Stachel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Stachels · Nominativ Plural: Stacheln
Aussprache 
Worttrennung Sta-chel (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Stachel‹ als Erstglied: ↗Stachelbeere · ↗Stacheldraht · ↗Stacheldrahtzaun · ↗Stachelhai · ↗Stachelhalsband · ↗Stachelhäuter · ↗Stachelkleid · ↗Stachelschwein
 ·  mit ›Stachel‹ als Letztglied: ↗Giftstachel · ↗Igelstachel · ↗Taststachel · ↗Wehrstachel · ↗Wespenstachel
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
scharfes, spitzes Gebilde
a)
an Pflanzen
Beispiele:
ein Kaktus mit kurzen Stacheln
die Stacheln des Brombeerbusches
bei der Gartenarbeit hatte sie sich [Dativ] einen Stachel eingerissen
b)
an Tieren
α)
das bei Insekten mit einer Giftdrüse in Verbindung steht und zum Stechen dient
Beispiele:
der Stachel der Biene, Wespe
der (giftige) Stachel des Skorpions
den Stachel aus der Wunde herausziehen
β)
das nicht biegsam ist und sich auf der Haut mancher Säugetiere befindet
Beispiel:
die Stacheln des Igels richten sich auf
γ)
das kalkhaltig und in einem Kugelgelenk beweglich ist und sich auf der Haut von Stachelhäutern befindet
Beispiel:
die Stacheln des Seeigels
c)
aus Metall an manchen Gegenständen
Beispiele:
der Stachel des Bergstocks
der Stachel an der Schnalle zum Festschnallen des Gürtels, Riemens
Sie wurden ... in Ketten geschlossen und gezwungen, ein Halsband aus eisernen Stacheln zu tragen [ CramerKonzessionen369]
d)
Beispiel:
gegen, wider den Stachel löcken (= sich widersetzen, aufsässig sein)
2.
gehoben, übertragen etw. Quälendes
Beispiele:
der Stachel des Zweifels, Misstrauens, der Reue, Eifersucht
nach der Versöhnung blieb doch noch ein (kleiner) Stachel zurück
Diese Wendung lockerte fast den Stachel in meinem Herzen, gab mir sogar ein wenig Trost [ BrodFrau388]
etw. Verletzendes
Beispiele:
der Stachel dieser Worte
den Stachel erlittenen Unrechts spüren, fühlen
durch die Aussprache wurde dem Vorfall der Stachel genommen
unablässig schmerzhaft vorantreibende Kraft, heftiger Antrieb, Anreiz
Beispiele:
der Stachel der Neugier, Konkurrenz
der Stachel des Ehrgeizes trieb ihn immer weiter
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stachel · stachlig · stacheln · Stachelbeere · Stacheldraht · Stachelschwein
Stachel m. ‘spitzer Auswuchs (bei Pflanzen), stechende Spitze (bei Insekten)’. Das nur im Dt. bezeugte Substantiv ahd. stahhil (9. Jh.), mhd. stachel ist mit dem Suffix für Gerätebezeichnungen germ. -ila- zu der unter ↗stechen (s. d.) angeführten Wurzelerweiterung ie. *(s)teg- gebildet; daneben auch (mit intensivierender Konsonantendoppelung) ahd. stackila (10. Jh.), stackulla (8. Jh.). Stachel ist seit dem 16. Jh. (anfangs besonders in md. Quellen) oft auch für mit Spitzen versehene Geräte verbreitet, z. B. ‘Viehstock mit Eisenspitze’ (zum Antreiben), ‘Stoßstange der Schiffer’ (16. Jh.). stachlig Adj. ‘mit Stacheln versehen, wie mit Stacheln stechend’ (17. Jh., geläufig seit dem 18. Jh.), stachlich, stachlicht (16. Jh.). stacheln Vb. ‘mit Stacheln stechen, antreiben, reizen (mit dem Viehstock)’, übertragen ‘kränken, höhnen’ (16. Jh.). Stachelbeere f. mit spitzen Dornen versehener, wegen seiner Beeren kultivierter Strauch, seine mit kleinen Borsten besetzte Frucht (17. Jh., geläufig seit dem 18. Jh.). Stacheldraht m. ‘mit Stacheln versehener Eisendraht’ (Anfang 20. Jh.). Stachelschwein n. lange Stacheln tragendes Nagetier, das wegen seiner Grunzlaute an ein Schwein erinnert (16. Jh.), wohl nach mlat. porcus spinosus; zuvor spätmhd. dornswīn.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dorn · Stachel · spitzer Gegenstand

Typische Verbindungen zu ›Stachel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stachel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Stachel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielmehr sollte er das Staunen als einen Stachel für weiteres Ergründen empfinden.
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002
In diesen Tagen scheinen die Stacheln wieder einmal besonders spitz.
Die Zeit, 24.10.1986, Nr. 44
Das Volk war zwar gelehrig, doch unter verstärktem Druck mochte es leicht wider den Stachel locken.
Roots, Ivan: Die englische Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1797
Aber in der Zufriedenheit verbarg sich anfangs auch noch ein Stachel.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 403
Aber der Igel weiß die Stacheln noch in anderer Weise sehr praktisch zu benutzen.
Lucanus, Friedrich von: Im Zauber des Tierlebens, Berlin: Wegweiser-Verl. 1926 [1926], S. 228
Zitationshilfe
„Stachel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stachel>, abgerufen am 22.09.2020.

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