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Strömung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Strömung · Nominativ Plural: Strömungen
Aussprache
WorttrennungStrö-mung
Wortbildung mit ›Strömung‹ als Erstglied: ↗Strömungsgeschwindigkeit · ↗Strömungskanal · ↗Strömungslehre · ↗Strömungsmesser · ↗Strömungsrichtung · ↗Strömungsverhältnis · ↗strömungsgünstig
 ·  mit ›Strömung‹ als Letztglied: ↗Gegenströmung · ↗Geistesströmung · ↗Grundströmung · ↗Hauptströmung · ↗Kulturströmung · ↗Linksströmung · ↗Literaturströmung · ↗Luftströmung · ↗Meeresströmung · ↗Modeströmung · ↗Tiefenströmung · ↗Windströmung · ↗Wärmeströmung · ↗Zeitströmung
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
strömende Bewegung großer Wassermengen
Beispiele:
eine starke, heftige, schwache Strömung
der Fluss hat eine reißende Strömung
sich mit der Strömung treiben lassen
das Boot wurde von der Strömung fortgerissen, mitgerissen, abgetrieben
gegen die Strömung schwimmen
mit allen Kräften, vergeblich gegen die Strömung ankämpfen
eine kalte, warme Strömung innerhalb des Meeres
2.
Richtung, Tendenz
Beispiele:
eine politische, soziale, soziologische, philosophische, literarische, kulturelle, religiöse Strömung
eine neue Strömung in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts
fortschrittliche, revolutionäre Strömungen
nationalistische Strömungen bekämpfen
kleinbürgerliche Strömungen überwinden
die heutigen, herrschenden Strömungen in der Mode
wenn man bedenkt, daß der Sozialismus eine Strömung von welthistorischer Bedeutung ist [Diggelm.Hinterlassenschaft208]
daß jetzt günstige Voraussetzungen für die Vereinigung aller demokratischen Strömungen zu einem politischen Bündnis heranreifen [Banaschak-VorholzerMensch337]
Die sogenannte Harzburger Front ... faßte die verschiedenen Strömungen der faschistischen Reaktion zusammen [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung9,101]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Strom · strömen · Strömung · Stromlinie · Stromlinienform
Strom m. ‘großer breiter Fluß, Strömung’, ahd. stroum (8. Jh.), mhd. stroum, strōm, strām ‘Fluß, Strömung’, asächs. strōm, mnd. strōm(e), mnl. nl. stroom, aengl. strēam, engl. stream, anord. straumr, schwed. ström (germ. *strauma-), Bildungen mit dem Suffix ie. -mo- gegenüber griech. rhé͞uma (ῥεῦμα) ‘das Fließen’, russ. (älter) strúmen’ (струмень) ‘Bach’, lett. straume ‘Strom’ mit dem Suffix ie. -men-; alle lassen sich mit aind. srávati ‘strömt, fließt’, griech. rhé͞in (ῥεῖν, aus *ῥεϜειν) ‘fließen, strömen’, lit. sravė́ti ‘gelinde fließen, rieseln, sickern’, aslaw. ostrovъ ‘Insel, Bach’, russ. óstrov (остров) ‘Insel’, eigentlich ‘Umflossenes’, verbinden und mit diesen auf ie. *sreu- ‘fließen’ zurückführen, eine Erweiterung der Wurzel ie. *ser(ə)- ‘strömen, sich rasch und heftig bewegen’, die in lat. serum (s. ↗Serum) und griech. hormā́n (ὁρμᾶν) (s. ↗Hormon) vorliegt. Die germ. (teilweise auch die slaw. und balt.) Formen zeigen t-Einschub zwischen s und r. Die im Mhd. bestehenden Vokalschwankungen (s. oben) setzen sich im Nhd. fort, bis sich im 17. Jh. Strom durchsetzt. Strom bedeutet zunächst ‘schnell fließendes Wasser’ ohne Beachtung seiner Größe, dann (frühnhd.) ‘großer Fluß mit starker Strömung’ (als Synonym neben Fluß), danach (18. Jh.) ‘großer breiter Fluß’ (ohne Berücksichtigung der Art seiner Strömung). Daneben bleibt bis ins 19. Jh. die Verwendung im Sinne von ‘Strömung’ erhalten. Seit dem 18. Jh. begegnet übertragener Gebrauch für eine ‘sich in einer Richtung bewegende Menschen- und Volksmenge’, in der Physik für die fließend vorgestellten magnetischen Kräfte bzw. galvanischen, elektrischen Ladungen. Allgemeinsprachlich steht Strom für ‘Elektrizität’. strömen Vb. ‘breit und gewaltig dahinfließen’ (16. Jh., geläufig erst seit dem 18. Jh.). Strömung f. ‘gleichmäßig fließende Bewegung des Wassers’ (Ende 17. Jh., geläufig gegen Ende des 18. Jhs.), übertragen ‘historisch bedingte geistige Grundhaltung, Einstellung oder Bewegung, Tendenz’ (Mitte 19. Jh.). Stromlinie f. ‘Stromverlauf’, in der Physik eine Linie, die den Verlauf einer Strömung angibt (19. Jh.). Stromlinienform f. Konstruktionsprinzip für Fahrzeuge zur besseren Überwindung des Reibungswiderstandes (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Lauf · ↗Strom · Strömung
Unterbegriffe
  • Brandungsrückstrom · Rippstrom · Rippströmung · ↗Trecker
  • thermohaline Zirkulation  ●  globales Förderband  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Lager · Strömung  ●  ↗Schule  ugs.
Unterbegriffe
  • Erlanger Schule · Erlanger Theologie · fränkische Erweckungstheologie
  • Wiener Schule · psychologische Schule · Österreichische Grenznutzenschule · Österreichische Schule
  • Sufismus  ●  Sufik  veraltet · Sufitum  veraltet
  • geschichtliche Schule der Rechtswissenschaft · historische Rechtsschule
  • Dschihadismus · Jihadismus
Synonymgruppe
Bewegung · ↗Initiative · Strömung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Islam Judentum abtreiben antisemitisch avantgardistisch extremistisch fundamentalistisch gegenläufig gegensätzlich geistig gesellschaftlich islamistisch laminar liberal literarisch mitreißen modisch nationalistisch pazifistisch philosophisch populistisch radikal rechtsradikal reißend religiös stark turbulent tückisch unterschiedlich verschieden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Strömung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die Strömung riß ihm das blondgelockte Mädchen aus den Armen.
Die Welt, 13.01.2005
Es habe immer verschiedene Strömungen gegeben, die ihre Interessen gegenseitig austarieren mussten.
Der Tagesspiegel, 10.06.2001
Die meisten Künstler knüpften an die vielfältigen Strömungen vor 1936 an.
o. A.: Lexikon der Kunst - G. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 15958
Bewirkt wurden diese Veränderungen durch die wechselnden Strömungen der politischen Lage.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 383
Da konnte er sich der damals herrschenden Strömung gegenüber nicht wohl fühlen.
Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, Eine nicht vollendete Autobiographie. In: Oliver Simons (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 31107
Zitationshilfe
„Strömung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Strömung>, abgerufen am 23.02.2019.

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