Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Stuhl, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Stuhl(e)s · Nominativ Plural: Stühle
Aussprache 
eWDG

Bedeutung

Sitzmöbel für eine Person mit einer Rückenlehne und meist vier Beinen
Beispiele:
ein bequemer, gepolsterter, harter, hoher, niedriger, antiker, moderner, wackliger Stuhl
ein hölzerner, mit Leder bezogener, aus Rohr geflochtener Stuhl
ein verstellbarer, zusammenklappbarer Stuhl
ein Stuhl mit hoher, steiler, abgerundeter Lehne
der elektrische Stuhl (= in den Vereinigten Staaten von Amerika verwendeter Apparat in der Form eines Stuhles, durch den zum Tode Verurteilte mit Starkstrom hingerichtet werden)
die Stühle an die Wand, um den Tisch stellen
einen Stuhl (weg)rücken, tragen, umwerfen
die Stühle im Kreis aufstellen, auf die Tische stellen, übereinanderstellen
jmdm. einen Stuhl anbieten (= jmdn. zum Sitzen auffordern)
auf einem Stuhl sitzen
sich auf einen Stuhl setzen
unruhig auf dem Stuhl hin und her rücken, umherrutschen
mit dem Stuhl rücken
vom Stuhl aufstehen, aufspringen
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlichsich zwischen zwei Stühle setzen (= sich nach zwei Seiten hin in eine ungünstige Lage bringen)
umgangssprachlichjmdm. den Stuhl vor die Tür setzen (= jmdn. entlassen, hinauswerfen, jmdm. kurzfristig kündigen)
zwischen zwei Stühlen sitzen (= sich zwischen zwei unvereinbaren Gegensätzen befinden)
saloppnicht zu Stuhl, Stuhle kommen (= mit etw. nicht zurechtkommen)
umgangssprachlichvom Stuhl fallen (= sehr erstaunt sein)
saloppdas haut mich vom Stuhl (= erstaunt, verwundert mich sehr)
übertragen
Beispiele:
der Heilige Stuhl (= Sitz des Papstes, Kurie)
der bischöfliche Stuhl (= Bischofssitz)
Seiffert, dienstältester Assistent, war der Nächste am Stuhl (= Lehrstuhl) des Professors [ Ch. WolfGeteilter Himmel170]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stuhl · Stuhlgang
Stuhl m. ‘Sitzgelegenheit’, ahd. stuol ‘Sitz, Thron’ (8. Jh.), mhd. stuol (auch ‘Stuhlgang’), asächs. afries. mnd. stōl, mnl. nl. stoel, aengl. stōl, engl. stool, anord. stōll, schwed. stol, got. stōls (germ. *stōla-) und lit. pastõlas ‘Gestell, Ständer’, aslaw. stolъ ‘Sitz, Thron’, russ. stol (стол) ‘Tisch, Mahl, Büro, Zarenthron’ sind mit l-Suffix zu der unten stehen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ gebildet. Ausgehend von einer Bedeutung ‘Gestell’ (bewahrt in Dach-, Glocken-, Webstuhl) entwickelt sich der Ausdruck im Germ. zur Bezeichnung für ‘Hoch-, Ehrensitz, Thron’ (eines Herrschers, Richters u. dgl.). – Stuhlgang m. ‘Ausscheidung von Kot’ (15. Jh.), danach ‘menschlicher Kot’ (16. Jh.), eigentlich ‘Gang zum Stuhl’ (d. h. zum Nachtstuhl bzw. Abortsitz), vgl. mhd. ze stuole gān (14. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Stuhl‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stuhl‹.

Verwendungsbeispiele für ›Stuhl‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Herr setzt sich erst, wenn die Dame Platz genommen hat, wobei er ihr hilft, den Stuhl zurechtzurücken. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 190]
Die Kinder laufen im Takt um die Stühle herum, dürfen sie aber nicht berühren. [Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 154]
Er lehnte sich tief aufatmend mit geschlossenen Augen in den Stuhl zurück. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1374]
Ich kam an diese Schule, da hatten wir noch nicht genug Stühle für die Kinder. [Runge, Erika (Hg.), Bottroper Protokolle, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1968, S. 55]
Den Gebrauch von elektrischem Licht kann nur der apostolische Stuhl genehmigen. [Bruder, L.: Ewiges Licht. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 2831]
Zitationshilfe
„Stuhl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stuhl#1>.

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Stuhl, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Stuhl(e)s · Nominativ Plural: Stühle
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Stuhl‹ als Erstglied: Stuhldrang · Stuhlentleerung · Stuhlgang · Stuhlinkontinenz · Stuhlträgheit · Stuhluntersuchung · Stuhlverhaltung · Stuhlverstopfung · Stuhlzwang · Stuhlzäpfchen · stuhlfördernd
 ·  mit ›Stuhl‹ als Letztglied: Blutstuhl · Fettstuhl · Milchstuhl

Bedeutungsübersicht+

  1. [verhüllend] ...
    1. 1. Stuhlgang
    2. 2. menschliches Exkrement, Kot
eWDG

Bedeutung

verhüllend
1.
Stuhlgang
Beispiel:
haben Sie heute schon Stuhl gehabt?
2.
menschliches Exkrement, Kot
Beispiel:
Stuhl zur Untersuchung beim Arzt abgeben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stuhl · Stuhlgang
Stuhl m. ‘Sitzgelegenheit’, ahd. stuol ‘Sitz, Thron’ (8. Jh.), mhd. stuol (auch ‘Stuhlgang’), asächs. afries. mnd. stōl, mnl. nl. stoel, aengl. stōl, engl. stool, anord. stōll, schwed. stol, got. stōls (germ. *stōla-) und lit. pastõlas ‘Gestell, Ständer’, aslaw. stolъ ‘Sitz, Thron’, russ. stol (стол) ‘Tisch, Mahl, Büro, Zarenthron’ sind mit l-Suffix zu der unten stehen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ gebildet. Ausgehend von einer Bedeutung ‘Gestell’ (bewahrt in Dach-, Glocken-, Webstuhl) entwickelt sich der Ausdruck im Germ. zur Bezeichnung für ‘Hoch-, Ehrensitz, Thron’ (eines Herrschers, Richters u. dgl.). – Stuhlgang m. ‘Ausscheidung von Kot’ (15. Jh.), danach ‘menschlicher Kot’ (16. Jh.), eigentlich ‘Gang zum Stuhl’ (d. h. zum Nachtstuhl bzw. Abortsitz), vgl. mhd. ze stuole gān (14. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Stuhl‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stuhl‹.

Verwendungsbeispiele für ›Stuhl‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erschöpft ließ ich mich auf den Stuhl neben seinem Bett sinken. [Franck, Julia: Lagerfeuer, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2003, S. 100]
Sonst sitzt sie nie auf harten Stühlen herum und wippt mit den Füßen. [Dölling, Beate: Hör auf zu trommeln, Herz, Weinheim: Beltz & Gelberg 2003, S. 119]
Sie saß im Garten, die Beine auf einen zweiten Stuhl gelegt. [Born, Nicolas: Die Fälschung, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1980 [1979], S. 120]
Meistens sind in den letzten freien Ecken dieser Zimmer Stühle aufeinandergetürmt. [Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 229]
Er lehnte sich tief aufatmend mit geschlossenen Augen in den Stuhl zurück. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1374]
Zitationshilfe
„Stuhl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stuhl#2>.

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