Stimme, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Stimme · Nominativ Plural: Stimmen
Aussprache
WorttrennungStim-me
Wortbildung mit ›Stimme‹ als Erstglied: ↗-stimmig · ↗Stimm-Mittel · ↗Stimmabgabe · ↗Stimmaufwand · ↗Stimmband · ↗Stimmbildung · ↗Stimmbruch · ↗Stimmbürger · ↗Stimmchen · ↗Stimmenanteil · ↗Stimmenauszählung · ↗Stimmenfang · ↗Stimmengeräusch · ↗Stimmengewinn · ↗Stimmengewirr · ↗Stimmengleichheit · ↗Stimmenklang · ↗Stimmenmehrheit · ↗Stimmenthaltung · ↗Stimmenverhältnis · ↗Stimmenverlust · ↗Stimmenzahl · ↗Stimmenzuwachs · ↗Stimmführer · ↗Stimmführung · ↗Stimmgewinn · ↗Stimmgewirr · ↗Stimmkraft · ↗Stimmlage · ↗Stimmmittel · ↗Stimmrecht · ↗Stimmritze · ↗Stimmton · ↗Stimmverhältnis · ↗Stimmwechsel · ↗Stimmzettel · ↗stimmbegabt · ↗stimmgewaltig · ↗stimmhaft · ↗stimmlos
 ·  mit ›Stimme‹ als Letztglied: ↗Aliquotstimme · ↗Altstimme · ↗Baritonstimme · ↗Bass-Stimme · ↗Bassstimme · ↗Biedermannstimme · ↗Bierstimme · ↗Brummstimme · ↗Bruststimme · ↗Bärenstimme · ↗Chorstimme · ↗Delegiertenstimme · ↗Diskantstimme · ↗Donnerstimme · ↗Einzelstimme · ↗Engelsstimme · ↗Engelstimme · ↗Erststimme · ↗Falsettstimme · ↗Feldherrnstimme · ↗Fistelstimme · ↗Flötenstimme · ↗Frauenstimme · ↗Gegenstimme · ↗Geigenstimme · ↗Geisterstimme · ↗Grabesstimme · ↗Greisenstimme · ↗Grundstimme · ↗Hörerstimme · ↗Ja-Stimme · ↗Jastimme · ↗Jungenstimme · ↗Kinderstimme · ↗Knabenstimme · ↗Kommandostimme · ↗Kopfstimme · ↗Leserstimme · ↗Löwenstimme · ↗Marktstimme · ↗Menschenstimme · ↗Mittelstimme · ↗Mädchenstimme · ↗Männerstimme · ↗Nein-Stimme · ↗Neinstimme · ↗Oberstimme · ↗Orgelstimme · ↗Pressestimme · ↗Rednerstimme · ↗Silberstimme · ↗Singstimme · ↗Solostimme · ↗Sopranstimme · ↗Sprechstimme · ↗Stentorstimme · ↗Säuferstimme · ↗Telefonstimme · ↗Tenorstimme · ↗Tierstimme · ↗Unterstimme · ↗Vogelstimme · ↗Volksstimme · ↗Weiberstimme · ↗Wählerstimme · ↗Zeterstimme · ↗Zweitstimme
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
durch Schwingungen der Stimmbänder im Zusammenwirken mit Resonanzerscheinungen erzeugte Laute und Töne
a)
beim Sprechen, Sprechstimme
Beispiele:
eine männliche, weibliche, kindliche, hohe, tiefe, dunkle, helle, laute, leise, harte, weiche, kalte, warme Stimme
eine belegte, krächzende, raue, sanfte, wohlklingende, angenehme, einnehmende Stimme haben
umgangssprachlich eine piepsige Stimme haben
abwertend eine blecherne Stimme haben
mit ruhiger, beherrschter, gelassener, fester, deutlicher, eintöniger, gleichgültiger, ergriffener Stimme sprechen
umgangssprachlich, abwertend mit keifender Stimme sprechen
mit bebender, keuchender, zitternder, gellender Stimme schreien, rufen
er fuhr mit erhobener, gleichmäßiger, geheimnisvoller, energischer, unsicherer, bewegter Stimme fort
gehoben er fuhr mit angstvoller Stimme fort
sie flüsterte mit (tränen)erstickter, verweinter, fast erloschener Stimme
das Gespräch wurde mit gesenkter, erregter, verhaltener Stimme geführt
ihre Stimme klang ängstlich, schüchtern, ungeduldig
die Stimme eines Erwachsenen
das Stimmchen eines Kindes
die Stimmen der Besucher dröhnten, hallten in dem riesigen Raum
er ließ seine Stimme erschallen, ertönen
seine Stimme dämpfen, verändern, verstellen, anstrengen, heben, senken
ihre Stimme zitterte ein wenig, überschlug sich, war ohne Klang (= klang hart), hatte einen näselnden Ton
seine Stimme nahm einen beschwörenden Ton an (= seine S. wurde beschwörend)
seine Stimme wurde unsicher
umgangssprachlich seine Stimme schnappte über
jmds. Stimme, jmdn. an der Stimme, am Klang der Stimme erkennen
ein Gewirr, Durcheinander von Stimmen drang bis zu uns herüber
wir konnten von weitem Stimmen hören, vernehmen
eine Stimme aus dem Hintergrund rief
bildlich
Beispiele:
sie folgte der Stimme ihres Herzens, der Vernunft, des Gewissens
gehoben sie gehorchte der Stimme ihres Herzens, der Vernunft, des Gewissens
eine innere Stimme hatte ihn gewarnt (= ein sicheres Gefühl hatte ihn gewarnt)
Sie soll Stimmen und Erscheinungen haben [BrechtJeanne d'Arc2]
b)
beim Singen, Singstimme
Beispiele:
der Sänger hat eine umfangreiche, geschulte, volle Stimme
seine Stimme ausbilden lassen
mit heiserer, schriller, durchdringender, gedämpfter Stimme singen
sie war mit einer klangvollen Stimme begabt
umgangssprachlich die Sängerin war heute abend nicht gut bei Stimme
seine Stimme schonen, verlieren (= nicht mehr singen können)
der Sänger hatte keine Stimme (= konnte nicht gut singen)
c)
bei Tieren
Beispiel:
die Stimmen der Tiere, Vögel (= Tier-, Vogelstimmen) erkennen, unterscheiden, nachahmen
2.
