Standrecht, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungStand-recht
Wortbildung mit ›Standrecht‹ als Erstglied: ↗standrechtlich
eWDG, 1976

Bedeutung

veraltet, Jura Rechtszustand, der bei Ausnahmezuständen erklärt wurde und bei dem nach vereinfachtem Strafverfahren und verschärftem Strafrecht geurteilt wurde
Beispiele:
das Standrecht ausrufen, erklären, verkünden, über ein Gebiet verhängen
daß man schon im Ausnahmezustand lebte, daß die Bürokratie der Kriegsgerichte schon auf die wütende Schnelligkeit des Standrechts umgeschaltet hatte [M. W. SchulzStaub im Wind113]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stand · Ständchen · standhaft · ständig · ständisch · Standbild · Standpunkt · Standgericht · Standrecht
Stand m. ‘aufrechte Stellung, das Stehen, Standort, Zustand, sozial zusammengehörige Gruppe, Gesellschaftsschicht, Rang’, ahd. -stant (in firstant ‘Weisheit’, 8. Jh., urstant ‘Auferstehung’, 11. Jh.), mhd. mnd. mnl. stant, nl. aengl. engl. stand, schwed. stånd ist Verbalabstraktum zu dem unter ↗stehen (s. d.) angeführten nasalierten Präsensstamm germ. *stand- (s. auch ↗Stunde). Für -stand in Abstraktbildungen zu Präfixverben s. ↗stehen. Ständchen n. ‘als Huldigung stehend dargebrachte kleine Musik’ (17. Jh.). standhaft Adj. ‘ausdauernd, beharrlich’ (Anfang 16. Jh.). ständig Adj. ‘feststehend, dauernd, immer wiederkehrend’ (16. Jh.); vgl. ahd. instentīgo Adv. ‘eifrig, unablässig’ (um 1000), mhd. gestendec Adj. ‘unveränderlich’, widerstendic ‘Widerstand leistend, widersetzlich, widerlich’. ständisch Adj. ‘den Land- oder Reichsständen zukommend’ (18. Jh.), ‘eine bestimmte soziale Gruppe betreffend’ (19. Jh.). Standbild n. ‘Statue’ (Ende 18. Jh.). Standpunkt m. ‘Punkt, auf dem jmd. steht’ (18. Jh.), meistens übertragen ‘Einstellung, Haltung, aus der heraus etw. beurteilt wird’. Standgericht n. ‘rasch einberufenes (ursprünglich im Stehen tagendes) Kriegs- oder Ausnahmegericht, bei dem in vereinfachtem Strafverfahren das Urteil sofort nach dem Verhör gefällt und vollstreckt wird’ (um 1500); entsprechend Standrecht n. ‘verschärftes Straf- bzw. Kriegsrecht’ (Ende 16. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufhebung Verhängung verhängen verkünden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Standrecht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Regierung hat damals gegen ihn sogar das Standrecht verhängt und hat ihn mit allen Mitteln bekämpft.
o. A.: Einhundertsiebenundsiebzigster Tag. Freitag, 12. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 13499
Infolgedessen hat die Regierung beschlossen, in allen Gebieten, in denen die öffentliche Ordnung und Ruhe gestört wird, das Standrecht zu proklamieren.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1938]
Prag verhängte das Standrecht, und binnen zwei Tagen war der Spuk vorüber.
Die Zeit, 27.09.1968, Nr. 39
Findet die Ronde einen Mann nicht auf seinem Posten oder schlafend, so wird am andern Tage Standrecht über ihn gehalten.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 1000
Die Erschießungen auf Grund des Standrechts sind ungesetzlich und als Mord zu bezeichnen.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 13.03.1919
Zitationshilfe
„Standrecht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Standrecht>, abgerufen am 27.05.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Standquartier
Standpunkt
Standpumpe
Standprobe
Standplatz
standrechtlich
Standrede
Standrohr
Standsäule
Standseilbahn