Staatsbürger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Staatsbürgers · Nominativ Plural: Staatsbürger
Aussprache
WorttrennungStaats-bür-ger
WortzerlegungStaat1Bürger
Wortbildung mit ›Staatsbürger‹ als Erstglied: ↗Staatsbürgerkunde · ↗Staatsbürgerrecht · ↗staatsbürgerlich
 ·  mit ›Staatsbürger‹ als Grundform: ↗Staatsbürgerschaft
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutung

jmd., der die Staatsbürgerschaft des betreffenden Staates besitzt
Beispiele:
Die meisten Flüchtlinge sind syrische Staatsbürger, denen man internationalen Schutz gewähren müsse[…]. [Die Welt, 29.11.2018]
Im Parlament von Andorra sitzen 28 Menschen, sie vertreten die 22.000, die in Andorra wahlberechtigt sind. Das Land hat fast viermal so viele Einwohner, aber die meisten sind keine Staatsbürger. [Welt am Sonntag, 09.09.2018, Nr. 36]
Knapp 54 Millionen türkische Staatsbürger waren aufgerufen, ein neues Parlament und damit auch eine neue Regierung zu wählen. [Spiegel, 01.11.2015 (online)]
Das Wahlrecht ist kein Menschenrecht, es steht in der Regel nur Staatsbürgern zu. [Alles Evolution, 04.10.2014, aufgerufen am 28.04.2016]
Der [turkmenische] Volksrat nahm […] eine Verfassungsänderung an, nach der jeder turkmenische Staatsbürger für das Präsidentenamt kandidieren darf, der von mindestens einem Drittel des Gremiums unterstützt wird. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2006]
[…] in den vergangenen Jahren hat Moskau russische Pässe ausgeben lassen, so daß heute rund 90 Prozent der Südosseten russische Staatsbürger sind. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2006]
Er [Ismail Kadare] blieb albanischer Staatsbürger und lebt abwechselnd in Frankreich und in seiner Heimat. [Süddeutsche Zeitung, 31.10.1996]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein deutscher, österreichischer, türkischer Staatsbürger
als Akkusativobjekt: [keine] Staatsbürger ausliefern; Staatsbürger [des betreffenden Landes] schützen, zu etw. auffordern, aufrufen
als Aktiv-/Passivsubjekt: Staatsbürger [eines Staates] werden
in Koordination: Staatsbürger und Ausländer
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Rechte, die Pflichten, die Auslieferung, der Schutz, die Sicherheit, die Evakuierung von Staatsbürgern
jmd., der sich der aus der Staatsbürgerschaft entspringenden Rechte und Pflichten bewusst ist und sein Handeln loyal und verantwortungsvoll daran ausrichtet
Beispiele:
Der »Staatsbürger in Uniform« muß […] eine freie, politisch interessierte Persönlichkeit sein, die als verantwortungsbewußter Staatsbürger den Auftrag gewissenhaft ausführt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.1998]
Heute fühlen sich viele Menschen mit Migrationshintergrund als Staatsbürger und Deutsche. [Die Welt, 01.08.2018]
Um sich wirklich als Staatsbürger zu fühlen, muss man für das Land gewisse Heimatgefühle hegen und sich für die Belange des Landes, seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft interessieren. [Die Welt, 14.03.2017]
Ich kann und werde weiterhin schlicht als Staatsbürger sagen, was ich denke. [Welt am Sonntag, 02.10.2016, Nr. 40]
Letzteres [das vitale Interesse an seiner Selbstbehauptung] gilt in gesteigertem Maße für den Rechtsstaat, der zu seinem Erhalt auf intakte Familienstrukturen angewiesen ist, in denen Kinder in Liebe und Geborgenheit zu verantwortungsbewussten Staatsbürgern heranwachsen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2000]
Ein Ziel der Schulausbildung ist die Ausbildung zu mündigen Staatsbürgern. [Die Zeit, 08.11.1996, Nr. 46]
Ich gehe zur Wahl, weil ich ein ordentlicher Staatsbürger bin. [Berliner Zeitung, 04.06.1994]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein mündiger, loyaler, braver Staatsbürger
