Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Stirn, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Stirn · Nominativ Plural: Stirnen
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Stirn‹ als Erstglied: Stirnader · Stirnband · Stirnbein · Stirnfalte · Stirnfräser · Stirnhaar · Stirnhöhle · Stirnlocke · Stirnmauer · Stirnrad · Stirnreif · Stirnreifen · Stirnriemen · Stirnrunzeln · Stirnseite · Stirnwaffe · Stirnwand · Stirnwunde · Stirnziegel · stirnrunzelnd
 ·  mit ›Stirn‹ als Letztglied: Sorgenstirn · Unschuldsstirn
Mehrwortausdrücke  die Stirn bieten
eWDG

Bedeutung

oberer Teil des menschlichen Gesichts, der zwischen Nasenwurzel, Augenbrauen, Schläfen und dem Haaransatz liegt
Beispiele:
eine hohe, niedrige, breite, fliehende, steile, gewölbte, glatte, runzlige, blasse, bleiche, kluge Stirn
die Stirn falten, in Falten ziehen, runzeln
die Stirn vor Ärger, Zorn, Sorgen furchen
er krauste die Stirn, zog die Stirn kraus
er sah mit gerunzelter, gefurchter Stirn zu
seine Stirn glättete, verdüsterte, verfinsterte, umwölkte sich
Falten auf der Stirn haben
die Adern auf seiner Stirn waren angeschwollen, traten hervor
eine Beule an, auf der Stirn haben
der kalte Schweiß trat ihm auf die Stirn, stand ihm auf der Stirn, lief ihm von der, über die Stirn
er wischte sich [Dativ] die Schweißtropfen von der Stirn
sich vor die Stirn schlagen
sich [Dativ] die Haare, das Haar aus der Stirn streichen
das Haar fiel ihm in die Stirn
den Hut, die Mütze in die Stirn ziehen, aus der Stirn schieben
er küsste sie auf die Stirn, strich ihr über die Stirn
umgangssprachlichsich [Dativ] mit der Hand an die Stirn greifen (= befremdet, erstaunt sein)
umgangssprachlichmit der Hand, dem Zeigefinger an die Stirn tippen (= drückt aus, dass man seinen Partner für verrückt hält)
übertragen
Beispiel:
den Feinden, Militaristen, der Korruption die Stirn bieten (= furchtlos entgegentreten, Widerstand entgegenhalten)
die Stirn zu etw. habendie Dreistigkeit, Unverfrorenheit zu etw. besitzen
Beispiele:
er hat die Stirn gehabt, zu behaupten, dass …
er besaß die Stirn, es abzustreiten
es stand ihm auf der Stirn geschrieben (= es war seinem Gesicht deutlich anzusehen), dass er etw. verheimlichte
der Leichtsinn war ihm auf die Stirn geschrieben
wir fragten uns, was wohl hinter seiner Stirn vorging (= was er dachte)
man konnte es ihr an der Stirn ablesen, was sie dachte
mit eiserner, eherner Stirn (= unerschütterlich) bot er den Widerwärtigkeiten Trotz
etw. mit eiserner, frecher Stirn (= dreist) behaupten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stirn · Stirnfläche · Stirnwand · engstirnig
Stirn f. ‘oberer Teil des Gesichts über den Augen’. Das nur im Dt. und Mnl. bezeugte Substantiv ahd. stirna (um 1100), mhd. stirne, mnd. stērn(e), mnl. stern(e) ist verwandt mit aengl. steornede ‘kühn’, außergerm. mit aind. stīrṇá- ‘ausgebreitet, hingestreut’, griech. stérnon (στέρνον) ‘Brust, Herz’, kymr. sarn ‘das Hingebreitete, Decke, Estrich’, aslaw. strana, russ. storoná (сторона) ‘Seite, Gegend’ und stellt sich mit ie. no-Suffix zu der unter streuen (s. d.) genannten Wurzel ie. *ster(ə)- ‘ausbreiten, (aus)streuen’, so daß für Stirn von ‘das Ausgebreitete, Fläche’ auszugehen ist. Dazu Wendungen wie die Stirn bieten ‘entgegentreten’ (17. Jh.), die Stirn (‘Frechheit, Kühnheit’) haben (18. Jh.); vgl. auch den aus der Übersetzung von lat. frōns ‘Stirn, Vorderseite, Fassade, vordere Linie des Heeres’ hervorgegangenen Gebrauch in der Militärsprache ‘Front, Spitze des Heeres’ (16. bis 18. Jh.), in der Architektur ‘vordere, dem Betrachter zugewandte Seite’ (16. Jh.). Stirnfläche f. ‘Vorder- oder Schmalseite’ eines Gegenstandes (17. Jh.), ‘Außenseite der menschlichen Stirn’ (19. Jh.). Stirnwand f. ‘Vorderfront’ von Gebäuden (18. Jh.), ‘Schmalseite, schmale Wand’ (19. Jh.). engstirnig Adj. ‘beschränkt’ (20. Jh.), anknüpfend an Stirn im Sinne von ‘geistige Kraft’.

Typische Verbindungen zu ›Stirn‹ (berechnet)

bieten bleich faltig fliehend gebieten gefaltet gefurcht gekraust gekräuselt gerunzelt gerötet gesenkt gewölbt glatt hochgewölbt kahl kraus kräuseln küssen legen reiben runzeln schweißnaß sorgenzerfurcht umwölkt verschwitzt wischen zerfurcht zusammengezogen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stirn‹.

Verwendungsbeispiele für ›Stirn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie griff nach meiner Hand, führte sie gegen ihre Stirn. [Neue Rundschau, 1971, Nr. 3, Bd. 82]
Damit wischst du dir von Zeit zu Zeit den Schweiß von der Stirn. [Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 16]
Trotzdem haben die Marxisten die Stirn, die Philosophie ihrer Gegner als »nicht objektiv« zu bezeichnen. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 2: Neuzeit und Gegenwart. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1952], S. 1975]
Zuvor mußte man jedoch einem neuen Sturm die Stirn bieten. [o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 1791]
Und wenn man uns fragen würde, ob wir gerade weg waren, ob wir gerade hypnotisiert waren, würden wir verständnislos die Stirn runzeln. [Die Zeit, 06.04.2000, Nr. 15]
Zitationshilfe
„Stirn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stirn>.

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