Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Sprung, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Sprung(e)s · Nominativ Plural: Sprünge
Aussprache 
eWDG

Bedeutungen

1.
Bewegung, bei der die Beine (durch rasches Strecken) kraftvoll vom Boden abgestoßen werden, sodass sich der ganze Körper sekundenlang über den Boden erhebt
a)
Beispiele:
ein hoher, kühner, gewaltiger, kleiner, zu kurzer Sprung
er machte vor Schreck einen Sprung (zur Seite, nach vorn)
er vollführte vor Freude wilde Sprünge
der Junge raste in weiten, großen, wenigen Sprüngen die Stufen hinunter
er setzte im Sprung, mit einem Sprung über den Zaun
er rettet sich durch einen Sprung aus dem Fenster
die Katze, das Pferd, der Panther, Tiger machte, tat einen Sprung, ein paar Sprünge, setzte zum Sprung an
das Raubtier duckte sich zum Sprung
er stand, saß wie auf dem Sprung (= als wollte er sofort aufbrechen)
bildlich
Beispiele:
sein Herz machte einen Sprung (vor Freude)
die feindliche Armee lag zum Sprung bereit
umgangssprachlichwas machst du für Sprünge? (= Dummheiten?)
umgangssprachlichich kann keine großen Sprünge machen (= habe nur geringe Geldmittel, kann mir nicht viel leisten)
jetzt mußte der Befehl zum Sprung auf den Feind kommen! [ FühmannJudenauto38]
in Sprüngen und Fällen schoß er [der Wildbach] von der Paßhöhe in die Talebene hinunter [ ZahnFrau Sixta15]
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlichjmdm. auf die Sprünge helfen (= jmdm. einen Anstoß, Hinweis geben, damit er allein weiterkommt)
umgangssprachlichich will ihm, seinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen (= seinem Gedächtnis nachhelfen)
jmdm. auf, hinter die Sprünge kommen (= jmds. heimliche Absichten, Finten erkennen, jmdn. durchschauen)
jmd. ist auf dem Sprung (= jmd. ist in Eile, aufbruchbereit)
jmd. ist, steht auf dem Sprung, etw. zu tunjmd. ist im Begriff, etw. zu tun
Beispiele:
er war, stand (gerade, eben) auf dem Sprung, das Haus zu verlassen
das ist ein Sprung ins Ungewisse
er ist immer auf dem Sprung (= ist immer bereit), etw. Neues zu entdecken
erst 1913 wagte er den Sprung zur Artistik [ SokolZirkus191]
b)
das Springen zur Erzielung einer sportlichen Höchstleistung
Beispiele:
ein Sprung über den Bock, Kasten, aus dem Stand, mit Anlauf
das Pferd nahm die Hürde, das Hindernis mit einem fehlerfreien Sprung
der Eiskunstläufer zeigte einfache, dreifache Sprünge
durch Springen erzielte Weite
Beispiel:
ein Sprung von 7,15 Meter Höhe
2.
umgangssprachlich auf einen Sprungfür eine kurze Zeit, Zeitspanne
Beispiele:
auf einen Sprung (vorbei)kommen
ich komme morgen auf einen Sprung zu dir
jmdn. auf einen Sprung besuchen
landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch einen Sprung
Beispiel:
Wenn Sie gestatten, komme ich gleich einen Sprung mit auf Ihr Zimmer [ Federm.in: Österr. Erzähler2,341]
3.
umgangssprachlich kleine Entfernung, kurze Strecke
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
es ist nur ein Sprung bis zum See
[die] kahlen anatolischen Berge, die nur einen Sprung weit weg waren [ Erh. KästnerZeltbuch66]
für eine kurze Zeitspanne berechnete kleine Fahrt
Beispiel:
womöglich schon heute einen Sprung nach Fuhlsbüttel in ihrem Tagesprogramm unterzubringen [ A. ZweigBeil105]
4.
kleiner Spalt, Riss
Beispiele:
die Tasse, Vase, Brille, Fensterscheibe, der Spiegel, Teller, das Glas hat einen Sprung (bekommen)
er verschmierte die Risse und Sprünge der Mauer mit Lehm
das Leder, der Lack zeigte haarfeine Sprünge
die Kacheln wiesen ungezählte Sprünge auf
