Tätlichkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tätlichkeit · Nominativ Plural: Tätlichkeiten
Aussprache  [ˈtɛːtlɪçkaɪ̯t]
Worttrennung Tät-lich-keit
Wortzerlegung tätlich-keit
Wahrig und ZDL

Bedeutung

(meist weniger schwerer) körperlicher Angriff auf eine Person, (meist leichte) körperliche Auseinandersetzung
siehe auch Gewalttat, Gewalttätigkeit (2)
Beispiele:
Die Auseinandersetzung gipfelte in Tätlichkeiten, wobei es zu wechselseitigen Körperverletzungen kam. [Fränkischer Tag, 16.10.2019]
Während in Bayern im Jahr 2013 nur 109 Tätlichkeiten unter Gefangenen registriert wurden, stiegen sie bis 2018 auf 247. Darunter fallen neben Körperverletzung auch Erpressung, Vergewaltigung, Totschlag oder Mord. [Süddeutsche Zeitung, 23.11.2020]
Auch beim Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 war es zu Tätlichkeiten gekommen. [Süddeutsche Zeitung, 20.09.2018]
Die Anwendung von Gewalt [gegen den Vermieter] sei besonders verwerflich und rechtfertige in der Regel eine Kündigung. Etwas anderes gelte nur, wenn der Angegriffene Anlass zu der Tätlichkeit gegeben habe oder der Angreifer in Notwehr handele. [Süddeutsche Zeitung, 19.09.2014]
Schüler beim Bildertausch: […] Warum gleich ein Verbot? Das Tauschen auf dem Schulgelände habe Streit und Tätlichkeiten zwischen den Schülern provoziert[…]. [Der Spiegel, 16.05.2008 (online)]
Jörg wurde von Max der falschen Zeugenaussage beschuldigt. Es kam zu Tätlichkeiten, bei denen Max schwer verletzt wird. [Leipziger Volkszeitung, 18.08.1998]
In den letzten Monaten ist kaum ein Tag vergangen, an dem nicht über Angriffe von rechtsextremistischen Gewaltätern gegen Asylbewerberheime, Tätlichkeiten gegen Ausländer und politische Gegner, Schändungen jüdischer Friedhöfe und Gedenkstätten, provokative Aufmärsche zu berichten war. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1992]]
a)
CH vorsätzliche Einwirkung auf den Körper oder die Gesundheit eines anderen Menschen, die keine Schädigung dessen Körpers oder dessen Gesundheit zur Folge hat
In der Schweiz Straftatbestand gemäß § 126 StGB (Schweizerisches Strafgesetzbuch). In Deutschland sind Tätlichkeiten unterhalb der Schwelle der Körperverletzung nicht strafbar.
Beispiele:
Die Zürcher Staatsanwaltschaft forderte wegen schwerer Körperverletzung und Tätlichkeiten gegen Ehefrau und Kinder eine Gefängnisstrafe von drei Jahren [für den angeklagten Ehemann]. [Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2006]
Das Strafgericht gelangte zum Schluss »dass die Handlungen des Beschuldigten das unter das Züchtigungsrecht fallende, geduldete Mass an physischer Einwirkung überschritten«, zumal es immer wieder vorkam. […] Deshalb verurteilte das Strafgericht den Vater wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung (zum Nachteil des ältesten Sohnes) sowie der mehrfachen Tätlichkeiten (zum Nachteil aller vier Kinder). [Luzerner Zeitung, 14.03.2020]
Die Verurteilung der beiden Kosovaren erfolgte wegen leichter Körperverletzung, Drohung und Tätlichkeit. [Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2016]
Mit 608 Fällen war im Jahr 2003 die Tätlichkeit die am häufigsten angenommene (= angezeigte) Straftat, gefolgt von einfachen Körperverletzungen (193), Drohungen (353) sowie Nötigungen (94). [Luzerner Zeitung, 29.03.2004]
Der Schlag gegen die Brust war zwar nur eine »Tätlichkeit«, gehört die Brust aber, wie in diesem Fall, einem Polizisten, so handelt es sich um »Gewalt gegen einen Beamten«. [Basler Zeitung, 27.08.1998]
b)
Sport, besonders Fußball übermäßig harter Körpereinsatz (wie Schlagen, Rempeln, Treten) gegen einen Mitspieler oder den Schiedsrichter
siehe auch Foul
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine klare, grobe, angebliche, vermeintliche, geahndete Tätlichkeit
als Akkusativobjekt: eine Tätlichkeit begehen, sehen, übersehen, ahnden
in Präpositionalgruppe/-objekt: wegen einer Tätlichkeit [für ein Spiel] gesperrt werden
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Tätlichkeit gegen den Gegner, gegen den Schiedsrichter
Beispiele:
»Eine Tätlichkeit liegt vor, wenn ein Spieler einen Gegner abseits des Balles übermässig hart oder brutal attackiert«, steht in der Auslegung der Spielregeln und Richtlinien für Schiedsrichter. [Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2010]
Ab Mitte der zweiten Halbzeit agierten die Otterwischer sogar in Überzahl, nachdem Gäste‑Akteur Tilo H[…] nach einem Zweikampf mit Stephan B[…] eine Tätlichkeit beging und die rote Karte unter die Nase gehalten bekam […]. [Leipziger Volkszeitung, 01.07.2020]
Handball ist ein härterer Sport als Fußball, da man hier nicht bereits nach zwei Tätlichkeiten vom Platz gestellt wird. [Zehn Gründe, warum Handball besser ist als Fußball, 25.03.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Poldis Tritt in den Unterleib des Offenbachers Müller war eine klare Tätlichkeit. [Bild, 23.08.2005]
Tätlichkeiten auf dem Spielfeld kommen zwar allenthalben per Fernsehen frei Haus, aber sind dennoch nicht zur Nachahmung empfohlen. Keine Werbung für den Fußball und schon gar kein Anschauungsunterricht in Sachen sportliche Fairness. [Thüringer Allgemeine, 17.09.2004]
Ein britischer Forscher hat ein Patent entwickelt, mit dem Tätlichkeiten im Fußball künftig handfest nachgewiesen werden können: Sobald ein Spieler einen Gegner am Trikot zieht, löst sich ein Stofffetzen ab und liefert dem Schiedsrichter damit ein klares Beweisstück. [Der Tagesspiegel, 31.01.2001]
Im Berliner Fußball reißen die Spielabbrüche wegen Tätlichkeiten nicht ab. Die neuesten Zwischenfälle ereigneten sich Sonntag Im Stadion Neukölln. [Berliner Zeitung, 06.12.1994]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Handgreiflichkeit · Tätlichkeit · körperliche Auseinandersetzung · tätliche Auseinandersetzung
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Tätlichkeit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tätlichkeit‹.

Zitationshilfe
„Tätlichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/T%C3%A4tlichkeit>, abgerufen am 12.05.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
tätlich
tatkräftig
Tatkraft
Tätigung
Tätigsein
Tatmehrheit
Tatmensch
Tatmerkmal
Tatmotiv
Tatort