Taumel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Taumels · Nominativ Plural: Taumel · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ˈtaʊ̯ml̩]
Worttrennung Tau-mel
Wortbildung  mit ›Taumel‹ als Letztglied: Begeisterungstaumel · Freudentaumel · Glückstaumel · Liebestaumel · Schaffenstaumel · Siegestaumel · Sinnentaumel
eWDG

Bedeutungen

1.
Gefühl des Schwankens, Taumelns, Schwindel
Beispiele:
ein (jäher, leichter) Taumel erfasste, ergriff, überkam ihn
er war noch, halb, wie im Taumel (= war leicht betäubt, benommen)
er ging wie im Taumel umher
Ich fühlte nach jeder Schicht einen Taumel im Kopf [ MarchwitzaJugend107]
schwankende, taumelnde Bewegung
Beispiel:
die Blätter fallen … in unentwegtem Taumel auf die Ufer nieder [ KlepperKahn126]
bildlich
Beispiel:
Um mich war ein Taumel von schwitzenden Menschen, wandernden Koffern [ KeunMitternacht53]
2.
übertragen überwältigende innere Aufwallung, Rausch, Überschwang, Ekstase
Beispiele:
er wurde von einem (wilden, wollüstigen, glückseligen) Taumel der Freude, Lust, Leidenschaften erfasst
die Menge ergriff ein Taumel der Begeisterung, des Entzückens
er geriet in einen Taumel der Schwärmerei
ein Taumel (= wirbelnde, wilde, rauschende Folge) von Vergnügungen, glänzenden Festen ließ sie nicht zur Besinnung kommen
daß die Gefahr … die Liebesleute anfeuerte und sie einem Taumel zutrieb [ KusenbergNicht zu glauben85]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

taumeln · Taumel · taum(e)lig
taumeln Vb. ‘sich unsicher, schwankend vorwärts oder hin und her bewegen, schwanken, torkeln’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende Verb ahd. tūmilōn ‘dröhnen, tosen’ (8. Jh.), tūmalōn ‘sich im Kreise herumdrehen, rollen’ (Hs. 15. Jh.), mhd. tūmeln ‘sich mit Heftigkeit bewegen, springen, tanzen’, frühnhd. ‘sich (im Schwindel, im Rausch) unsicher bewegen, hin und her wanken’, mnd. mnl. tūmelen, nl. tuimelen ist eine Iterativbildung zu dem untergegangenen Verb ahd. tūmōn ‘kreisen, drehen, (sich) winden’ (10. Jh.), mhd. tūmen. Es gehört als Bildung mit m-Formans zu der unter Duft, Dunst (s. d.) aufgeführten Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln’, besonders von Staub, Rauch, Dampf, auch ‘in heftiger, wallender Bewegung sein’; s. auch tummeln. Taumel m. ‘Gefühl des Schwankens, Schwindel(gefühl), rauschhafter Gemütszustand, innere Erregung, Überschwang’ (17. Jh.), Rückbildung von taumeln. taum(e)lig Adj. ‘schwindlig, schwankend, benommen’ (17. Jh.), früher taumelicht.

Thesaurus

Synonymgruppe
(im) Zustand der Euphorie · Ekstase · Rausch · Taumel · Trance · Verzückung · Wahn · Zustand absoluter Verzückung · Zustand der Trance
Oberbegriffe
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
Schwindel · Taumel · Vertigo
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Taumel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Taumel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Taumel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Taumel der vorübereilenden Gesichter erkannte er den Maurer Prokoff. [Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 10]
In ihrer Glanzrolle als Rodelinda in der gleichnamigen Oper von Händel versetzte sie das Publikum in einen Taumel der Begeisterung. [Gümmer, Paul: Cuzzoni. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1952], S. 10222]
Taumel und Freude über die großen Siege, die das Jahr gebracht hatte, erfüllten alle Herzen. [Bismarck, Hedwig von: Erinnerungen aus dem Leben einer 95jährigen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 7176]
Ein neuer Liebhaber, so schlußfolgert er, muß im Taumel der Gefühle ihren Namen hier verewigt haben. [konkret, 1984]
Der nationale Taumel nach dem Golfsieg machte den Regierungschef zwar vorübergehend populärer als seinen großen Vorgänger Winston Churchill. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1991]]
Zitationshilfe
„Taumel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Taumel>.

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