Superlativ, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Superlativs · Nominativ Plural: Superlative
Aussprache
WorttrennungSu-per-la-tiv
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Superlativ‹ als Erstglied: ↗superlativisch · ↗superlativistisch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Sprachwissenschaft zweite Steigerungsstufe in der Komparation, Höchststufe
Beispiele:
Über den Komperativ zum Superlativ streben alle. Schöner, höher, schneller, weiter, größer. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2002]
Lauter Superlative: das größte Manöver der mächtigsten Militärallianz im ärmsten Land Europas mit den meisten Soldaten aus den meisten Ländern mit dem umfassendsten Arsenal von Waffen. […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.1998]
Die semitischen Sprachen haben keinen richtigen Komparativ und keinen Superlativ. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 10901]
Kollokation:
in Koordination: Komparativ und Superlativ
2.
bildungssprachlich
a)
etw., das nicht zu überbieten ist; etw., was zum Besten gehört
Beispiele:
Da [in deutschen Zeitungen] können sie lesen, was in ihrem vor Wochen noch frenetisch gefeierten Ensemble so alles schiefläuft. Denn auf einmal schrumpft das, was noch vor kurzem nach Superlativ aussah, auf ein normales Mass. [Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2017]
Die Industriellenvereinigung (IV) überschlägt sich […] mit negativen Superlativen: »Rückfall in die Stagnation«, »Frühjahrserholung endet in Herbstdepression« und »Abbau von Beschäftigung unvermeidlich«, waren einige Schlagworte […]. [Der Standard, 28.10.2014]
In Granadas Zentrum drängen sich vor dem Eingang zur Kathedrale noch mehr Menschen als oben, wo der Einlaß limitiert wird. […] Noch so ein architektonischer Superlativ, einer der prächtigsten Sakralbauten der spanischen Renaissance. [Die Welt, 29.10.2005]
Die Queen Mary 2 ist das größte und teuerste Kreuzfahrtschiff der Welt, ein einziger schwimmender Superlativ. [Süddeutsche Zeitung, 19.07.2004]
Von ihrem letzten Album »(What 's the story) Morning glory?« verkauften Oasis weltweit über 12 Millionen Exemplare, seit ihrem Debüt mit der ersten Single vor drei Jahren hat die Gruppe rund 110 Millionen Mark eingenommen. Zu diesen Superlativen dürften von heute an noch einige dazukommen. Heute ist nämlich der lang ersehnte D-Day, an dem Oasis ihre neue CD »Be here now« veröffentlicht […]. [Der Tagesspiegel, 21.08.1997]
Kollokation:
als Genitivattribut: eine Show, Schau, ein Fest, eine Messe der Superlative
b)
Ausdruck höchsten Wertes, Lobes
Beispiele:
[…] ich muss zum Lob seiner [Johann Sebastian Bachs] Musik die Superlative des Marktes brauchen: unvergleichlich. [Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2016]
[…] auch unter Franzosen hat der Sieg des schwarzen Senators [Obama] wahre Enthusiasmusstürme ausgelöst. Die Kommentatoren überschlagen sich mit lobenden Superlativen: Libération kommentiert die Wahl als »ideologische Entscheidung« für ein »anderes Amerika«; Le Monde lobt den »großen Sieg«, der Figaro feiert eine »historische Wahl«. [Spiegel, 05.11.2008 (online)]
Überzeugend sei der Auftritt des Außenministers vor dem Visa-Untersuchungsausschuss gewesen, meinte die Parteivorsitzende der Grünen. Und als ob das noch nicht genug des Lobes gewesen wäre, fügte sie noch weitere Superlative hinzu. Joschka Fischer sei souverän gewesen und habe auf sie offensiv, aufgeräumt und glaubwürdig gewirkt. [Berliner Zeitung, 26.04.2005]
Er liebte es, den starken Mann durch Übertreibungen und Superlative zu markieren. [o. A.: Einhundertsechsundneunzigster Tag. Dienstag, 6. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 25917]
