Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Statt, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Statt · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [ʃtat]
Wortbildung  mit ›Statt‹ als Erstglied: Statthalter  ·  mit ›Statt‹ als Letztglied: Bettstatt · Freistatt · Heimstatt · Hofstatt · Lagerstatt · Liegestatt · Richtstatt · Ruhestatt · Schlafstatt · Walstatt · Werkstatt · Wohnstatt
 ·  mit ›Statt‹ als Grundform: bestatten
eWDG und ZDL

Bedeutung

gehoben, veraltend
Phrasem:
eine bleibende Statt (= eine Stätte, wo man für immer sein, leben kann)WDG
Synonym zu Stätte
Beispiele:
eine bleibende Statt findenWDG
Nach dem Anschluß Österreichs, den der junge Künstler glaubwürdig verabscheut, hat er in Wien keine bleibende Statt mehr, und über Zürich verschlägt es den Emigranten nach Südamerika, wo er bald ein rühriges musikalisches Leben zwischen Buenos Aires und Montevideo entfaltet. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2001]
Sucht man musikalische Einweihungen in die Wahrheit der Utopie, so ist das erste, alles enthaltende Licht Fidelio, das zweite – mit verhängtem Schein, in gemäßem Abstand – das Deutsche Requiem, das singt »Denn wir haben hier keine bleibende Statt, aber die zukünftige suchen wir« – und unter dem Chor ein Tappen von suchenden Schritten, eine Weglinie ins Ungekannte, ins Erwachen. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung. Bd. 3. Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 192]
[…] um hier dafür zu sorgen, daß […] wahre Fröhlichkeit eine bleibende Statt habe […] [ M. WalserEhen399]WDG

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Statt · Stätte · anstatt · statt · abstatten · erstatten · stattfinden · stattgeben · Statthalter · zustattenkommen · zustatten
Statt f. ‘Ort, Platz, Stelle’. Die mit dem Suffix ie. -ti- gebildeten i-Stämme ahd. stat f. (8. Jh., in den flektierten Kasus steti), mhd. stat f., asächs. stedi m. f., mnd. stat f., mnl. stat, stēde f., nl. stad f., aengl. stede m. ‘das Stehen(bleiben), Stätte’, engl. stead ‘Stelle, Platz’, anord. staðr m. ‘Stehen, Stätte, Ort’, schwed. stad, got. staþs m. ‘Stätte, Stelle, Gegend’ stellen sich mit aind. sthíti- ‘Standort, Rang’, griech. stásis (στάσις) ‘das Stehen, Stillstehen, Stand(ort), Stellung’, auch ‘das Stellen, Abwägen’, lat. statio ‘das Stehen, Standort, Aufenthalt’, statim ‘feststehend auf der Stelle, stehenden Fußes, sofort’, lit. statùs ‘gerade, direkt, schroff, unhöflich, steil, abschüssig’ zu der unter stehen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’. Daneben begegnen (mit Suffix ie. -tā) ahd. stata ‘rechter, bequemer Ort, günstiger Zeitpunkt, Gelegenheit’ (9. Jh.), mhd. state, mnd. stāde, mnl. stade, anord. staða ‘Stelle, Standort, Richtung’; die dt. Formen fallen bereits im Spätmhd. durch Aufgabe des auslautenden -e mit oben genanntem mhd. stat zusammen. Das Substantiv nhd. Statt wird nach seiner Aufspaltung in Stadt (s. d.) und Stätte (s. unten) selten, begegnet aber noch als zweites Kompositionsglied, vgl. Heim-, Lager-, Ruhe-, Werkstatt, außerdem in festen Fügungen an meiner Statt (Dativ Sing.) ‘an meiner Stelle’, vgl. mhd. an sīne stat ‘an seiner Stelle’, an Eides Statt (18. Jh.) aus an eines aids stat (15. Jh.), an Kindes Statt (18. Jh.), vgl. jmdn. an Kindsstatt annehmen (um 1700). Stätte f. ‘Stelle, Ort’ (16. Jh.), frühnhd. stete ‘Schießplatz’ (15. Jh.), vgl. mnd. schērstēde ‘Haus, in dem Schafe geschoren werden’, aus den flektierten Kasus (Genitiv bzw. Dativ) von mhd. stat (s. oben) hervorgegangen, wohl unter Einfluß von mnd. stēde, stedde ‘Stätte, Stelle, Ort. Gegend, Gebiet’. Stätte ersetzt in allgemeiner Verwendung zurücktretendes Statt, wird dann aber selbst vielfach von Stelle abgelöst (vgl. Brandstatt, -stätte, -stelle). Es bildet in frühnhd. Zeit einen neuen schwachen Plural Stätten. anstatt Präp. mit Genitiv ‘an Stelle von’, entwickelt aus Konstruktionen mit nachgestelltem Genitiv (15. Jh.; vgl. ziecht frische Hembder an, das ist anstatt viel Badens, 16. Jh.). Aus Verwendungen von anstatt ohne abhängigen Kasus entsteht im 17. Jh. konjunktionaler Gebrauch (vgl. anstatt erfreuliche Antwort zu erlangen). statt Präp. Konj. (17. Jh.), aus anstatt gekürzt. Dazu statt daß, statt zu (18. Jh.). abstatten Vb. ‘ableisten, ablegen’ (17. Jh.), ‘abfinden, entrichten, bezahlen’ (16. Jh.), zu mhd. staten ‘an seine Stelle bringen, zu etw. verhelfen’ (vgl. auch bestatten). erstatten Vb. ‘zurückgeben, bezahlen, ersetzen, Bericht geben’, mhd. erstaten ‘ersetzen’, eigentlich ‘wieder an seine Stelle bringen’. Semantischer Einfluß von ahd. stata, mhd. state, stat f. ‘bequemer Ort oder Zeitpunkt, gute Gelegenheit’ (s. oben sowie gestatten) scheint vorzuliegen bei stattfinden Vb. ‘geschehen, erfolgen, sich abspielen’, eigentlich ‘einen guten Platz, eine gute Gelegenheit finden’, vgl. ein gut wort find eine gute stadt (Luther), ahd. stat findan (9. Jh.), mhd. stat vinden; Zusammenschreibung erst im 19. Jh.; stattgeben Vb. ‘gewähren, bewilligen’, eigentlich ‘Platz oder Gelegenheit geben’, mhd. stat geben, ebenfalls seit dem 19. Jh. zusammengeschrieben. Statthalter m. ‘Stellvertreter’ (15. Jh.), in der Kanzleisprache entstanden als Übersetzung von lat. locum tenēns, eigentlich ‘den Platz Haltender’ (s. Leutnant). zustattenkommen Vb. ‘zu gelegener, zu rechter Zeit kommen, nützen’, Zusammenrückung aus zustatten Adv. ‘zu rechter Gelegenheit, zu Hilfe’, mhd. ze staten, dem Dativ Plur. von mhd. state, ahd. stata ‘rechter, bequemer Ort, Gelegenheit’ (s. oben; im Sing. ahd. zi statu, mhd. ze state) und kommen (s. d.).

Typische Verbindungen zu ›Statt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Statt‹.

Zitationshilfe
„Statt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Statt>.

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