Tölpel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Tölpels · Nominativ Plural: Tölpel
Aussprache
WorttrennungTöl-pel
Wortbildung mit ›Tölpel‹ als Erstglied: ↗tölpelhaft  ·  mit ›Tölpel‹ als Letztglied: ↗Bauerntölpel · ↗Dorftölpel · ↗Wochentölpel
 ·  mit ›Tölpel‹ als Grundform: ↗tölpeln
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
abwertend ungeschickter, unbeholfener, einfältiger Mensch
Beispiele:
Aber nach allem, was wir durchgemacht haben, denke ich, dieser Deal ist nichts für mich. – Du armer, naiver Tölpel. Ich tu mal so, als hätte ich das ganze Geschwafel nicht gehört. Ich werde dir mal ein paar Takte erzählen, und wenn ich fertig bin, und du klug bist, dankst du mir und unterschreibst den Vertrag. [Speed Racer, 2008 (Filmuntertitel)]
Allzu oft behandeln die Politiker Europas die Menschen wie Tölpel, die angeleitet und nicht wie Bürger, die begeistert werden müssen. [Berliner Zeitung, 22.10.2002]
Es gibt bergeweise Ratgeber über die Geburt und die ersten Tage danach. Dann gibt es neuerdings bergeweise Bücher über das Vatersein. »Wenn Väter wickeln« et cetra. Das lernt doch jeder Tölpel nach einer Woche. [Die Zeit, 17.12.2015, Nr. 51]
Der [Fußball-]Verein ging […] gegen jenen Tölpel vor, der vor einem TV-Millionenpublikum den Elfmeterpunkt aus dem Gras grub, ihn vom Feld schmuggelte und tags darauf auf seinem Balkon in einen Topf pflanzte, um hier fortan Elfmeterpunkte zu züchten. [Süddeutsche Zeitung, 02.01.2013]
Darf ich Ihnen etwas anvertrauen? Ich habe mir aus Männern nie etwas gemacht! Das sind nur Tölpel! Eine geringere Klasse Mensch als wir Frauen! [Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 91]
2.
(zu den Ruderfüßern gehörender) großer Meeresvogel mit schwarz-weißem Gefieder
Beispiele:
Die Küstengewässer Mauretaniens zählen zu den fischreichsten Gebieten der Erde und sind ein wichtiges Winterquartier für die Basstölpel aus Europa. Schätzungen zufolge verbringt ein Drittel aller europäischen Tölpel dort die kalte Jahreszeit. [Süddeutsche Zeitung, 07.07.2014]
Die Ecuadorianerin ist Naturforscherin und an diesem Tag Wissenschaftsguide [für die Teilnehmer einer Kreuzfahrt] im Dienste der Reederei. Vor allem die Tölpel haben es ihr angetan, sie ist fasziniert von der Vogelwelt auf Genovesa [einer der Galapagosinseln]: »Die Vögel haben keine Angst, weil sie keine natürlichen Feinde haben.« [Die Welt, 18.02.2017]
Tölpel hatten Pech, als die Tiernamen vergeben wurden. […] Der Namensgeber muss sie wohl zunächst an Land gesehen haben, wo die großen Vögel unbeholfen umherwatscheln. In der Luft und im Wasser sind Tölpel alles andere als ungeschickt. [Welt am Sonntag, 23.05.2010, Nr. 14]
Vögel treiben wie Schatten auf der stillen Oberfläche. Als die Boote aus dem Nebel herangleiten, schrecken sie auf, breiten die Flügel aus und brettern wassertretend los – aber sie kommen nicht hoch, sondern sinken zurück wie überladene Maschinen. »Papageientaucher und Tölpel, voll bis zur Halskrause mit caplins [englische Bezeichnung für Lodden, Kapelans, arktische Schwarmfische]«, lacht Stan Cook, der seine Boote im Dunst scharf im Auge behält. [Die Zeit, 03.09.1998, Nr. 37]
