Stammbaum, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Stammbaum(e)s · Nominativ Plural: Stammbäume
Aussprache
WorttrennungStamm-baum
WortzerlegungStammBaum
Wortbildung mit ›Stammbaum‹ als Erstglied: ↗Stammbaumschema  ·  mit ›Stammbaum‹ als Letztglied: ↗Familienstammbaum
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
(meist durch eine graphische Darstellung veranschaulichte) Beschreibung der Entwicklungsgeschichte der Lebewesen von den niedersten erschließbaren Formen an bis zu den höchst entwickelten
Beispiel:
der Stammbaum der Wirbeltiere
2.
(oft durch eine graphische Darstellung veranschaulichte) Beschreibung der Herkunft eines Lebewesens, besonders eines Menschen, durch den Nachweis möglichst vieler Vorfahren
Beispiele:
er hatte sich [Dativ] seinen Stammbaum nach den Angaben alter Kirchenbücher zusammengestellt
sein Stammbaum reichte väterlicher- und mütterlicherseits bis ins 16. Jahrhundert zurück
der Stammbaum der Völker
ein weißer Pudel mit Stammbaum (= mit einem Abstammungsnachweis)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stamm · stammen · abstammen · Abstammung · angestammt · stämmig · Stammbaum · Stammbuch · Stammhalter · Stammvater
Stamm m. senkrecht gewachsener Teil eines Baumes, von dem die Äste abgehen, übertragen ‘Geschlecht, durch gesellschaftliche, sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten verbundene Menschengruppe, Sippenverband’, ahd. stam (um 800; vgl. auch liutstam ‘Volksstamm, Leute’, 8. Jh.), mhd. stam (Genitiv stammes) ‘(Baum)stamm, Geschlecht, Abstammung’, mnd. stam(me), mnl. nl. stam führen auf germ. *stamna- (vgl. dazu das unter ↗Steven, s. d., behandelte Substantiv), während aengl. stemn, stefn, engl. stem germ. *stemni- voraussetzt. Dies läßt sich wie griech. stámnos (στάμνος) ‘großer Krug’, eigentlich ‘stehendes Gefäß’, air. tamun ‘Baumstamm’, toch. A ṣtām ‘Baum’ mit m-Formans von der unter ↗stehen (s. d.) genannten Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ herleiten. Als Ausgangsbedeutung ist ‘Ständer’ anzunehmen. Die übertragene Bedeutung ‘Teil eines Volkes, Volksstamm, Geschlecht, Familie’ (vgl. oben ahd. liutstam) folgt dem Bild des sich nach allen Seiten ausbreitenden Baumes, dessen Äste aus einem gemeinsamen Stamm wachsen. Von einer ähnlichen Vorstellung ausgehend (in der Sprachwissenschaft) ‘einer Ableitung, einer Wortfamilie zugrundeliegendes Wort’ (17. Jh.), dann ‘bedeutungstragender Teil eines Wortes’ ohne wort- und formbildende Elemente, (in der Wirtschaft) ‘Grundstock, Kapital’ im Unterschied zu den Zinsen (18. Jh.), ‘fester Bestand an Personen, Mitarbeitern, Kunden, Mitgliedern’ (19. Jh.). stammen Vb. ‘seinen Ursprung haben’, mhd. stammen; dafür auch abstammen Vb. (17. Jh.); Abstammung f. ‘Herkunft, Ursprung’ (Ende 17. Jh.). angestammt Part.adj. ‘ererbt, überkommen, althergebracht’ (16. Jh., geläufig seit dem 18. Jh.). stämmig Adj. ‘(wie ein Baumstamm) kräftig, fest’ (17. Jh.). Stammbaum m. ‘(wie ein Baum mit Geäst dargestelltes) Geschlechtsregister mit dem ältesten Vorfahren als Stamm’ (17. Jh.), vgl. lat. arbor generātiōnis. Stammbuch n. ‘Register, Buch, in das die Mitglieder einer Familie, eines Geschlechts eingetragen werden’ (16. Jh.), dann ‘Buch, in das sich Freunde und Bekannte mit einem Denkspruch eintragen’ (17. Jh.). Stammhalter m. ‘männlicher Nachkomme, der das Geschlecht erhalten soll’ (17. Jh.). Stammvater m. ‘Begründer eines Geschlechts’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abstammungstafel · ↗Ahnentafel · ↗Blutlinie · ↗Familienchronik · ↗Familienstammbaum · Stammbaum

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ahnentafel Ast Blütenpflanze Evolution Genealogie Hominide Verzweigung Verästelung Wirbeltier Zweig adlig arisch dokumentiert ehrwürdig evolutionär genetisch jahrhundertealt konstruieren lückenlos molekular molekulargenetisch nachzeichnen rekonstruieren verzweigen verzweigt weitverzweigt wurzeln zurückreichen zurückreichend zurückverfolgen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stammbaum‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bis in das Jahr 1775 hat sie den Stammbaum nachgezeichnet.
Süddeutsche Zeitung, 07.03.2002
In der zweiten Klasse sollten alle ihren genetischen Stammbaum am Computer rekonstruieren.
Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 64
Doch war der Mutter Stammbaum dem des Vaters völlig gewachsen.
Die Zeit, 07.07.1949, Nr. 27
Aus dem Stammbaum sind die geschäftsführenden Meister der verschiedenen Generationen zu ersehen.
Bösken, Franz: Stumm (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 29770
Ich helfe ihm die Stammbäume, die die Norweger damals anlegten, auf den neuesten Stand zu bringen.
Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 295
Zitationshilfe
„Stammbaum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stammbaum>, abgerufen am 22.08.2019.

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