Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Tendenz, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tendenz · Nominativ Plural: Tendenzen
Aussprache 
Worttrennung Ten-denz (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Tendenz‹ als Erstglied: Tendenzblatt · Tendenzdichter · Tendenzdichtung · Tendenzdrama · Tendenzfilm · Tendenzliteratur · Tendenzroman · Tendenzstück · Tendenzwende · tendenziell
 ·  mit ›Tendenz‹ als Letztglied: Aggressionstendenz · Auflösungstendenz · Aufwärtstendenz · Beharrungstendenz · Beruhigungstendenz · Börsentendenz · Entwicklungstendenz · Grundtendenz · Haupttendenz · Markttendenz · Preistendenz · Radikalisierungstendenz · Verfallstendenz · Wettertendenz · Zeittendenz
 ·  mit ›Tendenz‹ als Grundform: tendenziös
Herkunft tendieren, vgl. gleichbedeutend tendancefrz, tendencyengl
eWDG

Bedeutungen

1.
das Streben einer Entwicklung in eine bestimmte Richtung
Grammatik: Plural selten
Beispiele:
die Tendenz einer, dieser Entwicklung geht dahin, …
eine abweichende Tendenz
etw., jmd. hat, zeigt eine progressive Tendenz
eine Statistik mit steigender, fallender Tendenz
der Luftdruck ist niedrig, aber die Tendenz ist steigend
Für die DDR ergibt sich eine sinkende Tendenz der Kriminalität [ Urania1962]
Börsenwesen Entwicklung der Kurse
Beispiel:
Die Tendenz [am Rentenmarkt] war ausgesprochen freundlich [ Tageszeitung1963]
Bestrebung, Strömung
Grammatik: meist im Plural
Beispiele:
formalistische Tendenzen in der Kunst
konservative Tendenzen in einer Partei
Hang, Neigung
Beispiele:
eine Tendenz zum Romantisieren, zur Bequemlichkeit haben, zeigen
ein belesener … Mann von leisen liberalen Tendenzen [ FedererPapst327]
2.
abwertend in einem künstlerischen, besonders literarischen Werk enthaltenes, meist ideologisches grundsätzliches Anliegen
Beispiele:
die Tendenz eines Romans, Dramas
das Buch hat eine (politische) Tendenz
Wer Tendenz nicht will, ist immer nur gegen das vorwärts Gerichtete [ H. Mann11,270]
Jedes Drama, das nicht nur die Tendenz (= den Zweck) hat, Geld zu machen, hat irgendeine andere Tendenz [ BrechtSchriften z. Theater1,155]
veraltend Absicht
Beispiel:
Herr von Andergast beugte sich ein wenig vor … voll der geheimen Tendenz, dem Vater unerwartet Neues über den Sohn zu sagen [ Wasserm.Maurizius137]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tendieren · Tendenz · tendenziös
tendieren Vb. ‘zu etw. hinneigen, auf etw. gerichtet sein, in eine bestimmte Richtung streben’ (1. Hälfte 16. Jh., Paracelsus), entlehnt aus lat. tendere ‘spannen, ausdehnen, sich hingezogen fühlen, sich anstrengen’. Unter dem Einfluß des Substantivs Tendenz (s. unten) und unter Einwirkung von gleichbed. engl. to tend, frz. tendre (s. unten) gewinnt das Verb im 19. Jh. erheblich an Verbreitung. – Tendenz f. ‘Entwicklungsrichtung, Neigung, Anliegen, Bestrebung’ (2. Hälfte 18. Jh.), wohl entlehnt und relatinisiert aus gleichbed. frz. tendance, afrz. ‘Neigung, Streben’, einer Ableitung von afrz. frz. tendre ‘(auf)spannen, ausstrecken, darreichen, auf etw. abzielen, nach etw. streben’, aus lat. tendere (s. oben). Einfluß von engl. tendency (aus mlat. tendentia, ebenfalls zu lat. tendere) bzw. engl. (heute selten) tendence (aus afrz. tendance) auf den dt. Ausdruck ist wahrscheinlich. tendenziös, vereinzelt tendentiös Adj. ‘in eine bestimmte Richtung zielend, einer bestimmten Absicht dienend, für einen bestimmten Zweck zurechtgemacht’ (Mitte 19. Jh.), vgl. jüngeres frz. tendancieux, engl. tendentious.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bias · Tendenz · Verzerrung · systematische Abweichung · systematischer Fehler
Synonymgruppe
Synonymgruppe
Synonymgruppe
Affinität (zu) · Hang (zu) · Neigung (zu) · Tendenz (zu)  ●  Anfälligkeit (für)  medizinisch
Politik
Synonymgruppe
Tendenz  ●  Schlagseite (haben)  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Tendenz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tendenz‹.

Verwendungsbeispiele für ›Tendenz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An diese immer deutlicher sichtbar werdende Tendenz gilt es anzuknüpfen. [Grahneis, Heinz u. Horn, Karlwilhelm (Hg.), Taschenbuch der Hygiene, Berlin: Verlag Volk u. Gesundheit 1972 [1967], S. 47]
Nur zögernd hat sich die glückliche Tendenz durchgesetzt, die Zahl der Möbel weise zu beschränken. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 33]
Und dennoch hat die antibürgerliche Tendenz in einer bürgerlich werdenden Stadt paradoxe Züge. [Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 49]
Dennoch kann sie eine vorherrschende Tendenz der beiden Künstler markieren. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 435]
In seinen früheren Romanen hat Lenz oft eine didaktische Tendenz verfolgt. [Die Zeit, 14.10.1999, Nr. 42]
Zitationshilfe
„Tendenz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tendenz>.

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