Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Temperament, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Temperament(e)s · Nominativ Plural: Temperamente
Aussprache 
Worttrennung Tem-pe-ra-ment
Wortbildung  mit ›Temperament‹ als Erstglied: Temperamentbolzen · Temperamentbündel · Temperamentsausbruch · Temperamentsbolzen · Temperamentsbündel · Temperamentssache · temperamentlos · temperamentvoll
Herkunft aus temperāmentumlat ‘das richtige Verhältnis gemischter Dinge, die gehörige Mischung, das rechte Maß, Mäßigung’ < temperārelat ‘das rechte Maß beobachten, mäßig sein, in das gehörige Maß, Verhältnis bringen, mischen’
eWDG

Bedeutungen

1.
auf der höheren Nerventätigkeit beruhende Gemütsart und Verhaltensweise des Menschen, die in der Auseinandersetzung mit der Umwelt ihre endgültige Ausbildung erhält
Beispiele:
bereits Hippokrates unterschied vier Typen von Temperamenten: das sanguinische, phlegmatische, cholerische, melancholische Temperament
ein lebhaft-heiteres (= sanguinisches) Temperament
ein leicht aufbrausendes (= cholerisches) Temperament
das künstlerische Temperament
das Temperament eines Kindes, Malers
die Sprunghaftigkeit seines Temperaments
Menschen von verschiedenem Temperament
ein leichtes, glückliches, kühles Temperament haben
Mein ohnehin schwerblütiges Temperament litt darunter [ FedererRegina Lob22]
2.
starke Gemütsbewegung
Grammatik: nur im Singular
a)
Lebhaftigkeit, Feuer
Beispiele:
ein jugendliches, sprühendes, feuriges Temperament
eine Frau mit Temperament
die Leidenschaftlichkeit, der Überschwang seines Temperaments
das Temperament sprüht aus ihren Augen
sein Temperament riss alle mit
viel Temperament haben
ihm fehlt es an Temperament
sie entfaltete alle Seiten ihres wilden und hinreißenden Temperaments [ Wasserm.Wahnschaffe1,68]
b)
große Erregbarkeit
Beispiele:
sein Temperament geht mit ihm durch
er ließ seinem Temperament die Zügel schießen
ein hitziges, ungezügeltes Temperament
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Temperament · temperamentvoll · temperamentlos
Temperament n. individuelle Veranlagung des Menschen, die sich in der Art seines Verhaltens, seines Reagierens auf Reize äußert, auch ‘Gemütsart’ und vielfach ‘Lebhaftigkeit, Schwung’. Lat. temperāmentum ‘das richtige Verhältnis gemischter Dinge, die gehörige Mischung, das rechte Maß, Mäßigung’, gebildet zu lat. temperāre ‘das rechte Maß beobachten, mäßig sein, in das gehörige Maß, Verhältnis bringen, mischen’, wird zunächst (1. Hälfte 16. Jh.) im Sinne von ‘richtiges Mischungsverhältnis’ (von Kräutern), ‘ausgleichendes Heilmittel’ in die Sprache der Pharmazie entlehnt, danach auf das ‘Mischungsverhältnis der menschlichen Körpersäfte’ (im Sinne der antiken Temperamentenlehre) übertragen (2. Hälfte 16. Jh.). Daraus entwickelt sich (etwa 18. Jh.) die heutige Bedeutung. – temperamentvoll Adj. ‘lebhaft, schwungvoll, feurig, spritzig’ (Anfang 20. Jh.). temperamentlos Adj. ‘schwunglos, träge, lahm’ (1. Hälfte 20. Jh.).

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Beschwingtheit · Kraft · Lebenskraft · Schwung · Temperament · Vitalität  ●  Elan  franz.
Antonyme
Synonymgruppe
Charakter · Eigenart · Format · Gemüt · Gemütsart · Gepräge · Natur · Naturell · Persönlichkeit · Temperament · Veranlagung · Wesen · Wesenheit · Wesensart  ●  Gemütsanlage  geh. · Profil  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen
Unterbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Temperament‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Temperament‹.

Verwendungsbeispiele für ›Temperament‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf die Dauer kann dieses ungebremste Temperament allerdings auch anstrengend werden. [Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 291]
So ein hitziges Temperament war vielleicht gut für einen Liebhaber. [Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, Berlin: Aufbau-Verl. 1974, S. 440]
Mit seinem cholerischen Temperament schießt er häufig über das Ziel hinaus. [Klemz, Willy: Praktische Menschenkunde, Düsseldorf: Greif 1963, S. 109]
Die Form macht, im gelungenen Fall, sein umstürzlerisches Temperament aus. [Die Zeit, 29.07.1999, Nr. 31]
So hölzern der zweite Mann auch wirkt, wenn es um Wissen geht, kann er Temperament entwickeln. [Die Zeit, 29.01.1998, Nr. 6]
Zitationshilfe
„Temperament“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Temperament>.

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