Teuerung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Teuerung · Nominativ Plural: Teuerungen
Nebenform selten Teurung · Substantiv · Genitiv Singular: Teurung · Nominativ Plural: Teurungen
Aussprache  [ˈtɔɪ̯əʀʊŋ] · [ˈtɔɪ̯ʀʊŋ]
Worttrennung Teue-rung Teu-erung · Teu-rung
Wortbildung  mit ›Teuerung‹ als Erstglied: Teuerungsdruck · Teuerungserwartung · Teuerungsindex · Teuerungsrate · Teuerungsschub · Teuerungswelle
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Wirtschaft Umfang, Prozentsatz des (voraussichtlichen oder bereits erfolgten) Preisanstiegs für ein Produkt, eine Dienstleistung o. Ä.
Synonym zu Teuerungsrate, Verteuerung (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine allgemeine, hohe, niedrige, geringe, jährliche Teuerung
als Akkusativobjekt: die Teuerung anheizen, dämpfen, begrenzen; eine Teuerung erwarten
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Kampf, die Maßnahmen gegen die Teuerung; mit einer Teuerung [von zwei Prozent] rechnen; der Grund für die Teuerung
als Aktiv-/Passivsubjekt: die Teuerung sinkt, geht zurück
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Teuerung von, um drei Prozent
Beispiele:
2016 soll sich die Teuerung auf 1,6 Prozent beschleunigen – im Juni war für das kommende Jahr allerdings noch eine Teuerungsrate von 1,9 Prozent vorausgesagt worden. [Der Standard, 13.10.2015]
Die vorgebrachten Argumente für höhere mittelfristige Teuerungsraten als geldpolitisches Ziel seien »verkürzt und nicht überzeugend«, urteilen die Bundesbank‑Experten in ihrem Fazit knapp. Seit einiger Zeit peilen Zentralbanken weltweit eine Teuerung von um die zwei Prozent als optimales Niveau für die Wirtschaft an. [Die Welt, 19.06.2018]
Für die Währungsunion wird sogar ein Preisrückgang von 0,1 Prozent vorausgesagt (nach einer niedrigen Teuerung von 0,4 Prozent 2014). [Der Standard, 05.02.2015]
Die höchste Teuerung wurde in den Niederlanden mit einer Rate von 3,2 Prozent gemessen. [Der Spiegel, 15.03.2013 (online)]
Die jährliche Teuerung in der Eurozone ist im Dezember stabil gegenüber November bei 2,2 Prozent geblieben. [Der Standard, 04.01.2013]
Die Politik stehe vor der großen Herausforderung, die Teuerung zu dämpfen, ohne das Wachstum abzuwürgen. [Die Zeit, 17.07.2008]
Die Teurung in Deutschland scheint auch im Mai 1992 nach den bislang vorliegenden Daten aus den Bundesländern auf einem hohen Stand zu verharren. [Süddeutsche Zeitung, 27.05.1992] ungewöhnl.
2.
Wirtschaft das (allgemeine) Ansteigen, Sicherhöhen von Preisen (für Waren, Dienstleistungen o. Ä.); das Teurerwerden, Sichverteuern (von Waren, Diensleistungen o. Ä.)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine allgemeine Teuerung
in Präpositionalgruppe/-objekt: mit einer Teuerung rechnen; der Kampf, die Maßnahmen gegen die Teuerung; der Grund für die Teuerung
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Teuerung bei Heizöl, Benzin, Nahrungsmitteln, Lebensmitteln
Beispiele:
Die stärksten Teuerungen sind seit Anfang Juni bei Agrarrohstoffen zu beobachten – mit einem Plus von 30 Prozent bei Mais. [Der Standard, 16.07.2012]
Wegen des frühen Wintereinbruchs in Europa müssen Verbraucher weiterhin mit Teuerungen bei Heizöl und Benzin rechnen. [Die Zeit, 07.12.2010 (online)]
Der Irakkonflikt und die Krise in Venezuela heizten zudem die Teuerung bei der Energie an. [Der Tagesspiegel, 25.01.2003]
Schon im Februar rechneten 80 Prozent der Warenhäuser und 70 Prozent der Verbrauchermärkte für die nächsten drei Monate mit einer Teuerung, vor allem bei Glas, Porzellan und Keramik, Hausrat, Möbeln und Campingartikeln. [Der Spiegel, 19.04.1976]
So schwimme ich momentan im Geld – aber alles schwimmt fort bei der maßlosen Teuerung. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1923. In: ders.: Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1923], S. 155]
3.
veraltet große (Hungers-)‍Not
Beispiele:
Das Schiff lag mit vielen anderen in Kanton; man brachte Hirse und Reis, um einer drohenden Teuerung zuvorzukommen. [Kubin, Alfred: Die andere Seite. München: Spangenberg 1990 [1909], S. 9]
Da der Bezug von Arzneien aus dem Auslande jetzt wegfällt, macht sich darin für die Zivilbevölkerung ein bedauerlicher Mangel und eine damit zusammenhängende Teuerung geltend, mit deren Beseitigung sich […] bereits eine besondere Kommission eifrig befaßt. Unendlich viel geschieht zur Linderung der Hungersnot. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 02.03.1915]
Krankheiten verbreiteten sich [im Dreißigjährigen Krieg] im schwedischen Lager, und viele starben an der Ruhr. In der Stadt nahm Mißtrauen und Niedergeschlagenheit zu, wie die Kranken auf den Wunsch des Königs zu besserer Pflege hineingebracht wurden und zu der schon herrschenden Teuerung noch die Seuche eingeschleppt zu werden drohte. [Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg. Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 622]
Die Reste der oligarchischen Partei, etwa 500 Mann, die dem Massaker entkommen waren, hatten sich zunächst auf das Festland geflüchtet, dann aber, verstärkt durch angeworbene Epiroten, in der Gebirgslandschaft Istone im Norden der Insel festgesetzt; von hier aus verwüsteten sie das Land und schnitten der Stadt die Lebensmittel ab, so daß eine arge Teuerung entstand. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums. Bd. IV, 2. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 21050]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