übertragen
Beispiel:
ihre Freundschaft hat durch diesen Vorfall einen Sprung bekommen (= ist getrübt worden)
5.
übertragen plötzlicher Übergang, Wechsel
a)
im Denken, Gespräch von einem Thema zu einem völlig anderen
Beispiele:
er machte einen Sprung (von einem Thema zu einem anderen, in seinem Gedankengang)
ihre Gedanken machten Sprünge
Mai, denkt er mit einem plötzlichen Sprung [ BöllZug13]
b)
aufwärtsführende, vorwärtsgerichtete Entwicklung
Beispiele:
er machte einen Sprung in die nächste Gehaltsklasse
Marxismusder dialektische, qualitative Sprung (= das sprunghafte Entstehen einer neuen Qualität, die durch quantitative Veränderungen vorbereitet ist)
aber der Sprung zum General ist mir nicht geglückt [ SeegerFernsehspiele226]
bei der nächsten Wahl machen wir einen Sprung nach oben [ BredelVäter260]
Unsere Gesellschaft hat nach dem Krieg in der kulturellen Entwicklung einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht [ Tageszeitung1972]
Marxismusum den qualitativen Sprung von der Verwendung von Naturgegenständen zur Herstellung von Werkzeugen … zu erfassen [ Urania1964]
6.
Jägersprache Gruppe, Verband von vier bis acht Rehen
Beispiel:
ein Sprung von acht Rehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sprung · sprunghaft · Gedankensprung
Sprung m. ‘vom Boden abschnellende Bewegung’, ahd. sprung (11. Jh.; gisprungi, 10. Jh.), mhd. mnd. sprunc ‘Sprung, Galopp, das Hervorsprießen, Ursprung, Quell’, mnl. spronc, nl. sprong, mit Ablaut gebildetes Abstraktum zu dem unter springen (s. d.) behandelten Verb. In der Bedeutung ‘gesprungene Stelle, feiner Riß’ seit etwa 1700. sprunghaft Adj. ‘jäh, unvermittelt, unzusammenhängend’ (19. Jh.). Gedankensprung m. ‘unvermittelter, plötzlicher Übergang zwischen nicht zusammenhängenden Themen’ (Ende 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Riss · Spalt · Sprung  ●  Knacks  ugs.
Synonymgruppe
Falz · Fuge · Sprung · Verbindungsstelle
Synonymgruppe
Satz · Sprung
Geologie
Synonymgruppe
Bruch · Sprung · Störung im engeren Sinne · Verschiebung · Verwerfung
Synonymgruppe
Gruppe (von Tieren) · Herde · Koppel · Meute · Rotte · Rudel · Schule · Schwarm · Sprung · Trupp
Synonymgruppe
Beeinträchtigung · Beschädigung · Defekt · Fehler · Knacks · Läsur · Makel · Riss · Schaden · Sprung
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Sprung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sprung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Sprung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und nun, im Übergang zu den neunziger Jahren, steht die Gemeinschaft vor einem qualitativen Sprung. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 394]
Irgendwie klirrte die Weise, als hätte das Gerät, das sie spielte, einen heimlichen Sprung. [Bodenreuth, Friedrich [d.i. Jaksch, Friedrich]: Alle Wasser Böhmens fließen nach Deutschland, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1938 [1937], S. 114]
Und nach einem miesen Sprung ärgere ich mich höchstens noch eine Stunde. [Der Spiegel, 31.12.1990]
Zu allem Überfluss ruft nun tatsächlich der Tenor an, sie möge noch auf einen Sprung herüberkommen in die Bar. [Fath, Rolf: Werke - V. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 15496]
Und nicht alle schaffen den Sprung zurück in eine der Ausbildung angemessene Tätigkeit. [Die Zeit, 13.04.2000, Nr. 16]
Zitationshilfe
„Sprung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sprung>.

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