Strolch, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Strolch(e)s · Nominativ Plural: Strolche
Aussprache
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend müßig herumlungernder, verwahrloster, kein Vertrauen erweckender, oft gewalttätiger Mann, Lump, Landstreicher
Beispiele:
ein Strolch hat ihn angefallen, überfallen, ihm aufgelauert
sie ist von einem betrunkenen Strolch belästigt worden
er ist von einem Strolch niedergeschlagen worden
der Strolch hatte schon mehrere Diebstähle begangen, ist in ein Haus eingebrochen
wie ein Strolch aussehen
jmdn. einen Strolch nennen, schimpfen
umgangssprachlich, scherzhaft, übertragen
Beispiel:
Er [der Zwischenfall] hatte sich abgespielt zu jener frühen Zeit, als Überbein die kleinen Strolche (= Jungen) unterrichtet ... hatte [Th. MannKönigl. Hoheit7,280]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Strolch · strolchen
Strolch m. ‘Landstreicher, Spitzbube, Lump’, zuerst (Anfang 17. Jh.) als gaunersprachlicher Ausdruck (nach älterem Strölchling, 16. Jh.), danach (17./18. Jh.) vor allem bei schweiz. und südwestd. Schriftstellern belegt, schließlich (seit 19. Jh.) allgemein literatursprachlich. Herkunft unbekannt. Vielleicht mit Gutturalerweiterung aus alem. strollen ‘ziellos umherstreifen’, Stroll ‘Landstreicher’ hervorgegangen. Storfer Wörter (1935) 336 f. glaubt, daß ital. astrologo ‘Astrologe, Sterndeuter, Prophet’ (s. ↗Astrologe), lombard. strolago, strolegh ‘Astrologe im Heerestroß, Gaukler, Vagabund’ (vgl. ital. strolago ‘Astrologe’, auch ‘böser, pfiffiger Mensch’) im 15. und 16. Jh. durch schweizerische und schwäbische Landsknechte in die alem. Mundarten aufgenommen und zu Strolch umgebildet wurde. strolchen Vb. ‘sich herumtreiben, umherstreifen’ (18. Jh., seit dem 19. Jh. auch literarisch).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bösewicht · ↗Frevler · ↗Gauner · ↗Halunke · ↗Lump · ↗Missetäter · ↗Schlitzohr · ↗Schuft · ↗Schurke · ↗Spitzbube · Strolch · ↗Tunichtgut · ↗Unhold · ↗Übelmann · ↗Übeltäter · übles Subjekt  ●  ↗Fötzel  schweiz. · ↗Haderlump  österr., bair. · (eine) miese Type  ugs. · ↗Canaille  derb, franz. · ↗Kanaille  derb · ↗Schubiack  ugs. · fieser Finger  ugs., abwertend, veraltet · krummer Hund  ugs., fig. · linke Bazille  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
Bengel · ↗Flegel · ↗Frechling · ↗Lausbub · Lausbube · ↗Lausebengel · ↗Schelm · ↗Schlingel · Strolch  ●  ↗Fratz  süddt. · ↗Lorbass  ostpreußisch · ↗Range  veraltet · ↗Bazi  ugs., österr., bair. · ↗Dreikäsehoch  ugs. · ↗Frechdachs  ugs. · Frechmops  ugs. · ↗Früchtchen  ugs. · ↗Knilch  ugs. · ↗Lauser  ugs. · ↗Lümmel  ugs., veraltend · ↗Pülcher  ugs., österr. · ↗Racker  ugs. · ↗Rotzbengel  ugs. · Rotzblag  ugs., ruhrdt. · Rotzbubi  ugs. · ↗Rotzgöre  ugs. · ↗Rotzjunge  ugs. · ↗Rotzlöffel  ugs. · ↗Rotznase  ugs. · Schliffel  ugs., veraltet, altbairisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Berber · Clochard · Herumstreicher · ↗Landfahrer · Nichtsesshafter · ↗Streuner · Strolch · ↗Stromer · ↗Trebegänger  ●  Fecker  schweiz. · ↗Herumtreiber  abwertend · ↗Landstreicher  abwertend · Obdachloser  Hauptform · ↗Stadtstreicher  abwertend · ↗Strotter  österr. · ↗Tramp  engl. · ↗Vagabund  veraltend · Wohnsitzloser  Amtsdeutsch · Wohnungsloser  Amtsdeutsch · Heckenpenner  derb, stark abwertend · ↗Pennbruder  derb · ↗Penner  derb, abwertend · ↗Rumtreiber  ugs. · ↗Sandler  ugs., österr., bair. · ↗Tippelbruder  ugs. · ↗Treber  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Strolch · böser Bube (oft mehr oder weniger scherzhaft)  ●  Bösling  selten
Assoziationen
Synonymgruppe
Strolch · ↗Tagedieb  ●  ↗Nichtsnutz  veraltend · ↗Taugenichts  veraltet · ↗Tunichtgut  veraltet · ↗Hallodri  ugs., bair., österr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dieb Uhr hergelaufen klein rot

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Strolch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nun geht es immer mehr Strolchen in der Szene an den Kragen.
Die Welt, 02.10.2000
Er erfand die drei Strolche, die es ihm erlaubten, mehr oder minder verhüllt die politische Lage zu beklagen.
Süddeutsche Zeitung, 25.06.2002
So hatte man in Palma noch ein paar Stunden zum Strolchen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 1023
Die demokratische Einstellung des Volkes gebietet größte Höflichkeit selbst mit einem Strolch.
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3032
Nicht wie die anderen alten Hexen, die einen schon an der Türe musterten, als wäre man ein Strolch!
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2440
Zitationshilfe
„Strolch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Strolch>, abgerufen am 16.02.2019.

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