Strohmann, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Strohmann(e)s · Nominativ Plural: Strohmänner/Strohleute
Neben der Pluralform auf ‑männer ist auch die Pluralumschreibung mit ‑leute möglich. Diese Pluralform kann insbesondere dann verwendet werden, wenn keine Aussage über das natürliche Geschlecht der Beteiligten gemacht werden soll.
Aussprache  [ˈʃtʀoːman]
Worttrennung Stroh-mann
Wortzerlegung StrohMann
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
übertragen vorgeschobene (2 b) Person, die, scheinbar für sich selbst handelnd, den wahren Akteur verdecken soll
Kollokationen:
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: als Strohmann agieren, handeln, fungieren
Beispiele:
Putin gilt als einer der reichsten Männer der Welt, der sein Vermögen mittels Strohmännern und Scheinfirmen tarnt. [Welt am Sonntag, 18.03.2018]
Weil die Frau von der Sozialhilfe lebt, soll sie die Leasingverträge jeweils über einen Strohmann abgewickelt haben. [Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2007]
Wie nicht anders zu erwarten war, rief der Erfolg von Persil bereits früh erste Trittbrettfahrer auf den Plan. […] Eine Konkurrenzfirma engagierte sogar einen Herren namens »Persiehl« als Gesellschafter und Strohmann, um mit seinem Namen die Kunden zu täuschen. [Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche. München: Piper 2001 [1999], S. 330]
spezieller, Wirtschaft (vorgeschobene) Person, die für eine Gruppe, ein Unternehmen o. Ä. zum Schein die Rechte (2) wahrnimmt, um bestimmte Gesetze zu umgehen oder um Geschäftsbeziehungen zu verheimlichen
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: [etw.] über einen Strohmann abwickeln, kaufen
in Koordination: Strohmänner und Scheinfirmen
Beispiele:
Die Offshore‑Welt kann nur funktionieren, weil es ein [sic!, einen] schier unerschöpflichen Pool an Menschen gibt, die als Strohleute, als Stroh‑Strohleute und Stroh‑Stroh‑Strohleute ihren Namen für allerlei dubiose Geschäfte hergeben – und das, obwohl sie für Rechtsverstöße jener Firmen, die sie auf dem Papier leiten, zur Rechenschaft gezogen werden können. [Süddeutsche Zeitung, 19.04.2016]
Während herkömmliche Wirtschaftskriminelle häufig ein kaum zu durchdringendes Konstrukt aus Scheinfirmen und Strohmännern errichteten, seien die meisten Diktatoren dafür erfahrungsgemäß zu misstrauisch. [Die Zeit, 03.03.2011]
Eine mehrheitliche Übernahme einer Versicherung durch eine Bank war aber in den USA 1991 nicht erlaubt; das Geschäft wurde deshalb offenbar über Strohmänner abgewickelt. [Berliner Zeitung, 06.12.2003]
Es besteht der Verdacht, dass der Schweizer Vermittler in Wirklichkeit als Strohmann eines Refugium‑Vorstandes fungierte. [Der Spiegel, 25.06.2001]
2.
Puppe aus Stroh‍(ballen)
Grammatik: Plural ‘Strohmänner’
Beispiele:
Neujahrssingen, Wandern, den Maibaum aufstellen, oder Strohmänner bauen – die Aktivitäten des Burschenclubs Usseln 1612 (BCU) sind vielfältig. [Die Freude im Ort was zu bewegen, 28.05.2014, aufgerufen am 08.12.2019]
»Ihr Arm ist gebrochen, wir brauchen einen Notarzt«, scherzen die freiwilligen Helferinnen, während sie die Strohfrau vorbereiten, die später auf einer Bank vor dem Jugendclub sitzen soll. Der passende Strohmann dazu ist bereits fertig und wartet mit Hut und Gummistiefeln in einem Raum des ehemaligen Jugendclubs. [Vorbereitung läuft auf Hochtouren, 28.08.2017, aufgerufen am 08.12.2019]
Dann bauen wir halt keine Schneemann, sondern einen Strohmann. Der bleibt auch bei frühlingshaften 15 Grad formstabil und schmilzt nicht einfach dahin wie sein weißer Kollege. [Strohmann statt Schneemann, 16.12.2013, aufgerufen am 08.12.2019]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stroh · Strohblume · Strohhalm · Strohkopf · strohdumm · Strohmann · Strohwitwe · Strohwitwer
Stroh n. ‘Halme von ausgedroschenem Getreide’, ahd. (8. Jh.), mhd. strō (Genitiv strōwes), mnd. mnl. strō, nl. stro, afries. strē, aengl. strēaw, engl. straw, anord. strā, schwed. strå (germ. *strawa-) steht im Sinne von ‘Aus-, Hingestreutes’ zu der unter ↗streuen (s. d.) angegebenen Wurzelform ie. *streu- ‘ausbreiten, (aus)streuen’. Hierzu die Wendung leeres Stroh dreschen ‘sinnloses, unnützes, schon mehrmals gesagtes Zeug reden’, mhd. lær strō dreschen. Strohblume f. Korbblütler, dessen Blüten nach dem Welken strohartig trocknen und Form und Farbe behalten (17. Jh.). Strohhalm m. ‘einzelner Getreidestengel’ (15. Jh.), übertragen ‘geringe oder trügerische Hoffnung’ (16. Jh.), ‘Trinkröhrchen’ (19. Jh.). Strohkopf m. ‘Dummkopf’, wer gleichsam Stroh statt Gehirn im Kopf hat wie eine Strohpuppe (tumper Strohkopff, 17. Jh.). Daran anschließend strohdumm Adj. (19. Jh.). Strohmann m. ‘Puppe aus Stroh’ (16. Jh.), ‘Vogelscheuche’ (17. Jh.), ‘vorgeschobene Person’ (18. Jh.), wohl nach frz. homme de paille (Ende 16. Jh.). Strohwitwe f. scherzhafte Bezeichnung für eine ‘Frau, deren Mann vorübergehend nicht anwesend, z. B. verreist ist’, die also allein auf dem Stroh (der Lagerstatt) liegt (Anfang 18. Jh.); voraus gehen Bildungen wie spätmhd. strōbrūt ‘Mädchen, das schon vor der Hochzeit ein Kind erwartet’, mnd. graswēdewe ‘Mädchen, das keine Jungfrau mehr ist’ (16. Jh.). Dazu entsprechendes Strohwitwer m. (ebenfalls Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Strohmann [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Assoziationen
Antonyme
  • Strohmann

Typische Verbindungen zu ›Strohmann‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Strohmann‹.

Zitationshilfe
„Strohmann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Strohmann>, abgerufen am 19.06.2021.

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