Stimmung, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Stimmung · Nominativ Plural: Stimmungen
Aussprache
WorttrennungStim-mung (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
gefühlsmäßiger, von der körperlichen und psychischen Verfassung und der augenblicklichen Situation abhängiger Zustand des Menschen, Gemütszustand, Gemütslage, Gemütsverfassung
Beispiele:
er ist heute in guter, schlechter, gereizter Stimmung
sie war durch das schreckliche Ereignis in eine düstere, erbitterte Stimmung geraten
in aufgeräumter, ausgeglichener, rosiger, elegischer Stimmung sein
ich bin jetzt nicht in der rechten Stimmung, den Brief zu schreiben
sich in gehobener, heiterer Stimmung fühlen
von Stimmungen abhängig sein
seine Stimmung sank unter Null umgangssprachlich, scherzhaft
man darf sich nicht den Stimmungen hingeben
jmdm. die Stimmung (= gute Laune) verderben
wir waren (in) bester Stimmung
der Wein hatte uns in eine beschwingte Stimmung versetzt
es herrschte eine festliche, feierliche, friedliche, aufgelockerte Stimmung
die Stimmung blieb eisig, frostig, gedrückt, gedämpft
die Stimmung schlug plötzlich um, wechselte, sank, stieg
die Gäste kamen in Stimmung (= wurden fröhlich, ausgelassen)
er sorgte immer für Stimmung (= Fröhlichkeit, Heiterkeit), brachte alle in Stimmung
die Stimmung war auf achtzig (= auf ihrem Höhepunkt) salopp
er verstand es, die Besucher in Stimmung (= bei guter Laune) zu halten
daß Tiere für die Stimmungen der ihnen nahestehenden Menschen ein sehr feines Gefühl haben [BuckowitzÜberraschungen16]
2.
Eindruck, der besonders von einer Landschaft, Erscheinung, Situation, einem künstlerischen Werk ausgeht, (ästhetische) Wirkung auf jmds. Gemüt
Beispiele:
wir lernten das Meer in den verschiedenartigsten Stimmungen kennen
die Stimmung des Sonnenuntergangs hat der Künstler treffend eingefangen
das Bild strahlt (eine) echte Stimmung aus
hinter den Schaufensterscheiben herrschte vorweihnachtliche Stimmung
eine feierliche Stimmung umfängt den Besucher beim Eintritt in den Festsaal gehoben
es herrschte eine gewitterschwüle Stimmung
3.
Einstellung, Meinung der Leute zu bestimmten Erscheinungen, Vorgängen, besonders des öffentlichen Lebens
Beispiele:
die Stimmung im Publikum, unter der Jugend erforschen, schildern
wie ist die Stimmung unter der Bevölkerung?
mit treffenden Worten gab er die Stimmung der Mehrheit der Mitglieder wieder
es ist keine Stimmung (= Meinung, Neigung) dafür vorhanden
für, gegen jmdn., etw. Stimmung machen (= Begeisterung, Ablehnung hervorrufen)
4.
Musik Tonhöhe eines Musikinstrumentes, nachdem es gestimmt ist
Beispiele:
das Klavier, die Orgel war zu hoch, zu niedrig, tief in der Stimmung
die Stimmung auf Kammerton
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stimme · Stimmrecht · Stimmvieh · Stimmenmehrheit · stimmen · anstimmen · abstimmen · beistimmen · umstimmen · zustimmen · übereinstimmen · Stimmung · stimmungsvoll · stimmig · einstimmig · mehrstimmig
Stimme f. ‘mit Hilfe der Stimmbänder erzeugte Laute, Fähigkeit zur Erzeugung solcher Laute, Meinung, Urteil’, ahd. stimna, stimma (8. Jh.), stemna, stemma (9. Jh.), mhd. stimme, asächs. stemna, mnd. stemne, stem(me), stimme, mnl. stemme, stēvene, nl. stem, aengl. stefn, stemn, engl. (mundartlich) steven, afries. stifne, stemme, got. stibna, mit sekundärem Labial mnd. stempne, frühnhd. stimb, aus germ. *stemnō (mit aus ҍn entstandenem mn), ohne gesicherte außergerm. Entsprechungen. Verwandtschaft mit griech. stóma (στόμα) ‘Mund, Maul, Mündung, Front, Spitze, Schneide’ (ie. *stomen- ‘Mund, Spalte’, zu einer Wurzel ie. *(s)tem- ‘schneiden’) ist möglich; vgl. Wennerberg in: Die Sprache 18 (1972) 24 ff. Stimme in der Sprache der Musik im Sinne von ‘Singstimme, Singbegabung’ ist bereits ahd., dazu vgl. Fügungen wie hohe, tiefe Stimme (vor allem seit dem 18. Jh. geläufig); auch ‘Teil einer mehrstimmigen (Vokal)komposition’ (16. Jh.). Stimme für ‘Entscheidung für jmdn., etw., Votum’ bei einer Abstimmung, Beratung ist seit dem 14. Jh. bezeugt, vgl. Sitz und Stimme (‘das Recht, ein Votum in einem bestimmten Kreis abgeben zu können’) haben (18. Jh.), Stimmen haben ‘das Votum anderer zugunsten der eigenen Wahl haben’ (16. Jh.), eine Stimme (‘das Recht zu urteilen’) haben (18. Jh.), jmdm. die, seine Stimme geben ‘sich für ihn entscheiden’ (16. Jh.). Stimmrecht n. ‘Recht, an Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen’ (18. Jh.). Stimmvieh n. ‘politisch unentschiedene, unkritische und abhängige Wähler, die bei Wahlen zu erwünschten Entscheidungen veranlaßt werden können’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach amerik.