Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Streber, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Strebers · Nominativ Plural: Streber
Aussprache 
Worttrennung Stre-ber (computergeneriert)
Wortzerlegung streben -er
Wortbildung  mit ›Streber‹ als Erstglied: Strebernatur · Streberseele · Strebertum · streberhaft · streberisch
eWDG

Bedeutung

abwertend jmd., der mit Fleiß und Ehrgeiz, dabei aber ohne Rücksicht auf das Kollektiv, nur auf das eigene Fortkommen in Schule oder Beruf hinarbeitet
Beispiele:
jmd. ist ein gewissenloser, gemeiner, widerlicher Streber
so ein Streber!
zum Beispiel bemühe ich mich, auf der Universität nicht als Streber zu gelten [ NossackSpirale95]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streben · Strebe · verstreben · Strebebogen · Strebepfeiler · Streber · strebsam · widerstreben
streben Vb. ‘auf eine körperliche oder geistige Vorwärtsbewegung gerichtet sein, seine Bemühungen auf etw. richten, wonach trachten’. Das nur im Dt. und Nl. bezeugte schwache Verb ahd. streben, strebōn ‘sich regen, bewegen’ (11. Jh.), mhd. streben (md. auch streven) ‘sich heftig bewegen, zappeln, Widerstand leisten, sich aufrichten, abmühen, kämpfen, starren, steif sein, strotzen’, mnd. strēven ‘zappeln, sich bewegen, sich bemühen, starr in eine Richtung weisen, sich auflehnen’, mnl. strēven ‘nach etw. trachten, sich widersetzen’, nl. streven steht deverbativ neben einem resthaft belegten gleichbed. stark flektierenden Verb mhd. *strīben (vgl. bezeugtes strep, gestreben) und wahrscheinlich nl. (älter) strijven ‘streben, streiten’. Verwandt ist das Adjektiv mnd. strif ‘angespannt, steif, starr’, stref ‘straffgespannt, fest angezogen (von Sehnen), starr, steif’. Vergleichbar ist griech. striphnós (στριφνός) ‘dicht, fest, hart’, so daß auf eine Labialerweiterung ie. *strē̌ibh- der unter starren (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’ zurückgegangen werden kann. Möglicherweise sind im Verb streben zwei ursprünglich getrennte, wenn auch zu einer Wurzel gehörende Bildungen zusammengefallen, die sich in älterer Zeit nach ihren Bedeutungen trennen lassen; einmal ‘starren, steif sein, emporragen’ (bis 15. Jh.), dem Adjektiv mnd. strif, stref (s. oben) nahestehend, zum anderen ‘(sich) regen, bewegen’ auf ein ursprünglich räumliches Ziel zu, auch gegen Widerstand, bereits früh (mhd. beginnend) übertragen auf Gedanken und willensbestimmte Handlungen. Strebe f. ‘Stützpfeiler, Querbalken’ (16. Jh.), anfangs ‘schräge Neigung von Wand- und Mauerflächen’; vgl. mhd. widerstrebe ‘Widerstand’. verstreben Vb. ‘mit Stützbalken versehen’ (19. Jh.), von Strebe abgeleitet. Unabhängig davon mhd. verstreben ‘strebend überwinden’. Strebebogen m. ‘bogenförmige Stütze’ (16. Jh.), in gotischen Kirchen ‘frei schwebender Bogen, der den Schub vom Mittelschiff zu den Strebepfeilern des Seitenschiffs herableitet’ (19. Jh.). Strebepfeiler m. ‘Stützpfeiler’ (15. Jh.). Streber m. ‘wer sich um ein Ziel bemüht’ (18. Jh.), meist abschätzig ‘Ehrgeizling’, vor allem in der Schülersprache (19. Jh.), älter ‘(Wider)streiter’ (16. Jh.). strebsam Adj. ‘beharrlich und fleißig ein Ziel verfolgend’ (Anfang 19. Jh.). zielstrebig Adj. ‘sich um ein bestimmtes Ziel bemühend, zweckgerichtet’ (19. Jh.). widerstreben Vb. ‘Widerstand leisten, sich sträuben, zuwider sein’, mhd. widerstreben.

Thesaurus

Synonymgruppe
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
Hochkaräter · Klassenbester · Klassenerster · Klassenprimus · Lehrers Liebling · Musterknabe · Musterschüler · Primus  ●  Streber  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Streber‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Streber‹.

Verwendungsbeispiele für ›Streber‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mach Deine Arbeit gewissenhaft, nach besten Kräften, aber sei kein Streber. [Martin, Hans: Darf ich mir erlauben ...?, Stuttgart: Hädecke 1935, S. 26]
Und er war fürwahr kein »Streber«, wenn er auch mit aller Kraft bestrebt war, vorwärts zu kommen. [Voß, Ernst: Lebenserinnerungen und Lebensarbeit des Mitbegründers der Schiffswerft von Blohm & Voß. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1924], S. 8710]
Streber – im negativen Sinn des Wortes werden bei uns überhaupt nicht genommen. [Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11]
Nun, die Streber von damals werden es auch heute beantworten können. [Süddeutsche Zeitung, 22.11.2003]
Schule war wohl noch nie Ihr Ding – Sie sind einfach kein Streber. [Süddeutsche Zeitung, 11.07.2003]
Zitationshilfe
„Streber“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Streber>.

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