sich in Komposita wie Lotter-, Spitzbube. Abgeleitet buben Vb. ‘ein unsittliches, ein Lotterleben führen’, mhd. buoben; nach dem 18. Jh. unüblich. Dazu Büberei f. ‘verächtliche Tat’, mhd. buoberīe (neben buobenīe) ‘bübisches Wesen, Untat’, öfters seit Anfang 14. Jh.; frühnhd. auch für die Gesamtheit der Troßknechte. Büberei, md. auch Büferei, ist im 15. bis 17. Jh. stark verbreitet und geht dann allmählich zurück. Bubenstreich m. (16. Jh.) gleichbedeutend mit Bubenstück; auch ‘harmloser Streich von Kindern’. Bubenstück n. ‘Untat’, gebräuchlich vom 16. bis 19. Jh. Bubikopf m. ‘kurze Damenfrisur’ (nach Art eines Jungenhaarschnitts), zu der seit Anfang 19. Jh. gebräuchlichen Koseform Bubi nach 1920 gebildet. bübisch Adj. ‘verschmitzt, schelmisch, schurkisch’, spätmhd. büebisch. Lausbub, Lausebub m. ‘ungezogener, kecker Junge’ (Anfang 19. Jh.), auch für ‘schäbiger Mensch’, s. das ältere ↗Lauser. Spitzbube m. ‘Betrüger, Gauner’ (16. Jh.), zunächst auch ‘Falschspieler’, zu spitz ‘schlau, gerissen’. spitzbübisch Adj. ‘schurkisch’, seit Anfang 16. Jh.; jetzt nur noch im Sinne ‘verschmitzt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bösewicht · ↗Frevler · ↗Gauner · ↗Halunke · ↗Lump · ↗Missetäter · ↗Schlitzohr · ↗Schuft · ↗Schurke · Spitzbube · ↗Strolch · ↗Tunichtgut · ↗Unhold · ↗Übelmann · ↗Übeltäter · übles Subjekt  ●  ↗Fötzel  schweiz. · ↗Haderlump  österr., bair. · (eine) miese Type  ugs. · ↗Canaille  derb, franz. · ↗Kanaille  derb · ↗Schubiack  ugs. · fieser Finger  ugs., abwertend, veraltet · krummer Hund  ugs., fig. · linke Bazille  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
Gauner · Kleinkrimineller · ↗Strauchdieb · ↗Übeltäter  ●  ↗Fallott  ugs., österr. · Spitzbube  ugs.
Unterbegriffe
  • Dieb · Spitzbube  ●  Klaubock  ugs. · Klauer  ugs. · ↗Langfinger  ugs., fig.
Synonymgruppe
Dieb · Spitzbube  ●  Klaubock  ugs. · Klauer  ugs. · ↗Langfinger  ugs., fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Diebsgesindel · Marodeure · ↗Plünderer · ↗Raubgesindel · ↗Räuberbande
  • (jemanden) bestehlen · (sich) an fremden Sachen vergreifen · (sich) widerrechtlich aneignen · ↗entwenden · ↗ergaunern  ●  das Bezahlen vergessen  ironisch · ↗stehlen  Hauptform · ↗(einfach) mitnehmen  ugs. · ↗(etwas) organisieren  ugs. · ↗(jemanden) beklauen  ugs. · ↗(sich) bedienen  ugs., verhüllend, ironisch · (sich) einfach (weg)nehmen (ohne zu bezahlen)  ugs. · böhmisch einkaufen  derb, österr. · ↗klauen  ugs. · lange Finger machen  ugs. · ↗mausen  ugs. · mitgehen lassen  ugs. · ↗mopsen  ugs. · polnisch einkaufen  derb · ↗stibitzen  ugs. · vergessen zu bezahlen  ugs., ironisch, variabel
  • Diebesherrschaft · Herrschaft der Plünderer · Kleptokratie
  • Räuber
  • (eine) diebische Elster (sein) · Probleme mit dem Eigentumsbegriff haben (verhüllend) · gewohnheitsmäßig stehlen · klauen wie die Raben · klauen wie ein Rabe · von Diebstählen leben
  • (das) Stehlen · ↗...klau · ↗Dieberei(en) · ↗Entwendung · Griff in die Kasse · ↗Klau · ↗Plünderung  ●  ↗Diebstahl  Hauptform · (das) Klauen  ugs. · Klauerei  ugs. · ↗Selbstbedienung  ugs., ironisch
  • (ein) einnehmendes Wesen haben  verhüllend, ironisch · (etwas) gut gebrauchen können  verhüllend, ironisch

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Regime wird angegriffen, und man nennt diesen oder jenen Minister einen Spitzbuben.
Die Zeit, 09.01.1967, Nr. 02
Und so geniere ich mich also viel weniger, mit den kleinen Spitzbuben, den Anekdoten, herauszurücken.
Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1935]
Seine Frau kennt sie nicht, kennt aber genau deren Inhalt und hält ihn während seines Falscheides für einen großen Spitzbuben.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 10172
Mein Blick traf Krischan; doch der grinste wie ein Spitzbube und wollte sich dann fast ausschütten vor Lachen.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Ich lag auf den blanken Brettern meiner Bunk wie ein eingelieferter Spitzbube auf der nackten Pritsche auf einer Polizeiwache.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 130
Zitationshilfe
„Spitzbube“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Spitzbube>, abgerufen am 22.02.2019.

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