Stall, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Stall(e)s · Nominativ Plural: Ställe
Aussprache
Wortbildung mit ›Stall‹ als Erstglied: ↗Stall-Laterne · ↗Stallboden · ↗Stallbrigadier · ↗Stalldung · ↗Stalldünger · ↗Stallfütterung · ↗Stallgebäude · ↗Stallhase · ↗Stalljunge · ↗Stallknecht · ↗Stalllaterne · ↗Stallmann · ↗Stallmeister · ↗Stallmist · ↗Stallordnung · ↗Stallpflicht · ↗Stalltür · ↗Stallzelt · ↗Ställchen
 ·  mit ›Stall‹ als Letztglied: ↗Abferkelstall · ↗Abmelkstall · ↗Affenstall · ↗Augiasstall · ↗Gänsestall · ↗Hühnerstall · ↗Intensivstall · ↗Kuhstall · ↗Laufstall · ↗Massivstall · ↗Maststall · ↗Melkstall · ↗Notstall · ↗Offenstall · ↗Pferdestall · ↗Reitstall · ↗Rennstall · ↗Rinderstall · ↗Rundstall · ↗Schafsstall · ↗Schafstall · ↗Schweinestall · ↗Sommerstall · ↗Versuchsstall · ↗Zuchtstall
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Raum, der hauptsächlich zum Aufenthalt von Vieh bestimmt ist
siehe auch Ställchen
Beispiele:
die Kühe, Pferde (von der Weide) in den Stall bringen, aus dem Stall holen
die Hühner aus dem Stall lassen
den Stall säubern, kalken, ausmisten
das Pferd wittert den Stall (= läuft schneller, um ihn bald zu erreichen)
Ställe mit Belüftungs- und Entmistungsanlagen, mit Melkmaschinen
umgangssprachlich, scherzhaft, übertragen
Beispiel:
er ist das beste Pferd im Stall (= der tüchtigste Mitarbeiter)
salopp, abwertend Raum, Wohnraum, Gebäude
Beispiel:
wir müssen den Stall mal gründlich ausmisten (= Ordnung in dem Raum schaffen)
2.
alle Rennpferde, die ein Gestüt besitzt, Rennstall
Beispiele:
dieser Stall hat an dem Rennen, Wettkampf teilgenommen
das Pferd aus dem Stall in B hat das Rennen gewonnen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stall1 · stallen1
Stall1 m. ‘Gebäude zur Viehhaltung’, ahd. stal (Genitiv stalles) ‘Standort, Stelle, Gebäude zum Einstellen von Vieh’ (8. Jh.), mhd. stal ‘Steh-, Sitz-, Wohnort, Stand, Gebäude zum Einstellen von Vieh’, mnd. mnl. afries. nl. stal, aengl. steall ‘Stand, Stelle, Stellung, Stall’, engl. stall ‘Platz, Stand, Box, Rinder-, Pferdestall’, anord. stallr ‘Gerüst, Altar, Stall, Krippe’, schwed. stall ‘Stall’ führen auf germ. *stalla- ‘Standort, Platz’. Vergleicht man aind. (zweifelhaft) sthálam ‘Erhebung, Anhöhe, trockenes, festes Land’, sthalī́ ‘Anhöhe, hochgelegene Ebene’, sthal- ‘(fest)stehen’, griech. stéllein (στέλλειν) ‘in Ordnung bringen, fertigstellen, ausrüsten, bekleiden’, stólos (στόλος) ‘Ausrüstung, Feldzug, Heer, Schar, Zug, Fahrt’, apreuß. stallit ‘stehen’, so kann von ie. *stel- ‘stellen, aufstellen; stehend, unbeweglich, steif; Ständer, Pfosten, Stamm, Stiel’ (s. dazu auch ↗stellen, ↗Stelze, ↗still, ↗Stollen, ↗stolz und ↗stülpen) ausgegangen werden bzw. für das Germ. von mit no-Suffix abgeleitetem ie. *stolno-, woraus (mit Assimilation) germ. *stalla-. Zieht man als den germ. Formen nah verwandt lat. stabulum ‘Standort, Gehege, Stall’ heran, so kann auch ie. *stədhlo- vorausgesetzt werden, eine Variante von ie. *stətlo-, das dem unter ↗Stadel (s. d.) behandelten Substantiv zugrunde liegt. Auf jeden Fall sind alle genannten ie. Formen Weiterbildungen bzw. Ableitungen von der Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ (s. ↗stehen). Vom Substantiv abgeleitet stallen1 Vb. Vieh ‘in einen Stall bringen’, mhd. mnd. stallen.

Stall2 · stallen2
Stall2 m. ‘Harn’ (der Pferde), stal (16. Jh.), mnd. stal. stallen2 Vb. ‘Wasser lassen’ (vom Pferd), mhd. mnd. stallen. Herkunft ungwiß. Vergleichbar ist engl. to stale ‘harnen’. Falls auch lit. tel̃žti ‘harnen, naß machen’ und griech. stalássein, stalázein (σταλάσσειν, σταλάζειν) ‘träufeln, tropfen lassen, tropfen’ (s. ↗Stalagmit) herangezogen werden können, ist Anschluß an eine Wurzel ie. *(s)tel- ‘tröpfeln, harnen’ möglich. Doch eher ist hier stallen wohl (nach Kluge ²⁵875) als ‘stehen bleiben’ aufzufassen (da Pferde nur im Stehen Wasser lassen, während sie Kot auch im Laufen abwerfen) und an eine Bindung an ie. *stel- ‘stellen, aufstellen; stehend, unbeweglich’ sowie die Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ (s. ↗Stall und ↗stehen) zu denken.

Thesaurus

Synonymgruppe
Stall · ↗Stallung
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausmisten Bauernhof Esel Hengst Huhn Kalb Kaninchen Krippe Kuh Milchkuh Pferd Reithalle Rennpferd Rind Rinder Scheune Schuppe Schwein Stall Stute Tier Vieh Weide Wohnhaus Ziege ausmisten heimatlich niederbrennen reiten umgebaut

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stall‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zudem könnte das Virus von Mitarbeiten an den Schuhen in den Stall getragen worden sein.
Die Welt, 11.04.2006
Danach kann er ja wirklich nur noch einen eigenen Stall aufmachen.
Der Tagesspiegel, 07.03.2003
Und bald kommt deine Mutter aus dem Stall zurück und holt dich aufs Dach.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 189
Den Weg vom Wagen nach dem Stall legte ich reitend zurück.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 10787
Du weißt gar nicht, aus einem wie guten Stall Du entsprungen bist.
Tucholsky, Kurt: An Mary Gerold-Tucholsky, 22.04.1924. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1924], S. 16025
Zitationshilfe
„Stall“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stall>, abgerufen am 10.12.2019.

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