Stiefkind, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Stiefkind(e)s · Nominativ Plural: Stiefkinder
Aussprache
WorttrennungStief-kind (computergeneriert)
Wortzerlegungstief-Kind
eWDG, 1976

Bedeutung

Sohn oder Tochter des Ehepartners
Beispiel:
er hat eine Witwe geheiratet und behandelt seine Stiefkinder ebenso gut wie die eigenen
übertragen Sache, Einrichtung, der ungerechterweise wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird
Beispiele:
diese Abteilung ist das Stiefkind des Betriebes
jmd. ist ein Stiefkind des Glücks (= jmd. hat im Leben wenig Glück gehabt)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stief- · Stiefkind · Stiefmutter · stiefmütterlich · Stiefmütterchen · Stiefvater
Stief- erstes Glied in zusammengesetzten Verwandtschaftsnamen, das ‘durch spätere Wiederheirat (nach Todesfall) zustandegekommene, nichtleibliche Verwandtschaftsverhältnisse’ bezeichnet. Ahd. stiof- (selbständig in ahd. stiufi? ‘Schwägerin’, 9. Jh.), mhd. stief-, (mit unerklärtem -f statt zu erwartendem -p, vielleicht assimiliert aus *stiopfader?) mnd. stēf-, mnl. nl. stief-, aengl. stēop-, engl. step-, afries. stiap-, stiep-, anord. stjūp- (selbständig in anord. stjūpr ‘Stiefsohn’), schwed. styv- führen mit den Verben ahd. stiufen (9. Jh., irstiufen, 8. Jh.) ‘der Eltern oder der Kinder berauben’, aengl. āstȳpan ‘berauben’, āstȳpte ‘verwaist’ auf germ. *steupa- ‘abgestutzt, abgestumpft, beraubt’. Außergerm. Bezeichnungen für das Stiefverhältnis fehlen; doch Verwandtschaft mit der unter ↗stoßen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)teu- ‘stoßen, schlagen’ ist wahrscheinlich. Stiefkind n. ‘nichtleibliches, aus einer früheren Ehe eines Elternteils mitgebrachtes Kind’, ahd. stiofkind (um 1000), mhd. stiefkint, auch ‘zu unrecht Vernachlässigtes, Nichtbeachtetes’ (18. Jh.), mnd. stēfkint, mnl. stiefkint, nl. stiefkind, aengl. stēopcild, engl. stepchild. Stiefmutter f. ‘nichtleibliche, durch eine Wiederheirat des Vaters erhaltene Mutter’, ahd. stiofmuoter (8. Jh.), mhd. stiefmuoter, bereits in früher Zeit literarisch den Typ der bösen, ungerechten Frau verkörpernd, mnd. stēfmōder, mnl. nl. stiefmoeder, aengl. stēopmōdor, engl. stepmother, anord. stjūpmōðir, schwed. styvmoder; stiefmütterlich Adj. ‘hart, ungerecht, vernachlässigend, zurücksetzend’ (17. Jh.), älter ‘einer Stiefmutter zugehörig, eigen’ (16. Jh.), zuerst adverbial (15. Jh.). Stiefmütterchen n. Name der veilchenartigen Gartenpflanze (18. Jh.), älter Stiefmütterlein, Stiffmuttrigen (16. Jh.), Stiefmuterkraut (15. oder schon 14. Jh.). Benennungsmotiv ungeklärt; eine Anspielung auf die „böse“ Stiefmutter (s. oben) ist wahrscheinlich, indem die Anordnung und das Aussehen der Blütenblätter als grimmiges Gesicht gedeutet wird (vgl. Namen wie Affengesichtchen, Schief-, Fratzengesicht u. dgl.). Stiefvater m. ahd. stioffater (9. Jh.), mhd. stiefvater, mnd. stēfvāder, mnl. stiefvāder, nl. stiefvader, aengl. stēopfæder, engl. stepfather, anord. stjūpfaðir, schwed. styvfader.

Thesaurus

Synonymgruppe
Aschenbrödel  ugs. · ↗Aschenputtel  ugs. · ↗Heimchen  ugs. · Heimchen am Herd  ugs. · ↗Mauerblümchen  ugs. · Stiefkind  ugs. · graue Maus  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Pflegekind · ↗Pflegling · Stiefkind  ●  ↗Ziehkind  österr., landschaftlich
Oberbegriffe
  • Abkömmling · Heranwachsender · ↗Nachfahre · ↗Nachkomme · ↗Nachwuchs · ↗Sprössling  ●  (die) lieben Kleinen (u.a. mediensprachlich)  Plural · ↗Kind  Hauptform · ↗Blag  ugs., ruhrdt. · Gschropp  ugs., bair. · ↗Gör  ugs., berlinerisch · ↗Kid  ugs. · Kiddie  ugs. · Kleiner  ugs. · Kniebeißer  ugs. · ↗Knirps  ugs. · Panz  ugs., kölsch · ↗Spross  ugs. · ↗Zögling  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Lücke · ↗Nachholbedarf  ●  Stiefkind  fig. · offene Baustelle  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adoption Bildungspolitik Bildungssystem Ehegatte Enkel Ergonomie Forschung Grundschule Hauptschule Journalismus Konjunktur Kulturpolitik Kunstgeschichte Landespolitik Medizin Mittelstand Nation Stiefeltern Stiefkind Tourismus Umweltschutz Verkehrspolitik Wirtschaftspolitik Wirtschaftswunder adoptieren behandeln einstig lästig ungeliebt vernachlässigt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stiefkind‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nun soll er sich um die Stiefkinder unserer Verfassung kümmern.
Die Zeit, 20.03.1970, Nr. 12
Jazz geht ihm über alles, ist aber leider ein Stiefkind an Bord.
Süddeutsche Zeitung, 26.10.1999
So ist der Bauer schon seit langer Zeit das Stiefkind der parlamentarischen Demokratie.
Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur, Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 196
Die schriftsprachliche Literatur der Mongolenzeit scheint ein Stiefkind der Sinologie zu sein.
Franke, Herbert: Sinologie, Bern: A. Francke 1953, S. 166
Der Richter spricht sie frei, denn für Kinder-Mißhandlung an »Stiefkindern« ist im Gesetze noch kein Paragraph!
Altenberg, Peter: Mein Lebensabend, Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 9265
Zitationshilfe
„Stiefkind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stiefkind>, abgerufen am 23.04.2019.

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