Streitmacht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Streitmacht · Nominativ Plural: Streitmächte · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [ˈʃtʀaɪ̯tmaχt]
Worttrennung Streit-macht
Wortzerlegung streitenMacht
Wortbildung  mit ›Streitmacht‹ als Letztglied: ↗Atomstreitmacht · ↗Landstreitmacht · ↗Luftstreitmacht · ↗Seestreitmacht
eWDG und ZDL

Bedeutung

Gesamtheit der Streitkräfte eines Staates
siehe auch StreitkraftWDG
Kollokationen:
mit Genitivattribut: die [größte] Streitmacht der Welt
Beispiele:
Nordkorea mag auf dem Papier 1,2 Millionen Mann unter Waffen halten, aber nur ein Bruchteil der konventionellen Streitmacht ist einsetzbar. [Süddeutsche Zeitung, 09.12.2017]
Die Türkei besitzt zwar die zweitstärkste Streitmacht der Nato – Russland aber ist eine militärische Weltmacht. [Die Welt, 29.02.2020]
Die SPD‑Verteidigungspolitiker plädieren für eine 28. Streitmacht der EU – die parallel zu nationalen Truppen aufgebaut werden soll [Überschrift] [Welt am Sonntag, 23.02.2020]
Die Nato als Bündnis bleibt, solange alle Mitglieder ihren zumutbaren Beitrag leisten, stark und abwehrbereit genug. Eine Streitmacht, die in vielerlei Hinsicht unter dem nötigen Minimum an Ausstattung liegt, leistet diesen aber gerade nicht. [Süddeutsche Zeitung, 21.02.2018]
»Der einzige Weg zur Verteidigung der Souveränität unseres Volkes und seines Existenzrechts in der jetzigen Extremsituation ist, die atomare Streitmacht (= die Gesamtheit der atomaren Streitkräfte) in Qualität und Quantität auszubauen«, wurde Kim [Jong-un] weiter zitiert. [Die Zeit, 04.03.2016 (online)]
Die Regierung will durch das Gesetz eine nukleare Streitmacht (= die Gesamtheit der nuklearen Streitkräfte) schaffen, um de Gaulles außenpolitische Pläne zu unterstützen und den Rang einer rechten Großmacht zu erringen. [Berliner Zeitung, 29.09.1960]
Bei dem Einfall in Deutschland im Jahre 1430 sollen alle hussitischen Heere, die ganze böhmische Streitmacht, beisammen gewesen sein; ebenso war es 1431 bei Tauß die böhmische Gesamtmacht, vor der das Kreuzheer die Flucht ergriff. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte – Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 3052]
Als die Sowjetunion zusammenbrach, fiel der Ukraine eine der größten Streitmächte der Welt zu, rund 700.000 Soldaten und viel schwere Technik. [Der Spiegel, 16.04.2014 (online)] ungewöhnl. Pl.
metonymisch Ansammlung, Abteilung schlagkräftiger Kampftruppen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine multinationale, multilaterale, schlagkräftige Streitmacht
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Streitmacht zur Überwachung [des Friedens], zur Verteidigung, von [5.000] Mann, unter Führung [der Vereinten Nationen]
als Akkusativobjekt: eine Streitmacht aufbauen, aufstellen, zusammenziehen, unterhalten, entsenden, schicken
in Präpositionalgruppe/-objekt: über eine Streitmacht [von 5.000 Mann] verfügen; sich an einer [multinationalen] Streitmacht beteiligen
Beispiele:
der Gegner griff mit einer großen Streitmacht anWDG
Nach dem Vorbild der EU‑Grenzschutzagentur Frontex, die vom EU‑Parlament für den Aufbau einer 1.500 Mann starken, stehenden Truppe mandatiert ist, soll eine zunächst vergleichbar große Streitmacht in Brigadestärke ins Leben gerufen werden, die mit der Fähigkeit zu schneller Krisenintervention ausgestattet wird. [Welt am Sonntag, 23.02.2020]
Die Schreckensherrschaft im Kongo beruhte auf Leopolds Streitmacht, der Force publique, einer Armee von Söldnern, die als Besatzer und Polizei auftrat. [Die Welt, 29.02.2020]
Eine internationale Streitmacht unter Führung Frankreichs unterstützte ab Mitte Jänner (= Januar) die Armee Malis beim militärischen Zurückdrängen der Rebellen, vor allem in das Bergland im Norden. [Der Standard, 27.07.2013]
Thibron gewann Priëne, Magnesia und andere Orte und brachte seine Streitmacht auf 8.000 Mann, mit denen er in alter Weise, sorglos im vollen Gefühl seiner taktischen Überlegenheit, das Feindesland verheerte. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. V. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 21879]
