Synkope, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Synkope · Nominativ Plural: Synkopen
Aussprache  [zʏnˈkoːpə] · ['zʏnkoːpə]
Worttrennung Syn-ko-pe
Herkunft zu synkopḗgriech (συνκοπή) ‘Zusammenschlagen, Zusammenstoßen, Ausstoßen’
Wortbildung  mit ›Synkope‹ als Erstglied: ↗synkopenreich · ↗synkopieren · ↗synkopisch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2020

Bedeutungen

1.
Musik rhythmische Verschiebung durch Betonung einer unbetonten Zählzeit Quelle: DWDS, 2020
siehe auch Metrik (2)Quelle: DWDS, 2020
Beispiele:
Synkope ist ein Begriff aus der weiten Welt des musikalischen Rhythmus, der sein Wesen dadurch offenbart, dass die von uns als natürlich empfundenen Betonungen und Schwerpunkte bewusst durcheinandergebracht werden. [Kommen Sie mit einer Synkope taktvoll aus dem Rhythmus!, 03.03.2016, aufgerufen am 14.09.2018]
Das junge Ensemble […] wagte sich an viele unterschiedliche Rhythmen wie Tango […], den aus vielen kleinen Synkopen bestehenden Bossa nova mit seinen gegen den Grundbeat laufenden Rhythmen (»Quando Quando«) oder an ein modernes Chanson […]. [Landshuter Zeitung, 27.11.2019]
Spielerisch bereitete der Musikpädagoge seine Schüler […] auf die Synkopen, Schläge auf die unbetonte Taktzeit, vor. [Saarbrücker Zeitung, 11.07.2018]
Verminderte Septakkorde, erregte Streichertremoli, dissonanzreiche Akkorde, die fast unmerklich in andere Verbindungen übergehen, Synkopen, grosse Legatobögen: Alles wird verwendet, was die Spannung aufrechterhält. [Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2010]
Die Angst sei der eigentliche Grundton dieser Partitur, sagt [Dirigent] Nikolaus Harnoncourt. Auffallend oft sind im »Freischütz« die Taktschwerpunkte aufgehoben, Synkopen und Dissonanzen dominieren. [Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2010]
2.
a)
Sprachwissenschaft Ausfall eines unbetonten Vokals zwischen zwei Konsonanten im Wortinnern (z. B. »ew’ger«)
Beispiele:
Im Deutschen gibt es kaum Synkopen. Das ist ein Phänomen aus anderen Sprachen – z. B. Englisch. »Bottle« ist ein synkopisches Wort. [Mein Klavierunterricht-Blog, 09.02.2015, aufgerufen am 15.09.2018]
Die bairische Form von Klaffke wird […] nicht explizit erläutert, man kann aber davon ausgehen, dass auch ein Klaffl auf Nikolaus zurückgeht. Wie Klaffke und Klose zustande kamen, ist messerscharf analysiert, etwa im Paragrafen 18: »Bei Kf. vom Typ Klos‍(e) liegt Aphärese der Erstsilbe und Synkope der Mittelsilbe aus Nikolaus vor, und der Diphthong der Endsilbe erscheint als Monophthong o [Süddeutsche Zeitung, 06.12.2013]
Auszunehmen von der Entwicklung -esrode zu -erode sind gewisse Fälle, in denen mit der Apokope des Schluß‑e sich eine Synkope des Fugen‑e verbindet bei gleichzeitiger Erhaltung des s (z. B. Ruprechtesrode = Rupsroth). [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 146]
b)
Verslehre Ausfall einer Senkung im Vers
Beispiele:
»Wir ersehnen dich« – so fasst die letzte Zeile jeder Strophe alle Bitten um den Heiligen Geist zusammen. […] In diesem Lied gelingt das vor allem durch die charakteristischen Rhythmen. Gleich im ersten Takt des Kehrverses steht eine klug platzierte Synkope, die aufrüttelt. [Pfarrgemeinde St. Ludger Selm, 29.09.2015, aufgerufen am 15.09.2018]
[…] die zweite Terzine des Madrigals »Mezzanotte« schraubt sich in die Höhe und gipfelt im Nichts: »Es ist Mitternacht. Man hört / einen Doppelschlag, der verklingt. / Von fernen Straßen / ein Rumpeln von Wagen, das inne hält [sic!].« Das Enjambement wirkt wie eine Synkope, in der dritten und letzten Strophe wird aber ein »plötzlich« nachgeschoben. [Süddeutsche Zeitung, 31.12.2016]
