Streu, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Streu · Nominativ Plural: Streuen
Aussprache 
Grundform streuen
Wortbildung  mit ›Streu‹ als Letztglied: ↗Katzenstreu · ↗Laubstreu · ↗Reisigstreu · ↗Tierstreu · ↗Torfstreu · ↗Waldstreu · ↗Winterstreu
eWDG, 1976

Bedeutung

auf den Boden gestreutes Material, besonders Stroh, Laub, das als Bodenbelag im Stall oder als provisorische Liegestatt dient
Beispiele:
den Pferden, Kühen frische Streu geben
Sägespäne als Streu verwenden
jmdm., sich [Dativ] eine Streu machen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streuen · Streu · Streusel · zerstreuen · zerstreut · Zerstreuung · Zerstreutheit
streuen Vb. ‘werfend gleichmäßig ausbreiten’, ahd. strewen, strouwen (8. Jh.), mhd. strewen, ströuwen, ströun, strouwen, streun ‘niederstrecken, zu Boden werfen, (aus)streuen, -schütten, vergießen, ausbreiten, zerstreuen, verbreiten, bedecken’, asächs. strōian, streuwian, mnd. ströu(w)en, mnl. strōien, strouwen, nl. strooien, afries. strēwa, aengl. strewian, streowian, engl. to strew, anord. strā (statt *streyja, Neubildung zum schwach gebildeten Prät. strāða), schwed. strö, got. straujan (germ. *straujan) führt mit lat. struere (strūctum) ‘schichten, über-, aneinanderlegen, aufbauen’, struēs ‘Haufen, Menge’ auf ie. *streu-, Erweiterung der Wurzel ie. *ster(ə)-, *strē-, *stru- ‘ausbreiten, (aus)streuen’, wozu (mit Nasalpräsens) aind. stṛṇā́ti ‘streut (hin), bestreut, wirft hin’, stṛṇṓti ‘streckt nieder, unterwirft, besiegt’, griech. stornýnai (στορνύναι) ‘hinbreiten, ausbreiten, ein Bett machen, ebnen, bahnen, ausstreuen, bestreuen’, lat. sternere ‘hinbreiten, streuen, ebnen, bedecken’, air. sernim ‘breite aus’ sowie (ohne Nasal) aslaw. prostrěti, russ. prosterét’ (простереть) ‘ausbreiten, ausdehnen’. Verwandt sind u. a. die unter ↗Strahl, ↗Stirn, ↗streichen, ↗Streifen, ↗Stroh behandelten Wortgruppen. Im Nhd. hat sich aus einer Vielzahl mundartlicher Formen streuen durchgesetzt. Zur Bedeutungsentwicklung von ‘ausbreiten’ zu ‘verteilend auswerfen’ vgl. Pfeifer in: PBB 82 (1960) 132 ff. Streu f. ‘das Hingestreute, Material zum Unterstreuen, Stallstroh’, Bildung auf ī zum Verb, mhd. ströuwe, strewe, ströu; vgl. ahd. gistrewi, gistrouwi (8. Jh.). Streusel m. n. ‘Klümpchen aus Mehl, Butter und Zucker, auf Kuchen gestreut’ (19. Jh.; dazu Streuselkuchen, ebenfalls 19. Jh.), mundartlich und in der bäuerlichen Umgangssprache gleichbed. mit Streu, Deverbativum mit dem Suffix ↗-sal, ↗-sel (s. d.); vgl. mnd. strouwelse. zerstreuen Vb. ‘auseinanderstreuen, -jagen’, mhd. zerströuwen, -ströun. Übertragener Gebrauch der Mystik daʒ gemüet, herze zerströuwen ‘die Seele von der Gemeinschaft mit Gott ablenken’ geht im 15. Jh. auf Störungen des seelischen Gleichgewichts über, wird jedoch in mystisch-religiösem Sinne vom Pietismus übernommen. Zu Anfang des 18. Jhs. entwickelt sich daraus jmdn., sich zerstreuen ‘ablenken, vergnügen’, beeinflußt von zerstreut Part.adj. (15. Jh.), das Anfang des 18. Jhs., wohl in Anlehnung an frz. distrait, die Bedeutung ‘unaufmerksam, durch fremde Eindrücke abgelenkt, unkonzentriert’ annimmt. Zerstreuung f. ‘Ablenkung, Vergnügen, Zeitvertreib’ (18. Jh.), zuvor ‘das Auseinanderwerfen, -treiben, Auflösen’, spätmhd. zerströuwunge ‘Uneinigkeit’. Zerstreutheit f. ‘Unaufmerksamkeit, Unkonzentriertheit’ (18. Jh.), vereinzelt ‘Abgesondertheit, Isoliertheit’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Streu‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Streu‹.

Verwendungsbeispiele für ›Streu‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Futter und Streu sind einfach zu teuer ", sagt die Mutter traurig.
Bild, 30.05.2003
Jahrhundertelang hielten die Bauern die Flusswiesen mit der Sense kurz und nutzten die Streu für ihre Kühe.
Der Tagesspiegel, 15.09.2000
Das Gras kann alle zwei Jahre auch geerntet und als Streu für Tiere oder Baumaterial genutzt werden.
Bild, 06.03.2004
Die Löwen lebten bewegungslos in Monotonie eingepfercht in dem winzigen Käfig ohne Streu.
Süddeutsche Zeitung, 16.03.1995
Wir haben zum Ausruhen nur die Erde, oder wir liegen auf Streu.
Brückner, Christine: Wenn du geredet hättest, Desdemona, Frankfurt a. M.: Ullstein 1986 [1983], S. 142
Zitationshilfe
„Streu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Streu>, abgerufen am 25.10.2020.

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