Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Spitzel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Spitzels · Nominativ Plural: Spitzel
Aussprache 
Worttrennung Spit-zel
Wortbildung  mit ›Spitzel‹ als Erstglied: Spitzelbericht · Spitzeldienst · Spitzelsystem
 ·  mit ›Spitzel‹ als Letztglied: Polizeispitzel · Stasispitzel  ·  mit ›Spitzel‹ als Grundform: spitzeln1
eWDG

Bedeutung

abwertend Agent, der im Auftrag einer fremden Regierung oder Organisation heimlich andere beobachtet, ihre Gespräche (unter dem Anschein gleicher Gesinnung) mithört und das Beobachtete und Gehörte den Auftraggebern hinterbringt
Beispiele:
einen Spitzel auf jmdn. ansetzen
jmdn. zum Spitzel (er)pressen
»Es ist nicht das erste Mal, daß man Spitzel und Provokateure in unsere Reihen schickt« [ SteinbergEinzug273]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

spitz · Spitz1 · Spitz2 · Spitz3 · Spitze · Spitzel · spitzeln · bespitzeln · spitzen · spitzig · Spitzmaus · Spitzname
spitz Adj. ‘schmal zusammenlaufend und in einem scharfen, stechenden Punkt endend’, übertragen ‘schlau, listig, gerissen, anzüglich, verletzend’, ahd. spizzi (9. Jh.), mhd. spiz, spitze und die verwandten unter Spieß1 (s. d.) angeführten Wortformen stellen sich als Bildungen mit Dentalsuffix zur Wurzel ie. *(s)p(h)ē̌i-, *(s)p(h)ī̌- ‘spitz, spitzes Holzstück’. Spitz1 m. ‘Spitze, spitzer oder spitz zulaufender Gegenstand’, mhd. spiz, spitz, verbreitet bis ins 18. Jh., danach mundartlich. Spitz2 m. ‘leichter Rausch, Schwips’ (16. Jh.), ausgehend von Spitz als Bezeichnung für Kleines, Geringfügiges (vgl. kein Spitz ‘kein bißchen’). Spitz3 m. Hunderasse mit spitzer Schnauze, spitzen Ohren und spitzgeformtem Kopf (18. Jh.). Spitze f. ‘spitzzulaufendes, scharf spießendes Ende, höchster Punkt’, ahd. spizza (8. Jh.), mhd. spitze. Seit dem 17. Jh. auch ‘durchbrochene feine Borte, Gewebe’, eigentlich ‘spitze Zacken bildendes Garngeflecht’. Spitzel m. ‘Spion, wer andere aushorcht’ (19. Jh., zuerst öst. ‘Späher, Polizeidiener, heimlicher Denunziant’), wohl zu Spitzel ‘Polizeihund’ (vgl. „kläffender Denunciant“, Sanders) sowie gaunersprachlich Spitz ‘Polizeiagent’, der die Ohren spitzt; dazu spitzeln Vb. ‘andere aushorchen und denunzieren’ (19. Jh.) und transitiv bespitzeln Vb. (20er Jahre 20. Jh.); vgl. dagegen spätmhd. spitzeln ‘mit zarten Spitzen, Zacken versehen’, dann auch ‘mit Worten sticheln’ (16. Jh.). spitzen Vb. ‘mit einer Spitze versehen, spitz machen’, ahd. spizzōn (9. Jh.), spizzen (11. Jh.), mhd. spitzen ‘spitz machen, mit Spitzen versehen’, seit dem 14. Jh. (reflexiv) ‘auf etw. mit Hoffnung und Sehnsucht warten’, faktitive Bildung zum Adjektiv. spitzig Adj. ‘spitz’, mhd. spitzec, spitzic, bis ins 18. Jh. gebräuchlicher als spitz, das von Adelung als nur „im gemeinen Leben“ gültig bezeichnet wird. Spitzmaus f. insektenfressendes, der Maus ähnliches, spitzschnauziges Tier, ahd. spizzimūs (11. Jh.), mhd. spitzmūs. Spitzname m. ‘eine bestimmte Eigenschaft oder ähnliches hervorhebender Übername, Spottname’ (17. Jh.), zu spitz ‘anzüglich, verletzend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Agent · Aushorcher · Beobachter · Beschatter · Detektiv · Ermittler · Geheimagent · Informant · Kundschafter · Polizei-Informant · Polizeispitzel · Spion · Spürhund · V-Person · Verbindungsperson · Zuträger  ●  Konfident  österr. · Kontaktmann  männl. · V-Mann  männl. · VP  Abkürzung · Verbindungsfrau  weibl. · Verbindungsmann  männl. · Lauscher  ugs. · Schlapphut  ugs. · Schnüffler  ugs. · Singvogel  ugs., Jargon · Spitzel  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Spitzel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spitzel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Spitzel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich mußte sehr auf der Hut sein, sie nicht zu gefährden, denn die Spitzel waren allgegenwärtig. [Die Zeit, 25.10.1996, Nr. 44]
Der Ausdruck »Spitzel« kam ihr nur in den Sinn, wenn es galt, mich zu verunglimpfen. [Die Zeit, 03.08.2009, Nr. 31]
Die Presse wird zensiert, die Post durchschnüffelt, überall lauern Spitzel. [Die Zeit, 02.02.2009, Nr. 05]
Er willigte auch in eine „Zusammenarbeit“ als Spitzel in der deutsch‑islamischen Szene ein. [Die Zeit, 22.01.2007, Nr. 04]
Der Spitzel hatte ihm dreißig Mark gegeben, den Ausgang aber abgelehnt. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 1034]
Zitationshilfe
„Spitzel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Spitzel>.

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