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Staatsbürger in Uniform
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Staat · staatlich · verstaatlichen · Staatsangehörigkeit · Staatsbürger · Staatsmann · Staatsstreich · Hofstaat
Staat m. ‘politische Herrschaftsform, die das Zusammenleben einer Gesellschaftsformation innerhalb festgelegter territorialer Grenzen regelt, Pracht, Aufwand’. Nur spärlich und unsicher ist belegt mhd. stat ‘Rechtszustand, Ausstattung’, häufiger dagegen in hansischen Urkunden (seit 14. Jh.) mnd. stāt ‘äußere und innere Verfassung, Lage, Umstände, Stand, Klasse, Stellung, Ansehen, Gesamtheit der Vertreter eines Standes, Aufwand’, verbreitet dann (vom 15. Jh. an) frühnhd. Stat ‘(sozialer) Stand, (gesellschaftliche) Stellung, Rang, Lebensweise, Zustand(auch des Vermögens), standesgemäßer Aufwand, Pracht, Prunk’. Der Ausdruck wird im 14. Jh. (ein zweifelhafter mhd. Beleg stammt aus dem 13. Jh.) aus lat. status ‘das Stehen, Stand, Wuchs, Zustand, Umstände, Lage, (durch die Geburt bedingte) soziale Stellung, fester Bestand, Wohlstand’, mlat. auch ‘Hofhaltung, Haushalt, Einkünfte, Rechnungslegung’ (s. ↗Status), einer Bildung zu lat. stāre (statum) ‘stehen’ (verwandt mit ↗stehen, s. d.), entlehnt. Der Übergang in den politischen Bereich beginnt sich bereits im Lat. anzubahnen, vgl. bei Cicero Fügungen wie status cīvitātis, status reī pūblicae, bei Tertullian Rōmānus status, status Iūdaeōrum (wo status statt sonst üblichem imperium, cīvitās, rēs pūblica steht). Doch Verwendungen dieser Art bleiben ohne nachhaltige Wirkung. Bis ins 16. Jh. entsprechen die dt. Bedeutungen des Wortes im wesentlichen dem allgemeinen lat. und mlat. Gebrauch. Erst vom 17. Jh. an erweitert sich der Bedeutungsumfang in Verbindung mit der staatlich-politischen Entwicklung in Europa (verschiedentlich beeinflußt von ital. Stato und frz. État); er erfaßt das Territorium, den Verwaltungsapparat, das fiskalische System, die fürstlichen Hoheitsrechte und die Rechte und Pflichten der Stände- oder Klassengesellschaft, die Vertretung der Macht nach außen und nach innen. Im einzelnen vgl. dazu Weinacht Staat (1968). Die bereits früh ausgebildete Bedeutung ‘Ausstattung, Aufwand, Pracht’ bleibt daneben unverändert lebendig und geht in der Umgangssprache auch in ‘Prunk, Putz, kostbare Kleidung, prächtiges Hausgerät’ über, vgl. redensartlich sich in Staat werfen (18. Jh.), Staat machen ‘sich herausputzen’ (19. Jh.), älter Staat (‘Eindruck, viel Aufhebens’) von etw. machen (um 1700). staatlich Adj. ‘den Staat (im politischen Sinne) betreffend, von ihm ausgehend’ (Anfang 19. Jh.); älter in der Übersetzung für lat. polīticus (16. Jh.), dann im Sinne von ‘prächtig’ (18. Jh.). verstaatlichen Vb. ‘in Staatseigentum überführen, staatlicher Verwaltung unterstellen’ (2. Hälfte 19. Jh.). Staatsangehörigkeit f. (19. Jh.). Staatsbürger m. ‘Mitglied der Staat genannten Gemeinschaft’ (18. Jh.). Staatsmann m. ‘bedeutender Politiker eines Staates’ (2. Hälfte 17. Jh.), Übersetzung von frz. homme d’État; geläufig seit dem 18. Jh. (Schiller). Staatsstreich m. ‘auf einen plötzlichen Regierungswechsel abzielende Unternehmung, Putsch’ (19. Jh.), zuvor ‘staatskluge Unternehmung’ (17. Jh.); in beiden Fällen nach frz. coup d’ État. Hofstaat m. ‘Aufwand, Lebensführung, Haushaltung eines fürstlichen Hofes, Gesamtheit der zu einem Hof gehörenden Personen, schriftlich festgelegte Ordnung einer fürstlichen Hofhaltung’ (Ende 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bürger · ↗Landsmann · Staatsangehöriger · Staatsbürger
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Senegalese
  • Thai · Thailänder
  • Brite · ↗Engländer  ●  Inselaffe  derb · ↗Tommy  ugs.