-engl. voting cattle, zuerst auf amerikanische Verhältnisse bezogen. Stimmenmehrheit f. (18. Jh.). stimmen Vb. ‘zusammenpassen, richtig sein, übereinstimmen, seine Stimme für jmdn., etw. abgeben’, mhd. stimmen ‘eine Stimme hören lassen, rufen, mit einer Stimme versehen, erfüllen, anstimmen, nennen, festsetzen, abschätzen’ und ahd. gistimnen ‘zusammen-, anstimmen’ (8. Jh.); in der Musik ‘die Höhe der einzelnen Töne kontrollieren’ (16. Jh.), ‘jmdn. in eine bestimmte Gemütslage versetzen’ (18. Jh.). anstimmen Vb. ‘zu singen beginnen, einen Termin festsetzen’ (16. Jh.). abstimmen Vb. ‘in Einklang bringen, harmonisch, passend machen’ (17. Jh.), ‘die Stimme, das Votum abgeben’ (18. Jh.), älter ‘Münzen abwerten’ (schweiz., 15. Jh.), ‘nicht übereinstimmen mit etw. oder jmdm.’ (16. Jh.), ‘überstimmen’ (18. Jh.). beistimmen Vb. ‘recht geben, beipflichten’ (17. Jh.). umstimmen Vb. ‘anders stimmen, die Meinung ändern’ (17. Jh.). zustimmen Vb. ‘übereinstimmen, beipflichten’ (16. Jh.). übereinstimmen Vb. ‘den gleichen Klang haben, zusammenpassen, einer Meinung sein’ (16. Jh.). Stimmung f. ‘Gemütslage, -zustand, innere Disposition’ (18. Jh.), ‘Kolorit, Milieu’, bes. auf Ausstrahlung von Kunstwerken, Landschaften u. dgl. bezogen (19. Jh.); dazu stimmungsvoll Adj. (19. Jh.). stimmig Adj. ‘übereinstimmend, zusammenpassend, richtig’ (18. Jh.), zuerst ‘was Stimme hat, zur Stimme gehört’ (17. Jh.). einstimmig Adj. musikalisch ‘aus nur einer Stimme bestehend’ (17. Jh.), ‘ohne Gegenstimme’ (18. Jh.); vgl. ahd. einstimmi ‘einmütig’ (9. Jh.). mehrstimmig Adj. ‘aus mehreren Stimmen bestehend’ (beim Gesang, 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ambiente · ↗Atmosphäre · ↗Flair · ↗Gepräge · ↗Klima  ●  Ambiance  schweiz. · Atmo  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gefühlslage · ↗Gemütsverfassung · ↗Gemütszustand  ●  emotionale Verfassung  variabel · ↗(emotionale) Gestimmtheit  geh.
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Moral · ↗Seelenlage · ↗Stimmungslage · moralische Verfassung · Überzeugtheit von sich selbst
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Gemütsschwankung(en) · ↗Laune · vorübergehende Gemütsverfassung  ●  ↗Stimmungsschwankung  Hauptform · ↗(ein) Anfall (von)  ugs. · ↗Anwandlung(en)  geh. · ↗Aufwallung  geh. · ↗Kaprice  geh. · ↗Kaprize  geh.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktienmärkten Bevölkerung Verbraucher angeheizt aufgeheizt aufgeheizten aufgehellt aufkommt ausgelassene eingetrübt erzeugen euphorische gebessert gedrückt gedrückte gedämpft gereizte getrübt gute heben herrscht kippt miese positive schlechte sorgen umgeschlagen verbessert verderben verschlechtert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stimmung‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie tun gut daran, sich möglichst immer über die Stimmung in dem von Ihnen angestrebten Unternehmen zu erkundigen.
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 218
Angesichts der Stimmung in der Öffentlichkeit halte er vorzeitige Wahlen für sehr wahrscheinlich.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1997]
Die Stimmung dieses verlorenen Ortes macht es schwer, sich ihr zu entziehen.
Der Spiegel, 25.01.1982
Der junge Mann wurde sich der Stimmung bewußt, die er wachgerufen hatte.
Sapper, Agnes: Werden und Wachsen, Hannover: Gundert 1967 [1910], S. 162
Von der damals in den beiden mitteleuropäischen Parlamenten ausgebrochenen Stimmung finde ich ein Echo unter meinen Briefen.
Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8197
Zitationshilfe
„Stimmung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stimmung>, abgerufen am 20.09.2017.

Weitere Informationen …