Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Türke, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Türken · Nominativ Plural: Türken
Aussprache  [ˈtʏʁkə]
Worttrennung Tür-ke
formal verwandt mitTürkei
Wortbildung  mit ›Türke‹ als Erstglied: Türkenbelagerung · Türkenbezwinger · Türkenbund · Türkengefahr · Türkensitz · Türkensäbel · Türkentaube · Türkin · türkenfeindlich
 ·  mit ›Türke‹ als Grundform: türkisch
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

Einwohner der Türkei; jmd., der die türkische Staatsbürgerschaft besitzt; jmd., der (ursprünglich) aus der Türkei stammt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: [in Deutschland, im Ausland] lebende Türken; eingebürgerte, wahlberechtigte, eingewanderte Türken; ein gebürtiger Türke
hat Präpositionalgruppe/-objekt: ein Türke mit [deutschem] Pass, [deutscher] Staatsangehörigkeit, Staatsbürgerschaft
als Akkusativobjekt: einen Türken heiraten
als Genitivattribut: die Integration der Türken
als Prädikativ: sich als Türke fühlen, bezeichnen
in Präpositionalgruppe/-objekt: Visafreiheit, Visumpflicht für Türken; der Konflikt zwischen Türken und [Armeniern, Kurden, Griechen, Deutschen]; der Sieg über die Türken [vor Wien 1683]
Beispiele:
Deutsche brauchen für die Türkei kein Touristenvisum, Türken für Deutschland schon, auch wenn sie nur ihre Kinder besuchen wollen. [Süddeutsche Zeitung, 24.01.2020]
135.720 Aachener und 122.868 Aachenerinnen sind im Melderegister zum Jahreswechsel 2021/2022 registriert. Davon gelten 55.216 als Ausländer. Unter ihnen ist die Gruppe der Türken mit 6.195 Bürgerinnen und Bürgern mit Abstand die größte – das gilt seit vielen Jahren. [Aachener Zeitung, 15.01.2022]
Doch auch wenn Türken und Armenier noch lange brauchen, bis sie das Trauma des Völkermordes gemeinsam aufarbeiten, sind […] Gespräche wichtig. [Der Tagesspiegel, 15.01.2022]
Sie [die Politikerin Muhterem Aras] kritisiert bei jeder Gelegenheit, dass die Türken bis heute in Deutschland diskriminiert werden – und dennoch kann sie nicht begreifen, dass deutsche Türken der zweiten und dritten Generation einem Politiker wie Erdoğan hinterherlaufen, der Freiheitsrechte abschafft und die Gleichberechtigung von Mann und Frau für widernatürlich hält. [Süddeutsche Zeitung, 23.03.2017]
Man wird den fatalen Gedanken nicht los, daß die Türken wohl eher als Fremdarbeiter denn als Gastarbeiter betrachtet werden. Menschen, die sich gefälligst den christlichen Gewohnheiten und Bräuchen zu beugen haben. Daß in der Bundesrepublik rund 53.000 Türken beschäftigt sind, muß den Düsseldorfer Richtern unbekannt sein, denn wie sonst hätten sie eine solche inhaltleere Floskel formuliert: »Da es sich um einen Einzelfall handelt, bestand kein Anlaß, die Revision zuzulassen.« [Die Zeit, 08.05.1964]
salopp
Phrasem:
einen Türken bauen (= etw. fingieren, vorspiegeln)
Synonym zu türken
Die Verwendung dieses Ausdrucks wird heutzutage oft als diskriminierend empfunden.
Beispiele:
Einen Türken bauen oder etwas türken, also etwas inszenieren, vorspielen, fingieren, könnte auf den berühmten Schachautomaten zurückgehen, den der österreichische Erfinder Wolfgang von Kempelen 1769 einer staunenden Öffentlichkeit präsentierte und der aufgrund seines Aussehens »Der Türke« genannt wurde. [Schweriner Volkszeitung, 15.07.2006]
Einen Türken baut man, wenn man so tut als ob. [Süddeutsche Zeitung, 06.09.2008]
Dieser [vermeintliche Schach-]Automat, eine Art Kommode mit einer angebauten, türkisch gekleideten lebensgroßen Puppe, gewann fast alle Spiele, aber nicht durch seine beeindruckende Mechanik oder gar durch Magie, sondern weil sich in der Kommode ein Schachmeister versteckt hielt[…]. Dieses »Türken bauen« oder »türken« hat die Bedeutung »fingieren, fälschen«. [Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang: Lexikon der populären Sprachirrtümer. Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 211]
»Einen Türken bauen« steht – so Lutz Röhrichs einschlägiges Lexikon – unter anderem für »etwas vorspiegeln, vortäuschen, etwas so stellen, als ob es echt wäre«. [Der Spiegel, 08.12.1980]
ironisch»Was einen Namen hat, das gibt es auch«; was nützlich ist, wird erfunden, korrigiert, geschönt und verkauft, auch Tradition und Geschichte. Um dem Institut eine historische Legitimation zu geben, muss Hayri auf Geheiß seines Gönners einen Türken bauen, soll heißen: ein osmanisches Uhrmachergenie aus dem 17. Jahrhundert erfinden. [Badische Zeitung, 11.10.2008]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Türke‹ (berechnet)

Generation Integration Mehrheit Vater aufgewachsen bremer bulgarisch eingebürgert eingewandert ethnisch festnehmen fühlen geboren gebürtig jung jährig kreuzberger leben lebend nationalistisch osmanisch schießen stammend säkular verurteilen wahlberechtigt wohnen wohnend wählen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Türke‹.

Zitationshilfe
„Türke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/T%C3%BCrke>.

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