Stimmrecht, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungStimm-recht
WortzerlegungStimmeRecht
Wortbildung mit ›Stimmrecht‹ als Erstglied: ↗stimmrechtslos  ·  mit ›Stimmrecht‹ als Letztglied: ↗Frauenstimmrecht
eWDG, 1976

Bedeutung

Recht, Berechtigung zur Stimmabgabe bei einer Abstimmung oder Wahl, Wahlrecht
Beispiele:
von seinem Stimmrecht Gebrauch machen
Die Schöffen üben die Funktion eines Richters in vollem Umfang und mit gleichem Stimmrecht wie die Berufsrichter aus [Verfassung DDR58]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stimme · Stimmrecht · Stimmvieh · Stimmenmehrheit · stimmen · anstimmen · abstimmen · beistimmen · umstimmen · zustimmen · übereinstimmen · Stimmung · stimmungsvoll · stimmig · einstimmig · mehrstimmig
Stimme f. ‘mit Hilfe der Stimmbänder erzeugte Laute, Fähigkeit zur Erzeugung solcher Laute, Meinung, Urteil’, ahd. stimna, stimma (8. Jh.), stemna, stemma (9. Jh.), mhd. stimme, asächs. stemna, mnd. stemne, stem(me), stimme, mnl. stemme, stēvene, nl. stem, aengl. stefn, stemn, engl. (mundartlich) steven, afries. stifne, stemme, got. stibna, mit sekundärem Labial mnd. stempne, frühnhd. stimb, aus germ. *stemnō (mit aus ƀn entstandenem mn), ohne gesicherte außergerm. Entsprechungen. Verwandtschaft mit griech. stóma (στόμα) ‘Mund, Maul, Mündung, Front, Spitze, Schneide’ (ie. *stomen- ‘Mund, Spalte’, zu einer Wurzel ie. *(s)tem- ‘schneiden’) ist möglich; vgl. Wennerberg in: Die Sprache 18 (1972) 24 ff. Stimme in der Sprache der Musik im Sinne von ‘Singstimme, Singbegabung’ ist bereits ahd., dazu vgl. Fügungen wie hohe, tiefe Stimme (vor allem seit dem 18. Jh. geläufig); auch ‘Teil einer mehrstimmigen (Vokal)komposition’ (16. Jh.). Stimme für ‘Entscheidung für jmdn., etw., Votum’ bei einer Abstimmung, Beratung ist seit dem 14. Jh. bezeugt, vgl. Sitz und Stimme (‘das Recht, ein Votum in einem bestimmten Kreis abgeben zu können’) haben (18. Jh.), Stimmen haben ‘das Votum anderer zugunsten der eigenen Wahl haben’ (16. Jh.), eine Stimme (‘das Recht zu urteilen’) haben (18. Jh.), jmdm. die, seine Stimme geben ‘sich für ihn entscheiden’ (16. Jh.). Stimmrecht n. ‘Recht, an Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen’ (18. Jh.). Stimmvieh n. ‘politisch unentschiedene, unkritische und abhängige Wähler, die bei Wahlen zu erwünschten Entscheidungen veranlaßt werden können’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach amerik.-engl. voting cattle, zuerst auf amerikanische Verhältnisse bezogen. Stimmenmehrheit f. (18. Jh.). stimmen Vb. ‘zusammenpassen, richtig sein, übereinstimmen, seine Stimme für jmdn., etw. abgeben’, mhd. stimmen ‘eine Stimme hören lassen, rufen, mit einer Stimme versehen, erfüllen, anstimmen, nennen, festsetzen, abschätzen’ und ahd. gistimnen ‘zusammen-, anstimmen’ (8. Jh.); in der Musik ‘die Höhe der einzelnen Töne kontrollieren’ (16. Jh.), ‘jmdn. in eine bestimmte Gemütslage versetzen’ (18. Jh.). anstimmen Vb. ‘zu singen beginnen, einen Termin festsetzen’ (16. Jh.). abstimmen Vb. ‘in Einklang bringen, harmonisch, passend machen’ (17. Jh.), ‘die Stimme, das Votum abgeben’ (18. Jh.), älter ‘Münzen abwerten’ (schweiz., 15. Jh.), ‘nicht übereinstimmen mit etw. oder jmdm.’ (16. Jh.), ‘überstimmen’ (18. Jh.). beistimmen Vb. ‘recht geben, beipflichten’ (17. Jh.). umstimmen Vb. ‘anders stimmen, die Meinung ändern’ (17. Jh.). zustimmen Vb. ‘übereinstimmen, beipflichten’ (16. Jh.). übereinstimmen Vb. ‘den gleichen Klang haben, zusammenpassen, einer Meinung sein’ (16. Jh.). Stimmung f. ‘Gemütslage, -zustand, innere Disposition’ (18. Jh.), ‘Kolorit, Milieu’, besonders auf Ausstrahlung von Kunstwerken, Landschaften u. dgl. bezogen (19. Jh.); dazu stimmungsvoll Adj. (19. Jh.). stimmig Adj. ‘übereinstimmend, zusammenpassend, richtig’ (18. Jh.), zuerst ‘was Stimme hat, zur Stimme gehört’ (17. Jh.). einstimmig Adj. musikalisch ‘aus nur einer Stimme bestehend’ (17. Jh.), ‘ohne Gegenstimme’ (18. Jh.); vgl. ahd. einstimmi ‘einmütig’ (9. Jh.). mehrstimmig Adj. ‘aus mehreren Stimmen bestehend’ (beim Gesang, 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Stimmrecht · ↗Wahlberechtigung · ↗Wahlrecht
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Häufeln · Kumulieren · Stimmenhäufung

Typische Verbindungen
computergeneriert

A-Aktie Aktienbesitz Aktionär Ausübung B-Aktie Beschränkung EZB-Rat Entzug Erbadel Generalversammlung Hauptversammlung Kapitalanteil Ministerrat Namensaktie Neugewichtung Stammaktie UN-Vollversammlung Vollversammlung Vorzugsaktie Vorzugsaktionär Wahlberechtigte ausüben doppelt entziehen gewichtet poolen sechsfach verbriefen zehnfach zwanzigfach

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stimmrecht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das haben sie bisher nicht getan und das würden sie mit dem Stimmrecht ihrer Kinder auch nicht tun.
Süddeutsche Zeitung, 05.06.2004
Die sieben Finanzminister verfügen über die Mehrheit der Stimmrechte des Fonds.
Der Tagesspiegel, 08.02.1997
Auf die Dauer konnte man denn auch diesen Bürgern ohne Stimmrecht das volle Bürgerrecht nicht vorenthalten.
Bleicken, Jochen: Rom und Italien. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 8740
Ich »darf« allen Beratungen beiwohnen, habe aber kein Stimmrecht mehr.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1956. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1956], S. 949
Auch das allgemeine Stimmrecht schien den meisten kein unentbehrliches Recht zu sein.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 28231
Zitationshilfe
„Stimmrecht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stimmrecht>, abgerufen am 26.03.2019.

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