Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Strenge, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Strenge · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Stren-ge
Wortbildung  mit ›Strenge‹ als Letztglied: Sittenstrenge · Tugendstrenge
eWDG

Bedeutungen

1.
das Strengsein, der Mangel an Nachsicht, an Milde
a)
strenge Einstellung gegenüber sich selbst oder gegenüber seinen Mitmenschen, besonders in Erziehungsfragen
Beispiele:
Strenge walten lassen, gegen sich selbst üben
ihre Großeltern haben es an Strenge fehlen lassen
die Kinder mit unnachsichtiger, übergroßer Strenge erziehen
mit mütterlicher Strenge ermahnte sie alle Knaben [ H. MannJugend Henri Quatre6,37]
b)
in Wort und Miene zum Ausdruck gebrachtes, abweisendes Verhalten, Unerbittlichkeit
Beispiele:
jmdn. mit, voller Strenge ansehen
»Du wirst dich noch viel mehr schämen müssen«, sagte der Domherr mit milder Strenge [ BahrHimmelfahrt255]
c)
entschiedene, keine Ausnahme duldende Härte und Bestimmtheit einer Forderung, einer Regel
Beispiele:
die Strenge einer Vorschrift, Diät
die volle, ganze Strenge des Gesetzes gegen jmdn. richten, anwenden
die Gesetze mit äußerster Strenge handhaben
er wurde nach der Strenge des Gesetzes bestraft
d)
Härte bei der Durchführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Handlung
Beispiele:
die Strenge einer Strafe
mit äußerster Strenge einschreiten, durchgreifen
2.
Genauigkeit, Striktheit, Konsequenz
a)
sorgfältige, genau der Vorschrift entsprechende Regelung
Beispiele:
die Strenge seines Lebenswandels
In der klösterlichen Strenge eines gutbürgerlichen Hauses um die Wende des neunzehnten Jahrhunderts [ SteinbergUhren122]
b)
wissenschaftliche Exaktheit
Beispiele:
die Strenge einer Untersuchungsmethode, Darstellung
die für den Mathematiker verbindliche Strenge der Begriffsbildung
c)
schlichte und herbe Straffheit, Klarheit der Linienführung, der Komposition
Beispiele:
die Strenge eines Raumes, Bauwerks, Stils
die klassische Strenge eines Kunstwerks
die Grünflächen des Parks waren in geometrischer Strenge angeordnet
ein Seidenschal im Ausschnitt lockert die Strenge des Kostüms etwas auf
3.
Herbheit der äußeren Erscheinung
Beispiel:
die Strenge ihres Gesichts, ihrer Züge
4.
Herbheit, Penetranz des Geruchs, Geschmacks
Beispiel:
die Strenge der Soße wird durch Hinzufügen von saurer Sahne gemildert
5.
Härte, Schärfe, Rauheit kalter Witterung
Beispiele:
die Strenge des Frostes
der Winter kam mit eisiger Strenge
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streng · Strenge · anstrengen
streng Adj. ‘hart, unnachsichtig, herb, beißend (von Geruch und Geschmack)’. Das im Germ. teils als a/ō-Stamm (germ. *stranga-), teils als Umlaut bewirkender ja/jō-Stamm (germ. *strangija-) belegte Adjektiv ahd. strengi (8. Jh.), mhd. strenge, strange ‘stark, gewaltig, tapfer, hart, unfreundlich, herb, unerbittlich, schwierig’, asächs. strang, mnd. strenge, auch ‘nicht biegsam, starr’, mnl. stranc, strenghe, nl. strang, streng, aengl. strong, strang, strenge, engl. strong, anord. strangr, schwed. sträng gehört zu der unter Strang (s. d.) dargestellten Wortgruppe. Als Ausgangsbedeutung der dt. Entwicklung ist ‘stark, kampftüchtig, tapfer’ anzusetzen. Aus ‘stark’ entwickelt sich einerseits steigerndes ‘sehr’, andererseits charakterisierendes ‘grimmig, hart, beschwerlich, schwierig, unnachgiebig (von zu bearbeitenden Gegenständen)’ sowie durch Übertragung auf Fessel, Kleidung u. ä. ‘straff, eng, knapp’. Die im modernen Dt. vorherrschende Bedeutung ‘(erzieherisch) hart, unnachsichtig’ steht im Anschluß an ‘grimmig, unnachgiebig’ wie auch ‘peinvoll’ von Strafe und Urteil, dann übertragen auf den Strafenden, den Richter, den Erzieher. Strenge f. ‘Härte, Unnachsichtigkeit’, ahd. strengī (8. Jh.), mhd. strenge ‘Stärke, Tapferkeit, Härte, Beschwerlichkeit’. anstrengen Vb. ‘stark beanspruchen, ermüden’, (reflexiv) ‘sich mühen, hart arbeiten’, in älterer Zeit ‘nachdrücklich bitten, bedrängen, etw. mit Nachdruck betreiben, gerichtlich belangen’ (15. Jh.), vgl. einen Prozeß, eine Klage anstrengen (17. Jh.), zu ahd. strengen ‘stark machen’ (8. Jh.), mhd. strengen, auch ‘kräftig ausüben, verkürzen, abstumpfen, bedrängen, belästigen, strecken, richten nach, sich sträuben’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(übertriebene) Strenge · Härte · Rigorismus
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Strenge‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Strenge‹.

Verwendungsbeispiele für ›Strenge‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist schwer, Strenge mit dem fröhlichen Charakter des Festes zu vereinbaren. [Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 206]
Aber die eigene Strenge gegen den Sohn, die daraus folgte, stieß seinen Ältesten von ihm. [Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 365]
Er wird zwar in der konkreten Lage von der Strenge des Gesetzes nachlassen müssen. [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 292]
In der Strenge dieses ihres Verständnisses ist sie wesensmäßig lutherisch. [Wolf, Ernst: Bekenntnisschriften. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 29031]
Wenn Eure Hände jedoch beschmutzt sind, dann wird Euch die ganze Strenge des Gesetzes treffen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1979]]
Zitationshilfe
„Strenge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Strenge>.

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