Seine Gedichte sind geflechtartiger, ähneln Rhizomen (= Geflechte von Wurzelsprossen), machen aus Relativsätzen Synkopen, schürzen mal lockere, mal dicht geknüpfte Knoten aus rhythmischen, meist reimlosen Versen. [Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003]
3.
Medizin plötzliche, kurzzeitige Ohnmacht infolge einer Störung der Gehirndurchblutung
Beispiele:
Wer kurz ohnmächtig wird oder wem plötzlich schummrig und schwarz vor Augen wird, der sollte das ernst nehmen. Experten sprechen bei einem solchen kurzen Bewusstseinsverlust von einer Synkope. [Die Welt, 25.03.2014]
Das Langzeit‑EKG wird bei allen Arten von Herzrhythmusstörungen eingesetzt, aber auch bei unklaren Synkopen oder bei Schlaganfällen sowie beim Klären von Schrittmacherindikationen. [Landshuter Zeitung, 30.08.2018]
Was ist bei einem Ohnmachtsanfall zu tun? Ein kurzer Ohnmachtsanfall, medizinisch als Synkope[…] bezeichnet, ist normalerweise keine lebensbedrohliche Situation und verschwindet nach wenigen Sekunden bzw. Minuten meist wieder von [selbst]. [Krankheiten vorbeugen, 03.10.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Eine kurze Bewusstlosigkeit, auch Synkope genannt, kann viele verschiedene Ursachen haben. [Spiegel, 16.09.2017 (online)]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Synkope · synkopieren
Synkope f. in der Medizin ‘Hirndurchblutungsstörung mit kurzdauerndem Bewußtseinsverlust, Ohnmacht’, mhd. sincopa, frühnhd. syncopis (Paracelsus), nhd. Syncope (18. Jh.) ‘Ohnmacht’, in der Grammatik ‘Ausfall eines unbetonten Vokals oder einer Lautfolge im Wortinnern’ (1. Hälfte 18. Jh., vermutlich älter), in der Musik ‘Verlagerung des rhythmischen Akzents auf einen unbetonten Taktteil durch Herüberbinden des gleichen Tones’ (Mitte 17. Jh.), Entlehnung von spätlat. syncopē, syncopa, griech. synkopḗ (συνκοπή) ‘das Verkürzen der Wörter durch Ausstoßung eines Buchstabens oder einer Silbe in der Mitte, plötzliches Stocken der Lebensfunktionen, plötzliche Erstarrung oder Entkräftung’, zu griech. synkóptein (συγκόπτειν) ‘zusammenschlagen, -hauen, -prügeln, einen Buchstaben oder eine Silbe aus der Wortmitte ausstoßen, sich wie zerschlagen fühlen, völlig entkräftet werden’; vgl. griech. kóptein (κόπτειν) ‘stoßen, schlagen, hauen’. synkopieren Vb. ‘ohnmächtig, schwindlig machen’ (Paracelsus, heute veraltet), ‘einen Vokal oder eine Silbe ausstoßen, ausfallen lassen’ (1. Hälfte 16. Jh.), ‘einen leichten Taktteil mit dem folgenden schweren zu einer Note zusammenziehen, synkopisch hinüberbinden’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
anfallsartige, kurz dauernde Bewusstlosigkeit  ●  ↗Kreislaufkollaps  ugs. · ↗Kreislaufzusammenbruch  ugs. · ↗Ohnmachtsanfall  ugs. · Synkope  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (einen) Kollaps erleiden · (einen) Kollaps haben · (einen) Schwächeanfall erleiden · (einen) Schwächeanfall haben · (einen) Zusammenbruch erleiden · (einen) Zusammenbruch haben · ↗kollabieren · ↗wegsacken · ↗zusammenklappen  ●  ↗zusammenbrechen  Hauptform · aus den Latschen kippen  ugs. · ↗umfallen  ugs. · ↗umkippen  ugs.
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Lautwegfall im Wortinnern  ●  Synkope  fachspr.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Synkope‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Synkope‹.

Zitationshilfe
„Synkope“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Synkope>, abgerufen am 21.09.2020.

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