  • Pakistaner · Pakistani
  • Belorusse · Weißrusse
  • Liberianer · Liberier
  • Zyprer · Zypriot
  • Somali · Somalier
  • Este · Estländer
  • Inländer · ↗Teutone  ●  Deutscher  Hauptform · Bio-Deutscher  derb, abwertend · ↗Boche  derb, franz. · ↗Fritz (engl. mil., veraltend)  derb · ↗Germane  ugs., scherzhaft-ironisch · Gummihals  derb, schweiz. · ↗Kraut  derb, engl. · Mof (niederl.)  derb · ↗Piefke  derb, österr. · Preiß  ugs., bair. · Saupreiß  derb, bair.
  • Amerikaner · US-Amerikaner · ↗US-Bürger  ●  ↗Yankee  abwertend · Ami  ugs.
  • Österreicher  ●  Homo austriacus  ugs., ironisch · Schluchtenscheißer  derb · ↗Ösi  ugs.
  • Russe  ●  Großrusse  historisch · Reuße  veraltet · Russländer  veraltet · ↗Iwan  derb · Russki (eher abwertend)  derb
  • Eidgenosse · ↗Schweizer  ●  Alpenindianer  derb
  • Franzose · Schangel  ●  Franzacke  derb · ↗Franzmann  ugs. · Froschfresser  derb, abwertend
  • Bewohner Griechenlands · ↗Grieche · ↗Hellene · griechischer Bürger
  • Einwohner Spaniens · ↗Spanier
  • Afghane · Bürger Afghanistans
  • Japaner  ●  Japse  ugs., abwertend
  • Durchschnittsbürger · ↗Durchschnittsmensch · Max Mustermann · gewöhnliche(r) Sterbliche(r)  ●  (Person) von nebenan  variabel · Lieschen Müller  ugs. · ↗Normalo  ugs. · Normalsterblicher  ugs. · Otto Normalbürger  ugs. · Otto Normalverbraucher  ugs. · ↗Stino  ugs.
  • Italiener  ●  Itaka  derb, veraltet · Itaker  derb · ↗Spaghettifresser  derb, abwertend · Tschingg  derb, schweiz. · Tschingili  derb, badisch
  • Drittstaatsangehöriger  ●  Drittstaatenangehöriger  veraltet
  • Neuseeländer  ●  ↗Kiwi  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstammung Auslieferung Glaube Glauben Herkunft Leitbild Nationalität Uniform Verschleppung amerikanisch ausliefern britisch deutsch erziehen französisch gleichberechtigt israelisch jugoslawisch kanadisch lebend loyal mündig polnisch rumänisch saudisch tschechisch tschechoslowakisch türkisch ungarisch österreichisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Staatsbürger‹.

Zitationshilfe
„Staatsbürger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Staatsbürger>, abgerufen am 22.05.2019.

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