Tantra, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Tantra(s) · Nominativ Plural: Tantras/Tantren
Aussprache
WorttrennungTan-tra · Tant-ra
Wortbildung mit ›Tantra‹ als Erstglied: ↗tantrisch
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutungen

1.
Religion esoterisches Schrifttum im Rahmen der indischen (hinduistischen, buddhistischen) Religionen; eigenständiges Lehrsystem innerhalb der Strömung des Tantrismus
Beispiele:
Tantra ist eine Strömung innerhalb der indischen Philosophie, deren Ursprünge im 2. Jahrhundert liegen. [Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2010]
In den Tantras der Hindus wird das Herz nicht als organisches Zentrum verstanden, sondern als ein ätherisches Energiezentrum, das die Gefühle des Menschen steuert. [Frankfurter Rundschau, 11.03.2000]
Der T. [Tantrismus], nach seinen als Tantra bezeichneten Lehrsystemen benannt, ist eine esoterische, nur dem Eingeweihten verständliche ganzheitliche Erkenntnislehre, die von der Untrennbarkeit des Relativen u. Absoluten ausgeht. [Everding, Karl-Heinz u. Soeder, Renate: Tantrismus. In: Notz, Klaus-Josef (Hg.) Lexikon des Buddhismus, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 1251]
Der Begriff Tantra, ursprünglich auf Texte in Verbindung mit der Sakti-Verehrung beschränkt, wird von Sanskrit tan »ausdehnen« abgeleitet, im Sinne von »Ausbreitung des Wissens« bzw. »allumfassendes Wissen«. Der Tantrismus gilt sowohl als wissenschaftl. Methode als auch als prakt. Lebenserfahrung, durch die der Mensch die ihm innewohnenden spirituellen Kräfte freisetzen und mit Hilfe aktiver Kontemplation zur absoluten Wahrheit, zum Einssein, zu Übereinstimmung mit dem Universum gelangen kann (Sadhana). Tantra bez. [bezeichnet] ein »System« von Riten und Lehren und auch die diese darlegenden Schriften. [o. A.: Lexikon der Kunst – T. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 34170]
Die geheimen Lehrtexte (Tantra) schreiben die Meditationsübungen für den fortschreitenden Läuterungsprozeß von Körper und Geist vor, die den Meditierenden zur Erleuchtung und Erkenntnis der in ihm selbst verborgenen Buddha-Natur führen sollen. [o. A.: Lexikon der Kunst – M. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 19686]
2.
auf tantrischen Schriften beruhende rituelle Praxis oder rituelle Handlung (die zu innerer Erkenntnis führt)
Beispiele:
Um den Weg des magischen Tantras gehen zu können, ist eine bestimmte Vertrautheit mit magischen Einweihungen Voraussetzung. [Nagual-Schamanismus, 01.06.2015, aufgerufen am 15.02.2017]
Viele [im Dao-Yoga] verwendeten Übungselemente kommen so oder ähnlich auch beim indischen Yoga und Tantra vor, […] sie zielen[…] darauf, die im Dao-Yoga erlernte neuen Bewegungs- und Verhaltenweisen in den Alltag zu integrieren. [Yoga für Vitalität & Frische. Selbstheilung by »Mensch vital«. Das ganzheitliche Magazin., 01.04.2015, aufgerufen am 15.02.2017]
Aber was Hippies und Blumenkinder unter bewusstseinserweiterndem Brimborium vortrugen, klang lebensfroh: Yoga, Zen, Tantra, später Tai-Chi oder Qigong – alles das war weder hechelnder Leistungssport noch stille Versenkung, es war etwas dazwischen. [Welt am Sonntag, 27.07.2008, Nr. 30]
Eine mittlerweile kaum noch überschaubare moderne Fachliteratur und die zahllosen Aussagen von Betroffenen beweisen, daß die jahrhundertealten buddhistischen Tantras auch heute noch von den Lamas praktiziert werden. Auch der XIV. Dalai Lama beruft sich auf die traditionellen Texte und führt die in ihnen beschriebenen »alten« Rituale durch. [Süddeutsche Zeitung, 15.05.1999]
Ebenfalls nicht empfehlenswert bei echten Konflikten sind die spirituellen Therapien, die gerne von GlücksritterInnen aller Art angeboten werden und mit Kristallen, Chakren, Tantren und dergleichen arbeiten. [die tageszeitung, 18.09.1992]
Zitationshilfe
„Tantra“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tantra>, abgerufen am 14.10.2019.

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