Die größte Massensiedlung, vor allem aus Tölpeln, Kormoranen und Pelikanen, findet sich wahrscheinlich auf den trostlos-öden Inseln vor der Küste Perus, die neben jenen Vögeln kaum Leben bergen. Aus ihren aufgehäuften Exkrementen sind im Lauf ungezählter Jahrtausende fast unerschöpfliche Guanolager entstanden, die wertvollste Düngemittel liefern. [Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 126]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tölpel · tölpisch · tölpelhaft · Tölpelei
Tölpel m. ‘einfältiger, ungeschickter Mensch, Dummkopf’. Die seit dem 16. Jh. bezeugten Formen Tölpel, Dölpel (vielleicht schon im 15. Jh. für Tölp vorauszusetzen, s. unten) gehen durch Assimilation hervor aus mhd. törpel, dörpel, die selbst dissimilierte Formen von mhd. dorpære, dörper, törper ‘bäuerischer, roher, nicht höfisch gebildeter Mensch’ (eigentlich ‘Dorfbewohner’) sind. Mhd. dorpære (mit unverschobenem -p-), das neben lautgesetzlich entwickeltes mhd. dorfære tritt, ist wie andere Wörter der höfisch-ritterlichen Kultur (s. ↗Ritter, ↗Wappen) aus dem Fläm. übernommen, vgl. mnl. dorper(e), doorper, doerper, nl. dorper (zu mnl. dorp ‘Acker, Hof, Dorf’, s. ↗Dorf). Die mnl. Bildung gibt afrz. vilain ‘Landmann, Bauer, Nichtadliger, Mann niederen Standes’ wieder (wovon mhd. vil(l)ān), das in Ableitungen und in adjektivischer Verwendung früh pejorativ im Sinne von ‘gemein, grob, ungebildet’ gebraucht wird; es ist entlehnt aus mlat. villanus ‘Bauer, Land-, Dorfbewohner’, adjektivisch ‘zum Land(gut), Dorf gehörig’ (zu lat. vīlla ‘Landhaus, Landgut’, s. ↗Villa). tölpisch Adj. ‘einfältig, unbeholfen, ungeschickt, tölpelhaft’ (16. Jh., daneben bis ins 17. Jh. auch dölpisch, dolpisch), wohl gebildet zu dem Ende des 15. Jhs. belegten, möglicherweise aus als Deminutivum aufgefaßtem Tölpel (s. oben) entstandenen Tölp, Dölp ‘täppischer Mensch, Tölpel’ (zunächst fiktiver Personenname), doch vgl. auch mhd. dörpisch ‘bäurisch’ (s. ↗dörfisch). tölpelhaft Adj. (Anfang 18. Jh., älter tölpelhaftig, 1700). Tölpelei f. ‘Ungeschicklichkeit, Dummheit’ (Mitte 17. Jh., daneben Tölperei, 1691, Tölperlei, 1749); voraus geht mhd. dörperīe, häufiger dörperheit, törperheit, auch dörpelheit ‘bäurisch rohes Benehmen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Tollpatsch · Tölpel · Unbeholfener · ungeschickter Mensch  ●  ↗(Hans) Taps  ugs. · Elefant im Porzellanladen  ugs., fig. · Hiefler  ugs., österr. · ↗Spast  derb · ↗Tatterich  ugs. · ↗Trampel  ugs. · ↗Trampeltier  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Dämlack · Halbgescheiter · Minderbemittelter · Tölpel  ●  ↗Dummerjan  veraltet · ↗Dummkopf  Hauptform · ('ne) hohle Nuss  ugs. · (eine) geistige Null  ugs. · Armer im Geiste (bibl.)  geh. · ↗Armleuchter  ugs. · Bekloppter  ugs. · Blitzbirne  ugs., ironisch · ↗Blödel  ugs. · Blödi  ugs. · ↗Blödian  ugs. · ↗Blödmann  ugs. · ↗Dackel  ugs., schwäbisch, abwertend · Denkzwerg  ugs. · ↗Depp  ugs. · Dolm  ugs., österr. · Dulli  ugs. · ↗Dummbart(el)  ugs. · ↗Dummrian  ugs. · ↗Dumpfbacke  ugs. · Dumpfbatz  derb · ↗Dussel  ugs. · ↗Dödel  ugs. · Dösbaddel  