Stolle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Stolle · Nominativ Plural: Stollen
Aussprache [ˈʃtɔlə]
Worttrennung Stol-le
Wortbildung  mit ›Stolle‹ als Letztglied: Weihnachtsstolle
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Weihnachtsglossar.
ZDL-Verweisartikel

Bedeutung

D-Mittelost (Sachsen)
Synonym zu Stollen¹
Beispiele:
Kerzenschimmer, Tannengrün, Äpfel, Nüsse, Gänsebraten und Stolle – das alles gehört zu Weihnachten, aber auch wohlige Wärme, wenn es draußen stürmt und schneit, und natürlich festliche Besinnlichkeit. [Leipziger Volkszeitung, 13.12.2017]
Die Stolle von heute in ihrer orientalischen Üppigkeit mit Zitronat, Orangeat, Kardamom, Rosinen und Zucker ist eine Erfindung der Hofbäckerei der Residenz Schloss Hartenfels in Torgau im 17. Jahrhundert. Es war damals das absolute Luxusgebäck Europas, gedacht als Weihnachtsgeschenk des sächsischen Hofes an die adeligen Verwandten. […] [Süddeutsche Zeitung, 07.12.2016]
Am Karfreitag schnitt Mutti die letzte Stolle an, die seit Weihnachten auf dem Schlafzimmerschrank sorgfältig aufbewahrt worden war, und Papa holte die Osterkiste aus dem Keller. [Leipziger Volkszeitung, 19.04.2014]
Stollenliebhaber wissen: Wer Weihnachten eine wohlschmeckende Stolle essen will, darf nicht erst zu Nikolaus den Ofen anschmeißen. In Kathewitz wird der Backofen im altertümlichen Bauernhof bereits am 2. Oktober angeschmissen. [Leipziger Volkszeitung, 23.09.2011]
[…] morgens um eins […] werden auch Hefe‑ und Stollenteige vorbereitet, mit Rosinen und Früchten vermengt und stehen gelassen. Nach einer guten halben Stunde bei 170 bis 190 Grad Celsius verlassen die Stollen den Ofen und müssen dann – erneut – ihre Ruhe haben. Dann werden sie in Butter gebadet, in Zucker gewälzt, mit Puderzucker bestreut und können dann in den Verkauf. »Stolle ist kein Frischeprodukt, sondern wird durch die Lagerung bis Weihnachten immer besser«, sagt Marketingchef Gerd H[…]. [Schweriner Volkszeitung, 21.10.2008]
Den Teig nochmals gehen lassen, dann auf bemehltem Backbrett breit drücken, mit der bemehlten Hand eine Mulde in die Mitte drücken und zu der bekannten Stollenform zusammenschlagen. Die geformte Stolle wird auf gefettetem Blech, ohne sie noch einmal gehen zu lassen, in den heißen Ofen geschoben Noch warm, wird sie mit zerlassener Butter bestrichen oder mit Puderzucker bestreut. [Berliner Zeitung, 21.12.1951]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stollen · Stolle
Stollen m. ‘in einen Berg getriebener waagerechter Gang, brotförmiges Weihnachtsgebäck’, in älterer Sprache ‘Stütze, Pfosten, Säule’, ahd. stollo ‘Stütze, Pfosten’ (9. Jh.), mhd. stolle ‘Stütze, Gestell, Pfosten, Fuß, hervorragender Teil, Spitze’, (in der Bergmannssprache) ‘waagerechter Gang’, nhd. (mit Endungs-n aus den obliquen Kasus) Stollen, asächs. stollo ‘Gestell’, mnd. stolle ‘waagerechter Erzgang’ ist verwandt mit griech. stḗlē (στήλη) ‘Säule, Strebepfosten’ und steht ablautend mit (zu -ll- assimiliertem) n-Suffix wie Stall1 (s. d.) zur Wurzel ie. *stel- ‘stellen, aufstellen; stehend, unbeweglich, steif; Ständer, Pfosten, Stamm, Stiel’. Ausgehend von ‘tragender, stützender Pfosten’ (zur Absteifung der Grubendecke), entwickelt sich ‘vorgetriebener unterirdischer Gang’ (13. Jh., in der Bergmannssprache); aus dem Vergleich mit einem Pfosten, Klotz stammt die Verwendung des Wortes für ‘großer, brotförmiger Kuchen, Weihnachtsgebäck’ (18. Jh.), zuerst (wohl unter Einfluß von fem. Semmel) Stolle f. (14. Jh., omd.).
Zitationshilfe
„Stolle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stolle>, abgerufen am 26.07.2021.

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