Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Spreu, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Spreu · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
eWDG

Bedeutung

aus Spelzen, Grannen, Stängelteilen bestehender Rückstand, der beim Dreschen des Getreides anfällt und als Raufutter verwendet wird
Beispiele:
beim Dreschen wird die Spreu von den Körnern geschieden, gesondert, getrennt
die Tiere lagen auf einer dünnen Schicht Spreu
die Blätter verwehten wie (die) Spreu im Winde
etw., jmd. zerstiebt wie Spreu (= verschwindet schnell, spurlos)
übertragen Wertloses
Beispiele:
die Spreu vom Weizen sondern, scheiden (= das Schlechte vom Guten trennen)
Die Zeit werde es ja zutage bringen, in wem was stecke und wer zur Spreu gehöre [ M. WalserEhen216]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spreu f. ‘Hülsen, Spelzen und Grannen des ausgedroschenen Getreides’. Das zunächst obd. md. Substantiv ahd. spriu n. (8. Jh.; Genitiv spriuwes), mhd. spriu n. und f., übertragen ‘das Geringste’, mnd. sprǖ(e) und außergerm. kymr. ffrau ‘das Hervorsprudeln, Strom’, ffreuo ‘hervorspritzen’, lett. spraūtiēs ‘hervordringen, emporkommen’ führen auf ie. *spreu-, eine Erweiterung der unter sprühen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)p(h)er- ‘streuen, säen, sprengen, spritzen, sprühen’, so daß Spreu als ‘Stiebendes’ gedeutet werden kann (das abgedroschene Korn wird in alter Zeit in den Wind geworfen, damit sich die leichteren Hülsen vom schwereren Korn trennen). Häufige pluralische (kollektive) Verwendung bewirkt Umdeutung des Plurals (mhd. spriuwe) zum Singular, so daß bereits in mhd. Zeit der Übergang zum fem. Genus beginnt. Auch die Bedeutung ‘Geringstes, Wertloses, Vergängliches’ entwickelt sich bereits in mhd. Zeit unter dem Einfluß biblischen Gebrauchs; daran anknüpfend z. B. mhd. er (Christus) ist daʒ korn, ir sīt diu spriu (‘Verwehendes, Vergängliches’).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abfall · Ausschuss · Hausabfall · Hausmüll · Müll · Unrat  ●  Kehricht  schweiz. · Spreu  fig. · Schrott  ugs. · für die Tonne  ugs., fig.
Oberbegriffe
  • Abfall · Müll · Unrat  ●  Ist das Kunst oder kann das weg?  ugs., scherzhaft, kommentierend
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Spreu‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spreu‹.

Verwendungsbeispiele für ›Spreu‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die harten Körner knirschten zwischen ihren Zähnen, die Spreu spuckten sie aus. [Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 166]
Noch immer ist die Luft erfüllt vom Staub der Spreu. [Die Zeit, 02.05.1986, Nr. 19]
Sie drischt mit aller Kraft die Spreu, wo andere lamentieren oder so tun, als seien die Wörter noch immer nagelneu. [Die Zeit, 07.10.2004, Nr. 42]
Hier kann jeder sich versuchen, aber bald wird sich die Spreu vom Weizen scheiden. [Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 338]
Danach nämlich ist man harten Herzens genug, die Spreu vom Weizen zu sortieren. [Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 237]
Zitationshilfe
„Spreu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Spreu>.

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