Musik
a)
nach Tonhöhe unterschiedene Lage und Klangfarbe der Vokalmusik und Instrumentalmusik
Beispiele:
Bass ist die tiefe, Tenor die hohe männliche Stimme
ein Chorbuch für gleiche Stimmen
der Chor ist berühmt wegen seiner herrlichen Stimmen
die erste, zweite, dritte Stimme eines Liedes singen
die Stimmen der Geigen, Flöten, Hörner, einer Orchestermusik
b)
die 1 b oder einem Instrument zugeteilte Melodie eines Musikstücks, Part eines Sängers, eines Instruments oder aller Sänger gleicher Stimmlage und Instrumente derselben Gruppe
Beispiele:
zum Finale setzten alle Stimmen gleichzeitig ein
er sang seine Stimme einwandfrei vom Blatt
eine Stimme aus der Partitur herausschreiben, abschreiben
die Stimmen (= Noten, Notenblätter für die einzelnen Sänger, Instrumentalisten) verteilen
3.
Meinungsäußerung, Willensbekundung
Beispiele:
Stimmen des Protestes wurden von allen Seiten laut
seine Stimme im Rat galt viel, wog schwer
die kritischen Stimmen fanden damals leider wenig Beachtung
es mehren sich die Stimmen in der Welt, die für eine neue Energiepolitik eintreten
gehoben warnend seine Stimme erheben
die Stimmen der Presse
4.
Willensäußerung des einzelnen bei einer Abstimmung, Wählerstimme
Beispiele:
die Stimmen der Wähler
eine (un)gültige Stimme
jeder Wähler hat eine Stimme, zwei Stimmen
eine Stimme haben (= wahlberechtigt sein)
seine Stimme abgeben (= wählen)
Sitz und Stimme in der Versammlung, im Komitee haben
die, seine Stimme den Kandidaten der Linken geben
Stimmen erhalten, auf sich vereinigen, gewinnen, verlieren
die Auszählung der Stimmen
jede Stimme ist wichtig, zählt
hierbei kommt es auf jede einzelne Stimme an
gehoben sich der Stimme enthalten
Vertreter mit beratender, beschließender Stimme zum Kongress senden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stimme · Stimmrecht · Stimmvieh · Stimmenmehrheit · stimmen · anstimmen · abstimmen · beistimmen · umstimmen · zustimmen · übereinstimmen · Stimmung · stimmungsvoll · stimmig · einstimmig · mehrstimmig
Stimme f. ‘mit Hilfe der Stimmbänder erzeugte Laute, Fähigkeit zur Erzeugung solcher Laute, Meinung, Urteil’, ahd. stimna, stimma (8. Jh.), stemna, stemma (9. Jh.), mhd. stimme, asächs. stemna, mnd. stemne, stem(me), stimme, mnl. stemme, stēvene, nl. stem, aengl. stefn, stemn, engl. (mundartlich) steven, afries. stifne, stemme, got. stibna, mit sekundärem Labial mnd. stempne, frühnhd. stimb, aus germ. *stemnō (mit aus ƀn entstandenem mn), ohne gesicherte außergerm. Entsprechungen. Verwandtschaft mit griech. stóma (στόμα) ‘Mund, Maul, Mündung, Front, Spitze, Schneide’ (ie. *stomen- ‘Mund, Spalte’, zu einer Wurzel ie. *(s)tem- ‘schneiden’) ist möglich; vgl. Wennerberg in: Die Sprache 18 (1972) 24 ff. Stimme in der Sprache der Musik im Sinne von ‘Singstimme, Singbegabung’ ist bereits ahd., dazu vgl. Fügungen wie hohe, tiefe Stimme (vor allem seit dem 18. Jh. geläufig); auch ‘Teil einer mehrstimmigen (Vokal)komposition’ (16. Jh.). Stimme für ‘Entscheidung für jmdn., etw., Votum’ bei einer Abstimmung, Beratung ist seit dem 14. Jh. bezeugt, vgl. Sitz und Stimme (‘das Recht, ein Votum in einem bestimmten Kreis abgeben zu können’) haben (18. Jh.), Stimmen haben ‘das Votum anderer zugunsten der eigenen Wahl haben’ (16. Jh.), eine Stimme (‘das Recht zu urteilen’) haben (18. Jh.), jmdm. die, seine Stimme geben ‘sich für ihn entscheiden’ (16. Jh.). Stimmrecht n. ‘Recht, an Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen’ (18. Jh.). Stimmvieh n. ‘politisch unentschiedene, unkritische und abhängige Wähler, die bei Wahlen zu erwünschten Entscheidungen veranlaßt werden können’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach amerik.