Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Szene, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Szene · Nominativ Plural: Szenen
Aussprache  [ˈsʦeːnə]
Worttrennung Sze-ne
Herkunft aus scaenaspätlat, scēnaspätlat ‘äußerer Anblick, Gestalt, Erscheinung, Hergang, Lage’, scaenalat, scēnalat ‘Schauplatz, Schaugepränge’ < skēnḗgriech (σκηνή) ‘Brettergerüst für Schauspieler, Bühne, Szene’, eigentlich ‘Zelt, Hütte, Wohnung, Behausung, Laube’, vgl. sceneamerik-engl ‘soziales, kulturelles Milieu’
eWDG

Bedeutungen

1.
kleiner Teilabschnitt eines Theaterstücks, Films oder Hörspiels, Auftritt
Beispiele:
dritter Akt, zweite Szene
die Szene ›Auerbachs Keller in Leipzig‹ in Goethes ›Faust‹
die Szene muss noch einmal geprobt, gedreht werden
in dieser Szene hat H seinen großen Monolog
2.
Schauplatz der Handlung eines Theaterstücks, Bühne
Beispiele:
die Szene ist bei diesem Auftritt im Halbdunkel
der Schauspieler wartet hinter der Szene auf sein Stichwort
er erhielt Beifall auf offener Szene (= während des Spiels)
etw. geht in Szene (= etw. wird aufgeführt)
Beispiele:
[…] daß die ersten Weimaraner Aufführungen […] der »Zauberflöte« unter Goethes Mitverantwortlichkeit in Szene gingen […] [ GoesGabe32]
Die Szene wird zum Tribunal […] [ SchillerKraniche]
übertragen
Beispiele:
die Szene beherrschen (= unter mehreren die stärkste Wirkung ausüben und einen Vorgang nach eigenem Gutdünken beeinflussen)
sich in Szene setzen (= sich selbst wirkungsvoll zur Geltung bringen)
etw. in Szene setzen (= etw. veranstalten, bewerkstelligen, arrangieren)
3.
Geschehen, Vorgang, Vorfall
Beispiele:
eine ergreifende, erschütternde, turbulente, stürmische Szene
diese peinliche Szene hatte sich vor mehreren Zeugen abgespielt
er mochte keine rührenden Szenen auf dem Bahnsteig
ihren Augen bot sich eine grausige, idyllische Szene (= Anblick)
Solche Szenen waren photographiert und an Zeitschriften verhökert worden [ A. ZweigErziehung91]
Auseinandersetzung
Beispiele:
ihre Meinungsverschiedenheiten führten mehrfach zu heftigen Szenen
Trotzdem gab es jeden Tag wüste Szenen, meistens zwischen der Mutter und Kitty [ RinserMitte251]
jmdm. eine Szene machen (= jmdm. laute, heftige Vorwürfe machen)
Beispiel:
sie machten ihm wegen der unnötigen Aufenthalte eine (regelrechte) Szene
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Szene · szenisch · Szenerie · inszenieren
Szene f. ‘Bühne, Ort der Handlung, Schaubühne, Theater, Öffentlichkeit, Schauplatz’ (1. Hälfte 16. Jh.), ‘Auftritt (als kleinste Einheit eines Bühnenstücks), Bild’ (vereinzelt Mitte 16. Jh., häufiger seit Mitte 18. Jh.), ‘(dramatischer) Vorfall, Vorgang, (malerischer) Anblick’ (Mitte 18. Jh.), ‘Auseinandersetzung, heftiger Wortwechsel, Streit’ (Anfang 19. Jh.), entlehnt aus lat. scaena, scēna ‘Schauplatz, Schaugepränge’, spätlat. ‘äußerer Anblick, Gestalt, Erscheinung, Hergang, Lage’, griech. skēnḗ (σκηνή) ‘Brettergerüst für Schauspieler, Bühne, Szene’, eigentlich ‘Zelt, Hütte, Wohnung, Behausung, Laube’, bis ins 18. Jh. hinein auch in lat. (flektierter) Form. Jung, wohl unter Einfluß von amerik.-engl. scene, ist die Bedeutung ‘soziales, kulturelles Milieu, Gesamtheit von Aktivitäten, Erscheinungen auf einem bestimmten Gebiet’ (Mitte 20. Jh.). szenisch Adj. ‘die Szene betreffend, in der Art einer Szene, bühnenmäßig’ (2. Hälfte 18. Jh.). Szenerie f. ‘(Rundblick über eine) Landschaft, Landschaftsbild, Bühnendekoration’ (Anfang 19. Jh.; anfangs auch in der Nebenform Szenerei); in neuester Zeit auch ‘Schauplatz eines politischen, kulturellen Geschehens’ (Mitte 20. Jh.). inszenieren Vb. ‘die Aufführung eines Bühnenwerks, die Aufnahme eines Films technisch und künstlerisch vorbereiten und leiten, ins Werk, in Szene setzen, hervorrufen’ (2. Hälfte 19. Jh.); vgl. seltenes gleichbed. szenieren.

Thesaurus

Synonymgruppe
(bestimmte) Kreise · (soziales) Umfeld · Lebensbereich · Lebenswelt · Szene  ●  Milieu  Hauptform · Ambiente  geh.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Bühne · Podium · Szene
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Mode sein · Konjunktur haben(d) · Szene... · aktuell · dem Zeitgeist entsprechend · gefragt · im Trend liegen(d) · stylisch  ●  (...) ist das neue (...; ist der / die neue ...)  Jargon, floskelhaft · zum guten Ton gehören(d)  fig. · (voll) im Trend  ugs. · Kult  ugs. · angesagt  ugs. · en vogue  geh., franz. · hip  ugs. · hoch im Kurs stehen  ugs. · im Schwange (sein)  geh. · in (betont, Emphase)  ugs., engl. · in Mode  ugs., Hauptform · kultig  ugs. · sexy  ugs., fig. · trendig  ugs. · trendy  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Auftritt (Teil eines Akts im Drama)  fachspr. · Szene  fachspr.
Assoziationen
  • Auftritt · Betreten der Bühne · Erscheinen auf der Bühne

Typische Verbindungen zu ›Szene‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Szene‹.

Verwendungsbeispiele für ›Szene‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die »Abrechnung« war neben den Informationen über die rechtsextremistische Szene eben auch ein sehr persönliches Buch. [Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 129]
Die Idee dazu kam von Kurt, ebenso wie die einzelnen gespielten Szenen. [o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 265]
Die Szene spielt auf einer Party in einer rheinischen Stadt. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 770]
Man erwartet also nach dieser dritten Szene nichts mehr von diesem Stück. [Neue deutsche Literatur, Bd. 1, Nr. 2, 1953]
Es war wenig, und das habe ich in die Szene investiert. [Der Spiegel, 14.02.1994]
Zitationshilfe
„Szene“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Szene>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Szenarium
Szenarist
Szenariotechnik
Szenario
Szenarientechnik
Szenegänger
Szenejargon
Szenekneipe
Szenenablauf
Szenenapplaus