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Strapaze, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Strapaze · Nominativ Plural: Strapazen
Aussprache 
Worttrennung Stra-pa-ze
Wortbildung  mit ›Strapaze‹ als Erstglied: strapazenreich · strapazieren  ·  mit ›Strapaze‹ als Letztglied: Reisestrapaze  ·  mit ›Strapaze‹ als Grundform: strapaziös
Herkunft aus strapazzoital ‘Abarbeitung, Quälerei, schlechte Behandlung’
eWDG

Bedeutung

sehr große, besonders körperliche Anstrengung
Beispiele:
große, harte, unmenschliche Strapazen
psychische, körperliche Strapazen
die Strapazen der langen Reise, des Berufes
Strapazen erleiden, auf sich nehmen, ertragen, aushalten, überstehen
jmd. scheut keine Strapazen
den Strapazen (nicht) gewachsen sein
durch, von Strapazen erschöpft, ermüdet sein
sich von den Strapazen erholen
dieses Wochenende war keine Erholung, sondern eine Strapaze
die fünf Stunden Infanteriedienst [wurden] zu einer Strapaze [ NollHolt1,416]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Strapaze · strapazieren · strapaziös
Strapaze f. ‘große Anstrengung’, entlehnt (17. Jh.) aus ital. strapazzo m. ‘Abarbeitung, Quälerei, schlechte Behandlung’, zu ital. strapazzare ‘mißhandeln, schlecht behandeln, pfuschen’, dessen Herleitung unsicher ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann man in dem ital. Verb eine Bildung mit steigerndem ital. stra- ‘überaus, äußerst’ (lat. extrā ‘außerhalb’) zum Präsensstamm des Verbs lat. patī ‘(er)dulden, sich gefallen lassen, hinnehmen, (er)leiden’ sehen. Im Dt. ist Strapatz, dem Ital. folgend, zunächst Mask., seit dem 18. Jh., vielleicht unter Einfluß von Anstrengung, Mühe, Qual, gilt fem. Genus. strapazieren Vb. ‘sehr beanspruchen’, (reflexiv) ‘sehr anstrengen, sich abarbeiten’ (17. Jh.), ital. strapazzare. strapaziös Adj. ‘sehr anstrengend’ (19. Jh.), französierende Bildung zu Strapaze, wohl nach gleichbed. ital. strapazzoso.

Thesaurus

Synonymgruppe
Agonie · Pein · Qual · Quälerei · Strapaze · Tortur  ●  Hölle  ugs.
Synonymgruppe
Knochenarbeit · Knochenjob · Quälerei · Schinderei · Schufterei · Schwerarbeit · Schwerstarbeit · Strapaze · harte körperliche Arbeit · schwere Arbeit  ●  Kärrnerarbeit  fig. · Sklavenarbeit  fig. · Sträflingsarbeit  fig. · Tortur  fig. · Arbeit für jemanden, der Vater und Mutter erschlagen hat  ugs., fig. · Maloche  ugs. · Mühsal  geh., veraltend · Plackerei  ugs. · Plagerei  ugs. · Rackerei  ugs. · Schlauch  ugs. · Steine klopfen  derb, fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Herkulesaufgabe · Mammutaufgabe · harte Arbeit · hartes Stück Arbeit · viel Arbeit  ●  Heidenarbeit  ugs. · Mordsarbeit  ugs.
  • Sklavenarbeit · Zwangsarbeit
  • Drecksarbeit · schmutzige Arbeit
  • (sich) (mächtig) ins Geschirr legen · (sich) (mächtig) ins Zeug legen · arbeiten wie ein Pferd · bis zur Erschöpfung arbeiten · rackern · schwer arbeiten · viel arbeiten · werken  ●  (sich) in die Sielen legen  veraltet · hart arbeiten  Hauptform · (schwer) am Wirken sein  ugs., regional · (sich) abfretten  ugs., süddt. · (sich) fretten  ugs. · ackern  ugs. · ackern wie 'ne Hafendirne  ugs. · ackern wie ein Hafenkuli  ugs. · hackeln  ugs., österr. · keulen  ugs., ruhrdt., regional · malochen  ugs. · nicht kleckern, sondern klotzen  ugs. · plockern  ugs., regional · rabotten (regional, teilw. veraltet)  ugs. · ranklotzen  ugs. · reinhauen  ugs. · reinklotzen  ugs. · roboten  ugs. · rödeln  ugs. · schaffe, schaffe, Häusle baue  ugs., schwäbisch, Spruch · schuften  ugs. · schwer zugange sein  ugs., ruhrdt. · werkeln  ugs. · wullachen  ugs., ruhrdt. · wullacken  ugs., ruhrdt.
  • Fron · Fronarbeit · Frondienst  ●  Robath  bayr. · Robot  österr. · Robote  österr.
Synonymgruppe
(über)große Anstrengung · Mühsal · Schinderei · Strapaze · Überanstrengung  ●  Tortur  fig. · Quälerei  ugs. · Schlauch  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Strapaze‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Strapaze‹.

Verwendungsbeispiele für ›Strapaze‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nichts schrieb ich von den Strapazen, den Kämpfen, den Toten. [Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 54]
Gestern waren alle Gelenke noch beweglich, wenn auch zu wenig straff für große Strapazen. [Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 160]
Derartige Lektüre kann sich bisweilen als recht anstrengend erweisen, doch dürften die gewonnenen Erkenntnisse letztendlich für die Strapazen entschädigen. [C't, 1992, Nr. 2]
Mit einem Mal waren alle Strapazen vergessen, die vor allem die atemberaubenden letzten Minuten gekostet hatten. [Die Zeit, 01.05.2013 (online)]
Die mündliche Agitation war früher oft mit großen Strapazen verbunden, namentlich wenn abgelegene Orte bearbeitet werden sollten. [Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 2. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 1506]
Zitationshilfe
„Strapaze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Strapaze>.

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