Kollokation:
in Präpositionalgruppe/-objekt: in Superlativen schwelgen, nicht mit Superlativen geizen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

super- · Superintendent · Superlativ
super- erstes Glied in aus dem Lat. stammenden Zusammensetzungen mit der Bedeutung ‘über alle Maßen, besonders’, entsprechend lat. super Adv. ‘oben, darüber, (oben)darauf’, auch ‘mehr’, Präp. ‘über, oben auf’. Im Lat. bildet super- vorwiegend verbale, aber auch nominale Komposita, vgl. lat. superfundere ‘darüber-, daraufgießen’, superscrībere ‘darüberschreiben’, supervacuus ‘überflüssig, unnütz’, spätlat. superglōrificāre ‘über die Maßen preisen’, superglōriōsus ‘besonders ruhmreich’. Im Dt. wird vom 16. Jh. an super- als erstes Kompositionsglied in nominalen Zusammensetzungen zur Bezeichnung einer inhaltlichen Steigerung im Sinne von ‘besonders, über alle Maßen, überdurchschnittlich’ geläufig, vgl. superfein Adj. ‘besonders, überaus fein’ (16. Jh.), superklug Adj. ‘besonders klug, überscharfsinnig’ (17. Jh.), dazu Superklugheit f. (18. Jh.), superfaul Adj. ‘besonders faul’ (19. Jh.). Im 20. Jh. entstehen Neubildungen (oft nach engl. bzw. amerik.-engl. Vorbild) wie Superbenzin ‘Benzin mit hoher Oktanzahl’ (im Gegensatz zu Normalbenzin), -bombe, superbraun, -billig, -schnell, Superhit, -markt, -schau, -schiff, -star. Aus dieser Verwendung entwickelt die Umgangssprache super zum selbständigen Adjektiv im Sinne von ‘hervorragend, großartig’. Superintendent m. ‘leitender evangelischer Pfarrer einer größeren kirchlichen Verwaltungseinheit’, Entlehnung (16. Jh.) aus mlat. superintendens (Genitiv -intendentis), Part. Präs. zu spätlat. superintendere ‘die Aufsicht haben’, eigentlich also ‘Oberaufseher’ und in diesem Sinne bis ins 17. Jh. gebraucht. Die Amtsbezeichnung innerhalb der evangelischen Kirche entwickelt sich mit der Entstehung der evangelischen Landeskirchen (1. Hälfte 16. Jh.). Superlativ m. Bezeichnung der zweiten Steigerungsstufe des Adjektivs, Übernahme deutscher Grammatiker (superlativus, um 1400, in lat. Form und Flexion bis ins 19. Jh.; Superlativ seit 18. Jh.) von gleichbed. spätlat. superlātīvus (gradus) ‘höchster (Steigerungs)grad’, Intensivbildung zu lat. superlātus, Part. Perf. von lat. superferre ‘darübertragen, -führen, -bringen, -legen, über die Zeit hinaus tragen, den höchsten Grad bilden’. In dt. Übersetzung der übertreter (um 1400), übertrager, der höchst vbertrefflichst grad (15. Jh.), die oberste Stufe, höchste Staffel (17. Jh.), dritte Staffel (18. Jh.). Heute auch allgemein, vgl. Jahr, Film der Superlative ‘besonders herausragendes Jahr, herausragender, nicht zu überbietender Film’.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
höchste Steigerung(sform) · höchste Steigerungsstufe · zweite Steigerungsform · zweite Steigerungsstufe  ●  Superlativ  fachspr., Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adjektiv Aneinanderreihung Aufzählung Fackellauf Fest Feuerwerk Fluch Flugschau Häufung Komparativ Leistungsschau Schau Show Spektakel Sportjahr Superlativ aneinanderreihen aufwarten bedachen geizen lobend protzen schmücken schwelgen strotzen versteigen überbieten überhäufen überschlagen überschütten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Superlativ‹.

Zitationshilfe
„Superlativ“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Superlativ>, abgerufen am 20.09.2018.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
superkrustal
Superkommissar
superklug
Superkargo
Superiorität
superlativisch
Superlativismus
superlativistisch
Superlearning
Superlegierung