-engl. voting cattle, zuerst auf amerikanische Verhältnisse bezogen. Stimmenmehrheit f. (18. Jh.). stimmen Vb. ‘zusammenpassen, richtig sein, übereinstimmen, seine Stimme für jmdn., etw. abgeben’, mhd. stimmen ‘eine Stimme hören lassen, rufen, mit einer Stimme versehen, erfüllen, anstimmen, nennen, festsetzen, abschätzen’ und ahd. gistimnen ‘zusammen-, anstimmen’ (8. Jh.); in der Musik ‘die Höhe der einzelnen Töne kontrollieren’ (16. Jh.), ‘jmdn. in eine bestimmte Gemütslage versetzen’ (18. Jh.). anstimmen Vb. ‘zu singen beginnen, einen Termin festsetzen’ (16. Jh.). abstimmen Vb. ‘in Einklang bringen, harmonisch, passend machen’ (17. Jh.), ‘die Stimme, das Votum abgeben’ (18. Jh.), älter ‘Münzen abwerten’ (schweiz., 15. Jh.), ‘nicht übereinstimmen mit etw. oder jmdm.’ (16. Jh.), ‘überstimmen’ (18. Jh.). beistimmen Vb. ‘recht geben, beipflichten’ (17. Jh.). umstimmen Vb. ‘anders stimmen, die Meinung ändern’ (17. Jh.). zustimmen Vb. ‘übereinstimmen, beipflichten’ (16. Jh.). übereinstimmen Vb. ‘den gleichen Klang haben, zusammenpassen, einer Meinung sein’ (16. Jh.). Stimmung f. ‘Gemütslage, -zustand, innere Disposition’ (18. Jh.), ‘Kolorit, Milieu’, besonders auf Ausstrahlung von Kunstwerken, Landschaften u. dgl. bezogen (19. Jh.); dazu stimmungsvoll Adj. (19. Jh.). stimmig Adj. ‘übereinstimmend, zusammenpassend, richtig’ (18. Jh.), zuerst ‘was Stimme hat, zur Stimme gehört’ (17. Jh.). einstimmig Adj. musikalisch ‘aus nur einer Stimme bestehend’ (17. Jh.), ‘ohne Gegenstimme’ (18. Jh.); vgl. ahd. einstimmi ‘einmütig’ (9. Jh.). mehrstimmig Adj. ‘aus mehreren Stimmen bestehend’ (beim Gesang, 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Stimme · ↗Tonart · ↗Tonfall
Assoziationen
Synonymgruppe
Stimme · ↗Votum · Wahlstimme · ↗Wählerstimme
Musik
Synonymgruppe
Singstimme · Stimme · ↗Stimmlage
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auszählung Enthaltung Mehrheit Prozent Stimme abgeben abgegeben ablehnen annehmen beschließen billigen enthalten erhalten erheben gültig heiser hören inner klingen kritisch laut leihen leise mehren sanft sprechen tief ungültig verabschieden wählen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stimme‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie redete mit einer affektiert hohen Stimme auf ihn ein.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 80
Ein Mangel seines Werkes liegt in der künstlichen rhythmischen Wiedergabe der Stimmen.
Lehmann, Dieter: Melgunow. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1961], S. 36727
Dies reichte aber nur im günstigsten Fall zur absoluten Mehrheit, denn gesichert waren allenfalls 45 von 90 Stimmen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1997]
Diese Stimmen finden selten die hunderttausendfache Verbreitung etablierter Medien, aber das Konzert ist durch sie vielstimmiger geworden.
Die Zeit, 30.12.2013, Nr. 52
Dabei versuchte er die panische Stimme in ihm zu beschwichtigen.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 158
Zitationshilfe
„Stimme“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stimme>, abgerufen am 18.10.2019.

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