teuer · Teuerung · beteuern · verteuern
teuer Adj. ‘hoch im Preis, viel Geld kostend, lieb, wert, hochgeschätzt’, ahd. tiuri ‘wertvoll, kostbar, lieb, angesehen, hochgeschätzt’ (um 800), mhd. tiur(e), (md.) tūr(e), tūwer, auch ‘von hohem Wert, einen hohen Preis kostend, herrlich, vortrefflich, ausgezeichnet, vornehm’, asächs. diuri ‘teuer, lieb’, mnd. dǖr(e) ‘teuer, kostbar, herrlich, ausgezeichnet’, mnl. diere, dūre ‘kostbar, teuer, wert, lieb, hervorragend, ausgezeichnet, selten, knapp’, nl. duur ‘kostbar, teuer’, aengl. dēore (dazu aengl. dēorling, engl. darling ‘Liebling’), (westsächs.) dīere ‘teuer, kostbar, edel’, engl. dear ‘teuer, lieb, kostspielig’, anord. dȳrr, schwed. dän. dyr ‘teuer, kostbar’ (germ. *diuri-). Schon früh wird aus dem Germ. gleichbed. finn. tyyris entlehnt. Für die mit dauern2 ‘leid tun, Mitleid erregen’ (s. d.) verwandten, nur dem Got. fehlenden Adjektivformen gibt es keine gesicherten außergerm. Anknüpfungen. Teuerung f. ‘das Teurerwerden, Preisanstieg’, spätmhd. tiurunge ‘bestimmter Wert, Preis, Teuerung’. beteuern Vb. ‘feierlich, hoch und teuer versichern’ (Anfang 17. Jh.); doch vgl. frühnhd. beteurung ‘Beteuerung’ (15. Jh.). Dem heutigen Verb formal entsprechendes mhd. betiuren weist eine andere Semantik auf (‘zu kostbar dünken, leid tun’), s. bedauern. Heutiges beteuern schließt sich in seiner Bedeutungsentwicklung eher an das Simplex ahd. mhd. tiuren ‘wertvoll machen, für wertvoll erklären’ an. verteuern Vb. ‘teurer machen, den Preis heraufsetzen’, reflexiv ‘teurer werden’, mhd. vertiuren ‘teuer machen’; vgl. mnd. vordǖren, mnl. verdieren, verdūren.

Thesaurus

Ökonomie
Synonymgruppe
Ökonomie
Synonymgruppe
Geldentwertung · Kaufkraftverlust · Preisanstieg · Preisauftrieb · Preissteigerung · Teuerungsrate · Verteuerung  ●  Inflation  Hauptform · Teuerung  veraltend · Aufblähung der Geldmenge  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Teuerung‹, ›Teurung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Teuerung‹.

Zitationshilfe
„Teuerung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Teuerung>, abgerufen am 01.12.2021.

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