Stirn, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Stirn · Nominativ Plural: Stirnen
Aussprache
Wortbildung mit ›Stirn‹ als Erstglied: ↗Stirnader · ↗Stirnband · ↗Stirnbein · ↗Stirnfalte · ↗Stirnhaar · ↗Stirnhöhle · ↗Stirnlocke · ↗Stirnmauer · ↗Stirnrad · ↗Stirnreif · ↗Stirnriemen · ↗Stirnrunzeln · ↗Stirnseite · ↗Stirnwand · ↗Stirnwunde · ↗stirnrunzelnd
 ·  mit ›Stirn‹ als Letztglied: ↗Sorgenstirn · ↗Unschuldsstirn
eWDG, 1976

Bedeutung

oberer Teil des menschlichen Gesichts, der zwischen Nasenwurzel, Augenbrauen, Schläfen und dem Haaransatz liegt
Beispiele:
eine hohe, niedrige, breite, fliehende, steile, gewölbte, glatte, runzlige, blasse, bleiche, kluge Stirn
die Stirn falten, in Falten ziehen, runzeln
die Stirn vor Ärger, Zorn, Sorgen furchen
er krauste die Stirn, zog die Stirn kraus
er sah mit gerunzelter, gefurchter Stirn zu
seine Stirn glättete, verdüsterte, verfinsterte, umwölkte sich
Falten auf der Stirn haben
die Adern auf seiner Stirn waren angeschwollen, traten hervor
eine Beule an, auf der Stirn haben
der kalte Schweiß trat ihm auf die Stirn, stand ihm auf der Stirn, lief ihm von der, über die Stirn
er wischte sich [Dativ] die Schweißtropfen von der Stirn
sich vor die Stirn schlagen
sich [Dativ] die Haare, das Haar aus der Stirn streichen
das Haar fiel ihm in die Stirn
den Hut, die Mütze in die Stirn ziehen, aus der Stirn schieben
er küsste sie auf die Stirn, strich ihr über die Stirn
umgangssprachlich sich [Dativ] mit der Hand an die Stirn greifen (= befremdet, erstaunt sein)
umgangssprachlich mit der Hand, dem Zeigefinger an die Stirn tippen (= drückt aus, dass man seinen Partner für verrückt hält)
übertragen
Beispiel:
gehoben den Feinden, Militaristen, der Korruption die Stirn bieten (= furchtlos entgegentreten, Widerstand entgegenhalten)
die Stirn zu etw. habendie Dreistigkeit, Unverfrorenheit zu etw. besitzen
Beispiele:
er hat die Stirn gehabt, zu behaupten, dass ...
er besaß die Stirn, es abzustreiten
es stand ihm auf der Stirn geschrieben (= es war seinem Gesicht deutlich anzusehen), dass er etw. verheimlichte
der Leichtsinn war ihm auf die Stirn geschrieben
wir fragten uns, was wohl hinter seiner Stirn vorging (= was er dachte)
man konnte es ihr an der Stirn ablesen, was sie dachte
mit eiserner, eherner Stirn (= unerschütterlich) bot er den Widerwärtigkeiten Trotz
etw. mit eiserner, frecher Stirn (= dreist) behaupten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stirn · Stirnfläche · Stirnwand · engstirnig
Stirn f. ‘oberer Teil des Gesichts über den Augen’. Das nur im Dt. und Mnl. bezeugte Substantiv ahd. stirna (um 1100), mhd. stirne, mnd. stērn(e), mnl. stern(e) ist verwandt mit aengl. steornede ‘kühn’, außergerm. mit aind. stīrṇá- ‘ausgebreitet, hingestreut’, griech. stérnon (στέρνον) ‘Brust, Herz’, kymr. sarn ‘das Hingebreitete, Decke, Estrich’, aslaw. strana, russ. storoná (сторона) ‘Seite, Gegend’ und stellt sich mit ie. no-Suffix zu der unter ↗streuen (s. d.) genannten Wurzel ie. *ster(ə)- ‘ausbreiten, (aus)streuen’, so daß für Stirn von ‘das Ausgebreitete, Fläche’ auszugehen ist. Dazu Wendungen wie die Stirn bieten ‘entgegentreten’ (17. Jh.), die Stirn (‘Frechheit, Kühnheit’) haben (18. Jh.); vgl. auch den aus der Übersetzung von lat. frōns ‘Stirn, Vorderseite, Fassade, vordere Linie des Heeres’ hervorgegangenen Gebrauch in der Militärsprache ‘Front, Spitze des Heeres’ (16. bis 18. Jh.), in der Architektur ‘vordere, dem Betrachter zugewandte Seite’ (16. Jh.). Stirnfläche f. ‘Vorder- oder Schmalseite’ eines Gegenstandes (17. Jh.), ‘Außenseite der menschlichen Stirn’ (19. Jh.). Stirnwand f. ‘Vorderfront’ von Gebäuden (18. Jh.), ‘Schmalseite, schmale Wand’ (19. Jh.). engstirnig Adj. ‘beschränkt’ (20. Jh.), anknüpfend an Stirn im Sinne von ‘geistige Kraft’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angstschweiß Falte Haar Kinn Kuß Locke Narbe Nase Platzwunde Schläfe Schweiß Schweißperle Schweißtropfen Sorgenfalte Wange bieten fliehend gebieten gefurcht gerunzelt kleben kräuseln küssen perlen rinnen runzeln tippen tupfen wischen zerfurcht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stirn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In die nächste Generation befördert, sagt er und sie runzelt die Stirn.
Die Zeit, 12.12.2013, Nr. 50
Sie griff nach meiner Hand, führte sie gegen ihre Stirn.
Neue Rundschau, 1971, Nr. 3, Bd. 82
Dann fährt sie hastig mit der Hand über die Stirn.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 270
Auf einmal strich er ihr das Haar in die Stirn.
Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 189
Sie strich sich mit starkem Ruck das Haar aus der Stirn.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 04.03.1926
Zitationshilfe
„Stirn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stirn>, abgerufen am 16.11.2018.

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