Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Strömung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Strömung · Nominativ Plural: Strömungen
Aussprache 
Worttrennung Strö-mung
eWDG

Bedeutungen

1.
strömende Bewegung großer Wassermengen
Beispiele:
eine starke, heftige, schwache Strömung
der Fluss hat eine reißende Strömung
sich mit der Strömung treiben lassen
das Boot wurde von der Strömung fortgerissen, mitgerissen, abgetrieben
gegen die Strömung schwimmen
mit allen Kräften, vergeblich gegen die Strömung ankämpfen
eine kalte, warme Strömung innerhalb des Meeres
2.
Richtung, Tendenz
Beispiele:
eine politische, soziale, soziologische, philosophische, literarische, kulturelle, religiöse Strömung
eine neue Strömung in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts
fortschrittliche, revolutionäre Strömungen
nationalistische Strömungen bekämpfen
kleinbürgerliche Strömungen überwinden
die heutigen, herrschenden Strömungen in der Mode
wenn man bedenkt, daß der Sozialismus eine Strömung von welthistorischer Bedeutung ist [ Diggelm.Hinterlassenschaft208]
daß jetzt günstige Voraussetzungen für die Vereinigung aller demokratischen Strömungen zu einem politischen Bündnis heranreifen [ Banaschak-VorholzerMensch337]
Die sogenannte Harzburger Front … faßte die verschiedenen Strömungen der faschistischen Reaktion zusammen [ Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung9,101]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Strom · strömen · Strömung · Stromlinie · Stromlinienform
Strom m. ‘großer breiter Fluß, Strömung’, ahd. stroum (8. Jh.), mhd. stroum, strōm, strām ‘Fluß, Strömung’, asächs. strōm, mnd. strōm(e), mnl. nl. stroom, afries. strām, aengl. strēam, engl. stream, anord. straumr, schwed. ström (germ. *strauma-), Bildungen mit dem Suffix ie. -mo- gegenüber griech. rhé͞uma (ῥεῦμα) ‘das Fließen’, russ. (älter) strúmen’ (струмень) ‘Bach’, lett. straume ‘Strom’ mit dem Suffix ie. -men-; alle lassen sich mit aind. srávati ‘strömt, fließt’, griech. rhé͞in (ῥεῖν, aus *ῥεϝειν) ‘fließen, strömen’, lit. sravė́ti ‘gelinde fließen, rieseln, sickern’, aslaw. ostrovъ ‘Insel, Bach’, russ. óstrov (остров) ‘Insel’, eigentlich ‘Umflossenes’, verbinden und mit diesen auf ie. *sreu- ‘fließen’ zurückführen, eine Erweiterung der Wurzel ie. *ser(ə)- ‘strömen, sich rasch und heftig bewegen’, die in lat. serum (s. Serum) und griech. hormā́n (ὁρμᾶν) (s. Hormon) vorliegt. Die germ. (teilweise auch die slaw. und balt.) Formen zeigen t-Einschub zwischen s und r. Die im Mhd. bestehenden Vokalschwankungen (s. oben) setzen sich im Nhd. fort, bis sich im 17. Jh. Strom durchsetzt. Strom bedeutet zunächst ‘schnell fließendes Wasser’ ohne Beachtung seiner Größe, dann (frühnhd.) ‘großer Fluß mit starker Strömung’ (als Synonym neben Fluß), danach (18. Jh.) ‘großer breiter Fluß’ (ohne Berücksichtigung der Art seiner Strömung). Daneben bleibt bis ins 19. Jh. die Verwendung im Sinne von ‘Strömung’ erhalten. Seit dem 18. Jh. begegnet übertragener Gebrauch für eine ‘sich in einer Richtung bewegende Menschen- und Volksmenge’, in der Physik für die fließend vorgestellten magnetischen Kräfte bzw. galvanischen, elektrischen Ladungen. Allgemeinsprachlich steht Strom für ‘Elektrizität’. Vom Substantiv abgeleitet strömen Vb. ‘breit und gewaltig dahinfließen’ (16. Jh., geläufig erst seit dem 18. Jh.). Strömung f. ‘gleichmäßig fließende Bewegung des Wassers’ (Ende 17. Jh., geläufig gegen Ende des 18. Jhs.), übertragen ‘historisch bedingte geistige Grundhaltung, Einstellung oder Bewegung, Tendenz’ (Mitte 19. Jh.). Stromlinie f. ‘Stromverlauf’, in der Physik eine Linie, die den Verlauf einer Strömung angibt (19. Jh.). Stromlinienform f. Konstruktionsprinzip für Fahrzeuge zur besseren Überwindung des Reibungswiderstandes (20. Jh.).

Thesaurus

Geografie
Synonymgruppe
Lauf · Strom · Strömung
Unterbegriffe
  • Brandungsrückstrom · Rippstrom · Rippströmung · Trecker
  • thermohaline Zirkulation  ●  globales Förderband ugs.
  • Japanstrom  ●  Kuroshio japanisch
Assoziationen
Synonymgruppe
Lager (ideengeschichtlich, politisch) · Strömung  ●  Schule  ugs.
Unterbegriffe
  • Erlanger Schule · Erlanger Theologie · fränkische Erweckungstheologie
  • Wiener Schule · psychologische Schule · Österreichische Grenznutzenschule · Österreichische Schule
  • Sufismus  ●  Sufik veraltet · Sufitum veraltet
  • geschichtliche Schule der Rechtswissenschaft · historische Rechtsschule
  • Dschihadismus · Jihadismus
  • (die) Frankfurter Schule · (die) Kritische Theorie
Assoziationen
Politik
Synonymgruppe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Strömung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Strömung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Strömung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bewirkt wurden diese Veränderungen durch die wechselnden Strömungen der politischen Lage. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 383]
Wie sie es so von ihrem Leben gewohnt war, ließ sie sich von der Strömung treiben. [Klabund: Kunterbuntergang des Abendlandes. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922], S. 10449]
In vielen Fällen kann man mit Nutzen rein experimentelle Methoden zur Gewinnung der reibungsfreien Strömung verwenden. [Eck, Bruno: Technische Strömungslehre, Berlin: Springer 1941, S. 49]
Mit der neuen literarischen Strömung verbindet sich die buchgewerbliche Bewegung. [Schulze, Friedrich: Der Deutsche Buchhandel und die geistigen Strömungen der letzten hundert Jahre. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925], S. 8927]
Zwar ist seit 1999 die Nationale Front in verschiedene Strömungen zerfallen. [Die Zeit, 02.03.2000, Nr. 10]
Zitationshilfe
„Strömung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Str%C3%B6mung>.

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