ugs., norddeutsch · ↗Döskopp  ugs., norddeutsch · Eierkopp  ugs., norddeutsch · Eiernacken  ugs. · ↗Einfaltspinsel  ugs. · ↗Esel  ugs. · ↗Flachpfeife  ugs. · ↗Flachwichser  vulg. · ↗Flitzpiepe  ugs., abwertend · Halbdackel  derb, schwäbisch, stark abwertend · Hein Blöd  ugs., regional · ↗Heini  ugs., veraltet · ↗Hirni  ugs. · ↗Hohlbirne  ugs. · ↗Hohlfigur  ugs. · ↗Hohlkopf  ugs. · ↗Holzkopf  ugs. · ↗Honk  ugs. · ↗Hornochse  ugs. · ↗Horst  ugs. · ↗Idiot  derb · ↗Klappspaten  ugs. · ↗Knallcharge  geh. · Knallidiot  ugs. · ↗Knallkopf  ugs. · ↗Kretin  geh., franz. · ↗Lapp  derb, österr. · ↗Napfsülze  ugs. · ↗Narr  geh. · ↗Niete  ugs., fig. · Nullchecker  ugs., jugendsprachlich · Pannemann  ugs. · ↗Pappnase  ugs. · Pfeifenwichs(er)  vulg. · ↗Piesepampel  ugs. · ↗Rindvieh  ugs. · Sacklpicker  ugs., österr. · ↗Schnellmerker  ugs., ironisch · ↗Schwachkopf  derb · ↗Schwachmat  ugs. · Spacko  ugs. · ↗Spast  ugs., jugendsprachlich · ↗Spasti  derb · ↗Spaten  ugs. · ↗Spatzenhirn  ugs. · ↗Stoffel  ugs. · ↗Strohkopf  ugs. · ↗Tepp  ugs. · Todel  ugs., österr. · ↗Torfkopf  ugs. · ↗Torfnase  ugs., ostfriesisch · ↗Trottel  derb · Tuppe  ugs., kärntnerisch · ↗Vollhorst  ugs. · ↗Vollidiot  derb · ↗Vollpfosten  ugs. · Vollspast  ugs. · ↗Volltrottel  derb · armer Irrer  ugs. · dumme Gans  ugs. · dumme Nuss  ugs. · dummes Huhn  ugs. · dummes Schaf  ugs. · dämlicher Hund  ugs., veraltend · en Beschmierten  ugs., ruhrdt. · geistiger Tiefflieger  ugs. · keine Leuchte  ugs. · taube Nuss  ugs. · trübe Tasse  ugs.
Unterbegriffe
  • Religiot · religiöser Idiot
Assoziationen
  • Anfänger · ↗Einsteiger · Nachwuchs... · ↗Neueinsteiger · ↗Neuling · ↗Novize · Nullanfänger (Sprachkurs) · Unerfahrener · neu im Geschäft  ●  ↗Newcomer  engl. · ↗Debütant  geh. · ↗Erstsemester  ugs. · ↗Frischling  ugs., scherzhaft, ironisch · ↗Fuchs  ugs. · ↗Greenhorn  ugs., engl. · ↗Grünschnabel  ugs. · Jungfuchs  ugs. · Jungspund  ugs., seemännisch · ↗Kadett  ugs. · ↗Küken  ugs., fig. · ↗Milchbart  ugs. · Newbie  ugs. · Rookie  ugs. · ↗Rotarsch  derb, militärisch · ↗Springinsfeld  ugs. · ↗Spund  ugs. · ↗Youngster  ugs., engl. · blutiger Anfänger  ugs. · der Neue / die Neue  ugs. · frisch von der Uni  ugs. · junger Dachs  ugs. · junger Hüpfer  ugs. · junger Spritzer  ugs. · junger Spund  ugs. · neu hier (sein)  ugs. · noch nicht lange dabei  ugs. · unbeschriebenes Blatt  ugs., fig.
  • (armer) Wicht · ↗Hanswurst · Lachplatte · ↗Witzblattfigur · dummer August  ●  ↗Fuzzi  ugs. · ↗Komiker  ugs. · ↗Pflaumenaugust  ugs. · ↗Schießbudenfigur  ugs. · ↗Witzfigur  ugs., Hauptform · ↗Wurst  ugs.
  • (bei jemandem) fällt der Groschen in Pfennigen · ↗Spätzünder · ↗begriffsstutzig (sein) · keine schnelle Auffassungsgabe haben  ●  (ein) Brett vor dem Kopf haben  ugs. · (eine) lange Leitung haben  ugs. · ↗(geradezu ein) Blitzmerker  ugs., ironisch · (sich) dumm anstellen  ugs. · auf der Leitung stehen  ugs. · eine Ladehemmung haben  ugs., fig. · kein Blitzmerker  ugs. · nicht die hellste Birne im Kronleuchter  ugs., fig. · nicht die hellste Kerze auf der Torte  ugs., fig. · schwer von Begriff (sein)  ugs. · schwer von Kapee (sein)  ugs.