Das Abkommen enthält folgende 7 Punkte: […] 4. endgültige Einstellung von Raketen‑ und Artilleriebeschuß, 5. Rückzug beider Streitmächte zur Verhinderung von Zusammenstößen, […]. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1973]] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streiten · abstreiten · bestreiten · umstritten · Streit · Streitaxt · Streitwagen · Streitmacht · Streitfall · Streitschrift · Streithammel · streitbar · streitig · strittig · Streitigkeit
streiten Vb. ‘sich mit Worten auseinandersetzen, kämpfen’. Das starke Verb ahd. strītan ‘sich im Meinungsstreit auseinandersetzen, einen Rechtsstreit führen, zanken, bewaffnet kämpfen’, (selten) ‘wetteifern’ (8. Jh.), mhd. strīten, vor allem ‘bewaffnet kämpfen’, auch ‘streben, trachten’, mnd. (stark und schwach) strīden ‘streiten’, (schwach) ‘große Schritte machen’, mnl. strīden, nl. strijden, afries. strīda ‘streiten’, aengl. strīdan ‘schreiten, spreizen’, engl. to stride ‘schreiten, große Schritte machen’, schwed. (stark und schwach) strida ‘kämpfen, streiten’ (germ. *streidan) hat neben sich das schwache Verb asächs. strīdian ‘streiten, bestreiten’, anord. strīða ‘plagen, Schaden zufügen’ sowie das unten dargestellte Substantiv Streit und anord. strīðr ‘hart, stark, hartnäckig, widerspenstig’, (mit anderer Ablautstufe) streitask ‘sich anstrengen, kämpfen’, strita ‘angestrengt ziehen, sich plagen’. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Ausgehend von einer Bedeutung ‘sich starrsinnig, widerspenstig, hartnäckig verhalten’, läßt sich ie. *strē̌idh- ansetzen, Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’ (s. ↗starren). Die Verwendung im Sinne von ‘schreiten, große Schritte machen’ entwickelt sich vielleicht unter Einfluß von ↗schreiten (s. d.; vgl. Seebold 476). abstreiten Vb. ‘im (Rechts)streit, im Kampf abgewinnen, streitig machen, hartnäckig absprechen, aberkennen’, seit dem 18. Jh. vor allem ‘in Abrede stellen, leugnen’, mhd. abestrīten ‘im (Rechts)streit, Kampf abgewinnen’. bestreiten Vb. ‘(eine Meinung, eine Behauptung) anfechten, angreifen’, mhd. bestrīten ‘bekämpfen’; seit dem 17. Jh. ‘die Kosten, den Aufwand tragen’, entwickelt aus ‘einer Sache gewachsen sein, sie bewältigen’. umstritten Part.adj. ‘dem Streit der Ansprüche, der Meinungen unterliegend, umkämpft, zweifelhaft’ (19. Jh.). Streit m. ‘Meinungs-, Rechtsauseinandersetzung, Hader, Zerwürfnis innerhalb einer Gemeinschaft’, ahd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (über Meinungen oder rechtliche Dinge), Konflikt, Hader, tätlicher Kampf, Wettkampf, Empörung, Aufruhr’ (8. Jh.), mhd. mnd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (vor Gericht) oder mit Waffen, innerer Kampf, Widerstand, Streitmacht, Heeresabteilung, Schlachtordnung, Rache, Streben’, asächs. strīd ‘Streit, Eifer’, mnl. strijt, nl. strijd, anord. strīð, schwed. strid. In den oben angegebenen Bedeutungen ist Streit vor allem seit dem 19. Jh. gebräuchlich, nachdem älterer Gebrauch im Sinne von ‘Auseinandersetzung mit Waffen, Waffengang’ gegen Ende des 18. Jhs. von Kampf übernommen wird. Den alten Sinn bewahren Streitaxt f. ‘als Hieb- oder Wurfwaffe verwendete Axt’, spätmhd. (omd.) strīthax (um 1400); redensartlich die Streitaxt begraben ‘Frieden schließen’ (19. Jh.); Streitwagen m. ‘mit Kriegern besetzter Kampfwagen’ (15. Jh.) und Streitmacht f. ‘Kampfkraft eines bewaffneten Verbandes, kampfbereite Truppe’ (18. Jh.). Streitfall m. ‘Konflikt’ (rechtssprachlich, 19. Jh.). Streitschrift f. ‘polemische Abhandlung über religiöse, politische, wissenschaftliche Fragen’ (17. Jh.). Streithammel m. ‘zänkischer Mensch’ (um 1800). streitbar Adj. ‘kriegerisch, zu Polemik und Auseinandersetzung neigend’, mhd. strītbære ‘streithaft, zum Kampf dienlich oder gerüstet’. streitig Adj. ‘uneins, umstritten’, ahd. strītīg (um 1000), mhd. strītec, strītic ‘streithaft, kampflustig, streitsüchtig, rechthaberisch, ungestüm, ungehorsam, eifrig, strebend’; jmdm. etw. streitig machen ‘anfechten’ (16. Jh.). strittig Adj. ‘umstritten, uneins, streitsüchtig’ (15. Jh.). Streitigkeit f. ‘Konflikt, Uneinigkeit, Zank’ (16. Jh.).

Thesaurus

Militär
Synonymgruppe
Armee · ↗Militär · Streitkräfte · Streitmacht · ↗Truppe · ↗Wehr  ●  ↗Barras  ugs. · schimmernde Wehr (heute ironisierend oder distanzierend)  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Streitmacht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Streitmacht‹.

Zitationshilfe
„Streitmacht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Streitmacht>, abgerufen am 11.04.2021.

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