Stille, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Stille · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungStil-le
Wortbildung mit ›Stille‹ als Letztglied: ↗Abendstille · ↗Friedhofsstille · ↗Funkstille · ↗Grabesstille · ↗Kirchenstille · ↗Kirchhofsstille · ↗Mittagsstille · ↗Morgenstille · ↗Nachtstille · ↗Sabbatstille · ↗Todesstille · ↗Totenstille · ↗Verkehrsstille · ↗Windstille
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Zustand des Ungestörtseins, äußere, durch keinen Lärm gestörte Ruhe
a)
Beispiele:
eine sonntägliche, feierliche, beschauliche, abendliche, morgendliche, herbstliche Stille
die tiefe Stille der Winternacht
er konnte die Stille des Hauses nicht mehr ertragen
b)
Lautlosigkeit, Geräuschlosigkeit, Schweigen
Beispiele:
eine Weile herrschte unheimliche, tödliche, trügerische, frostige, eisige Stille
(eine) peinliche, beklemmende, betretene, ängstliche Stille folgte dieser Erklärung
(eine) drückende, lähmende, grauenvolle Stille trat ein
es herrschte (eine) atemlose, gespenstische Stille in dem alten Schloss
lautlose Stille verbreitete sich im Saal
2.
in der Stille, in aller Stilleohne alles Aufheben, ohne Aufsehen zu erregen, unbemerkt, heimlich
Beispiele:
sie hatten in aller Stille geheiratet
die Beisetzung fand in aller Stille statt
sie hatte in aller Stille viel Gutes getan
Auf jeden Fall macht sie in der Stille ihren Plan [St. ZweigBalzac36]
er ... hätte rasch seinen Koffer packen und in der Stille fortgehen können [KafkaAmerika232]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

still · Stille · stillen · Stilleben
still Adj. ‘ohne Bewegung, lautlos, ruhig, leise, verborgen, geheim’, ahd. stilli (8. Jh.), mhd. stille, asächs. stilli, mnd. mnl. stille, nl. stil, aengl. stille, engl. still (westgerm. *stellja-) läßt sich, ausgehend von ‘unbeweglich stehend’, als Ableitung mit (zu ll assimiliertem) n-Suffix an die unter ↗Stall (s. d.) angegebene Wurzel ie. *stel- ‘stellen, aufstellen; stehend, unbeweglich, steif; Ständer, Pfosten, Stamm, Stiel’ anschließen. Die im Mhd. verbreitete Bedeutung ‘verborgen, geheim, heimlich’ bewahren Fügungen wie stiller (‘heimlich gehegter’) Wunsch (18. Jh.), im stillen ‘im geheimen, im verborgenen’ (17. Jh.). Stille f. ‘Bewegungslosigkeit, Lautlosigkeit, Ruhe, Verborgenheit, Heimlichkeit’, ahd. stillī (8. Jh.), mhd. stille. stillen Vb. ‘beruhigen, zum Schweigen bringen, befriedigen’, ahd. stillen ‘zum Schweigen bringen, beruhigen’ (8. Jh.), stillēn ‘ruhig werden, verstummen, nachlassen’ (10. Jh.), mhd. stillen ‘beruhigen, zur Ruhe kommen’, auch ‘einem Säugling die Brust geben’, eigentlich ‘durch Nahrung beruhigen’. Stilleben n. ‘bildliche Darstellung alltäglicher Gegenstände in künstlerischer Anordnung’ (2. Hälfte 18. Jh.), älter stilliegende Sachen (Anfang 18. Jh.), nach nl. stilleven bzw. stilstaand oder stilliggend leven; vgl. auch (ebenfalls aus dem Nl.) engl. still life, in dt. Übersetzung stilles Leben (1. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Beschaulichkeit · Stille
Synonymgruppe
Geräuschlosigkeit · ↗Lautlosigkeit · ↗Ruhe · ↗Schweigen · Stille · ↗Stillschweigen · ↗Verschwiegenheit  ●  ↗Funkstille  ugs., fig.
Assoziationen
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
  • (ganz) leise · ↗(ganz) still · ↗totenstill  ●  ↗mucksmäuschenstill  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgeschiedenheit Dunkelheit Einsamkeit Geräusch Leere Oase Ozean Schuß absolut andächtig atemlos bedrückend beklemmend durchbrechen erwartungsvoll feierlich gespannt gespenstisch herrschen hineinsagen klösterlich konzentriert lautlos lähmend meditativ nächtlich unheimlich unterbrechen vollkommen zerreißen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stille‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In der Stille zeigt sich auch das Besondere dieses noblen Hauses.
Die Zeit, 24.10.2011, Nr. 43
Für einen Moment herrscht Stille, dann geht das große Volksfest in Orange einfach weiter.
Süddeutsche Zeitung, 24.11.2004
Wie stark die Bindung in einer Ehe ist, läßt sich ebenfalls nicht allein aus der friedlichen Stille romantischer Stunden schließen.
Der Wachtturm, 1999, Nr. 4, Bd. 120
Sie ist für ihn wie die Stille vor einem großen Sturm.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 391
Der Wald fing auch noch zu dampfen an und bedrückende Stille breitete sich aus.
Rangnow, Rudolf: Tropenpracht und Urwaldnacht, Braunschweig: Gustav Wenzel & Sohn 1938 [1938], S. 125
Zitationshilfe
„Stille“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stille>, abgerufen am 21.05.2019.

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