  • Nichtskönner · ↗Verlierer(typ) · armer Wicht  ●  ↗Versager  Hauptform · ↗(armes) Würstchen  ugs. · ↗Blindgänger  ugs. · ↗Flasche  ugs. · ↗Graupe  ugs. · ↗Heini  ugs., ruhrdt., veraltend · ↗Krücke  ugs. · Lohle  ugs., schwäbisch · ↗Loser  ugs., engl. · ↗Lulli  ugs. · ↗Lusche  ugs. · Luschi  ugs. · ↗Niete  ugs. · ↗Null  ugs. · ↗Nulpe  ugs. · ↗Opfer (jugendspr.)  ugs. · ↗Pfeife  ugs. · Pfeifenheini  ugs., regional · ↗Schwachmat  ugs. · ↗Wurst  ugs.
  • Hillbilly  engl. · Hilly-Billy  engl. · ↗Hinterwäldler  Hauptform · ↗Bauerntrampel  ugs. · ↗Bauerntölpel  ugs. · ↗Dorfdepp  ugs. · Dorftrampel  ugs. · ↗Dorftrottel  derb
  • (geistig) beschränkt · ↗(geistig) minderbemittelt · ↗blöd · ↗blöde · ↗dämlich · geistig nicht (mehr) auf der Höhe · ↗idiotisch · ↗irrsinnig · keinen Grips im Kopf (haben) · nicht besonders helle · nicht gerade helle · ↗schwachköpfig · ↗stockdumm · ↗strohdumm · ↗stupid · ↗stupide · unintelligent · weiß nicht (mehr), was er sagt · weiß nicht (mehr), was er tut  ●  Stroh im Kopf (haben)  fig. · ↗dumm  Hauptform · ↗talentfrei  ironisch · (das) Pulver nicht erfunden haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit Löffeln gegessen haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit dem Schöpflöffel gegessen haben  ugs. · (ein) Spatzenhirn haben  ugs. · (jemandem) haben sie ins Gehirn geschissen  derb · (so dumm) dich beißen doch die Schweine im Galopp  ugs., Spruch · (so) dumm wie 10 Meter Feldweg  ugs. · (so) dumm wie Bohnenstroh  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Gänse beißen  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Schweine beißen  ugs. · ↗(total) Banane (sein)  ugs. · (voll) panne  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bedeppert  ugs. · ↗behämmert  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · ↗beknackt  ugs. · ↗belämmert  ugs. · ↗bescheuert  ugs. · beschruppt  ugs. · besemmelt  ugs. · ↗bestusst  ugs. · birnig  ugs. · ↗deppert  ugs., süddt. · ↗doof  ugs. · dumm wie Brot  ugs. · dumm wie Schifferscheiße  derb · dümmer als die Polizei erlaubt  ugs. · ↗gehirnamputiert  derb · ↗grenzdebil  derb · hirnig  ugs. · ↗hohl  ugs. · ↗merkbefreit  ugs. · naturblöd  ugs. · nicht (ganz) bei Trost  ugs. · nicht bis drei zählen können  ugs. · nicht ganz dicht  ugs. · ↗saublöd  ugs. · ↗saudoof  ugs. · ↗saudumm  ugs. · selten dämlich (Verstärkung)  ugs. · strunzdoof  ugs. · ↗strunzdumm  ugs. · strunzendumm  ugs. · unterbelichtet  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
  • Kleingeist · ↗Tor  ●  armer Tropf  veraltend · ↗Einfaltspinsel  ugs. · ↗Esel  ugs. · ↗Idiot  ugs. · ↗Kamel  ugs. · ↗Simpel  ugs.
  • (Mann,) war das (vielleicht) ein Idiot!  ugs., variabel · Scheiße, wenn man doof ist.  derb, Spruch · Wie blöd kann man sein!?  ugs., Spruch, variabel · so ein Blödmann!  ugs., variabel · was für ein dämlicher Hund!  ugs., variabel, fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Held Kormoran Möwe Pelikan arm beschimpfen dastehen dumm liebenswert naiv sympathisch tumb

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tölpel‹.

Zitationshilfe
„Tölpel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tölpel>, abgerufen am 22.09.2018.

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