Tausendschönchen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungTau-send-schön-chen
eWDG, 1976

Bedeutung

landschaftlich Gänseblümchen, das im Garten angepflanzt wird und größer und kräftiger als die auf den Wiesen wild wachsende Pflanze ist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tausend · Tausendfüß(l)er · Tausendkünstler · Tausendsas(s)a · tausendschön · Tausendschön · Tausendschönchen
tausend Num. ‘zehnmal hundert’, übertragen ‘sehr viel, ungezählt’. Auszugehen ist von einem (ursprünglich, nach Ausweis des Got., zu den fem. jō-Stämmen gehörenden) Substantiv, das sich über adjektivischen (attributiven) Gebrauch auch zum Zahlwort der Zahlenreihe entwickelt. Ahd. thūsunt (8. Jh.), mhd. tūsent, asächs. (mit dem Suffix der Zehnerreihe) thūsundig, mnd. dūsunt, dūsent, mnl. dūsent, nl. duizend, aengl. þūsend, engl. thousand, anord. þūsund, schwed. tusen, got. þūsundi ‘tausend’ führen auf ein Kompositum, dessen erstes Glied germ. *þūs- mit s-Formans sich zu der Wurzel ie. *tē̌u-, *teu̯ə-, *tū̌- ‘schwellen’ (s. ↗Daumen, ↗deuten, ↗düster) stellt und dessen zweites Glied dem ersten Bestandteil des unter ↗hundert (s. d.) behandelten Zahlworts (vgl. anord. þūsundraþ neben þūsund) entspricht. Dieselbe Bildungsweise zeigt die baltoslaw. Gruppe lit. túkstantis, lett. tūkstotis, aslaw. tysęšti, tysǫšti, russ. týsjača (тысяча) ‘tausend’. Als Grundbedeutung kann ‘vielhundert’ angenommen werden. Tausendfüß(l)er m. langgestreckter Gliederfüßler mit einem in viele Segmente gegliederten Körper und sehr vielen Beinen, zuvor Tausendfuß (18. Jh.), Tausendbein (Ende 17. Jh.), Übersetzung von lat. mīlipeda, mīllepeda, griech. chīliópūs (χιλιόπους) ‘Tausendfüßler’. Mit einer Steigerungsform Tausend-, die euphemistisch auch zur Umschreibung des Teufels dient (s. ↗potz, ↗potztausend), ist gebildet Tausendkünstler m. ‘Teufel’ als ‘Alleskönner, Zauberer’ (16. Jh.), dann ‘Gaukler, Magier’. Ebenso Tausendsas(s)a m. ‘vielseitig begabter, geschickter, oft auch leichtsinniger Mensch, Draufgänger’, aber auch ‘Glückskind’ und ‘Teufel’ (Mitte 18. Jh.), Substantivierung von tausend sa! sa!, einem aufmunternden Lockruf für Jagdhunde (vgl. hopsassa); vgl. mhd. , zazā, aus afrz. ça ‘hier(her), wohlan’ (frz. çà), dem lat. ecce hāc ‘sieh hierher’ zugrunde liegt. tausendschön Adj. ‘übermäßig schön’ (16. Jh.). Substantiviert Tausendschön n. Name der gefüllten Gartenform des Gänseblümchens (um 1600); heute meist als Deminutivum Tausendschönchen n. (seit 18. Jh.).

Thesaurus

Botanik
Synonymgruppe
Gänseblümchen · ↗Maßliebchen · Tausendschönchen  ●  Margritli  schweiz. · Bellis perennis  fachspr., botanisch
Oberbegriffe
  • Blume  ●  Blühtrieb  fachspr. · blühender Trieb  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Primel Stiefmütterchen Vergißmeinnicht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tausendschönchen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am Ende sagt ein Titel, Tausendschönchen sei denen gewidmet, die sich nicht nur über das Zertreten eines Salatbüffets empören können.
Die Zeit, 26.01.2006, Nr. 05
Ich schlenderte an einem herrlichen Sonntag die Copacabana entlang auf der Suche nach den Tausendschönchen.
Die Zeit, 15.11.1974, Nr. 47
Sie traten hinaus auf eine mit Anemonen und Tausendschönchen über und über bedeckte Wiese.
Ury, Else: Nesthäkchen fliegt aus dem Nest, Stuttgart: K. Thienemanns 1997 [1920], S. 62
Die fröhliche, ganz unaufdringlich kritische Konsumorgie "Tausendschönchen" paßt recht gut in unsere postmoderne Zeit des illusionslosen Universalzynismus und - hoffentlichen - Endes der Ideologien.
Der Tagesspiegel, 19.05.1999
Zitationshilfe
„Tausendschönchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tausendschönchen>, abgerufen am 19.10.2019.

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