Stampe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Stampe · Nominativ Plural: Stampen
Aussprache
WorttrennungStam-pe
Wortbildung mit ›Stampe‹ als Erstglied: ↗Stamperl
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
landschaftlich, (besonders) berlinisch, salopp, abwertend Kneipe
Beispiel:
eine verräucherte, verschmutzte Stampe
2.
norddeutsch, mitteldeutsch, veraltend Trinkglas mit dickem Fuß, ohne Stiel und Henkel
Beispiel:
bei einer Stampe Wein sitzen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stampfen · Stampfer · Stampe1
stampfen Vb. ‘schwer und kräftig mit dem Fuß auftreten, (im Mörser) zerkleinern’, ahd. stamphōn (um 1000), mhd. stampfen ‘zerstoßen, enthülsen’, mnd. mnl. nl. stampen, engl. to stamp ‘aufstampfen, trampeln’, anord. stappa (aus *stampa-) ‘stampfen, zusammenpacken’, schwed. stampa ‘stampfen, treten, walken’ (germ. *stampōn) sowie ahd. stamph (8. Jh.), mhd. stampf, asächs. mnd. stamp ‘Werkzeug zum Stoßen, Stampfen, Mörserstößel’, mnd. stamp(e), aengl. pīlstampe ‘Stößel’ und die jan-Bildung mhd. stempfen ‘stampfen, schlagen, prägen, mit einem Stempel versehen’, mnd. mnl. stempen, aengl. stempan ‘(im Mörser) zerstoßen’ (germ. *stampijan) lassen sich mit aind. stambáḥ ‘(Gras)büschel’, griech. stémbein (στέμβειν) ‘unaufhörlich schütteln, mißhandeln, schmähen’ und (ohne s-Anlaut) lat. temnere (aus *tembn-) ‘verachten, verschmähen’, eigentlich ‘mit den Füßen treten’, auf die nasalierte Variante ie. *stemb- ‘(auf)stampfen, treten, beschimpfen’ der verbreiteten, unter ↗Stab (s. d.) angeführten Wurzel zurückführen. Die Ausgangsbedeutung ‘mit den Füßen stampfen’ entwickelt sich im Germ., als Gewebe nicht mehr mit den Füßen, sondern in Holzfässern gewalkt werden, zu ‘stampfend bearbeiten, im Mörser zerstoßen’. Stampfer m. ‘Gerät zum Stampfen’ (17. Jh.), mnd. stamper (14./15. Jh.); ‘wer stampfend etw. bearbeitet’ (16. Jh.), ‘wer mit den Füßen stampft’ (17. Jh.). Stampe1 f. nordd. berlin. ‘Bierlokal, Kneipe’ (um 1900), zu mnd. nd. stampen ‘(auf)stampfen, trampeln’ (s. oben), also Bezeichnung für eine Stehkneipe.

Stampe2 · Stamper
Stampe2 f. nordd. md., Stamper m. md. ‘Trinkgefäß, Becher, Schnapsglas’, öst. Stamperl, Stampferl n. (18. Jh.). Wohl im Sinne von ‘etw. Abgestumpftes, Gedrungenes’ eine Nebenform von ↗Stumpen, ↗Stumpf (s. d.; vgl. auch anord. stampr m. ‘Kübel’).

Thesaurus

Gastronomie/Kulinarik
Synonymgruppe
Bar · ↗Bierkeller · ↗Kneipe · ↗Lokal · ↗Schankwirtschaft · ↗Schenke · ↗Schänke · ↗Wirtschaft  ●  Bierpalast  veraltet · ↗Dorfkrug  norddeutsch · ↗Gaststätte  Hauptform · ↗Pub  engl. · Stampe  berlinerisch · Taferne  veraltet · Tafernwirtschaft  veraltet · ↗Taverne  veraltet · Tavernwirtschaft  veraltet · ↗Beisel  ugs., ostösterreichisch · ↗Beiz  ugs., schweiz. · Boaz (Tirol, vereinzelt)  ugs. · Boiz (Neckarraum)  ugs., selten · ↗Bumslokal  ugs., abwertend · ↗Gasthaus  ugs., südösterreichisch · ↗Kaschemme  ugs., abwertend · ↗Pinte  ugs., ruhrdt., veraltend · ↗Schuppen  ugs., abwertend · ↗Schwemme  ugs. · ↗Spelunke  ugs., abwertend · Spunte (Graubünden)  ugs. · ↗Tanke  ugs. · ↗Tränke  ugs. · ↗Wirtshaus  ugs., österr., bair.
Unterbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er hatte seine Stampe am Olivaer Platz, vor der Endhaltestelle des Omnibus 12.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 455
Komm Se, wir jehn da rüber in die Stampe und trinken 'n Schnaps!
Tucholsky, Kurt: Der Kriegsschauplatz. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929]
Zitationshilfe
„Stampe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stampe>, abgerufen am 22.04.2019.

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